Auch die Synagoge in der heutigen Jahnstraße entstand wohl zu Beginn oder Mitte des 19. Jahrhunderts, da die jüdische Gemeinde vor Ort genügend Mitglieder hatte, um sich von den Glaubensbrüdern in Braubach zu emanzipieren.
Die Jahnstraße hieß zu dieser Zeit Judengasse; der Weg, der die Straße über die Hauptstraße hinweg Richtung Bahn verlängert, war der Judenpfad. Die Umbenennung in Jahnstraße erfolgte im Jahr 1935 im Zuge der sich verstärkenden Judenverfolgung.
Die Synagoge befand sich im Haus Judengasse 130, heutige Anschrift Jahnstraße 5. Das Haus steht heute noch, wurde aber in späteren Jahren aufgestockt.
Laut Elmar Ries war der Gebetsraum im Erdgeschoss des Hauses, es habe aber niemand der jüdischen Mitbürger in der Synagoge gewohnt. Als Eigentümer ist auf dem Katasterplan von 1870 Abraham Sommer eingetragen, der Familienname Sommer gehört zu den in Osterspai vielfältig nachweisbaren Juden. In den Adressbüchern aus den Jahren 1896 und 1911 finden sich keine Einwohner mit dieser Anschrift. Im Jahr 1912 erfolgte der Verkauf des Hauses mit dem Gebetsraum an den Maurer Josef Brack. Aus einem Genehmigungsschreiben des Regierungspräsidiums geht hervor, dass inzwischen die jüdische Kultusgemeinde Eigentümer des Gebäudes geworden war.
Spätestens gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die jüdische Gemeinde im Dorf wieder kleiner. Nach Daten der damaligen Volkszählungen lebten 1895 noch 18 Juden im Dorf. 1900 und 1905 waren es noch je 16 und 1910 noch 10. Die Zahl der jüdischen Schulkinder nahm entsprechend ab. Im Jahr 1913 waren erstmals keine jüdischen Kinder mehr in der Schule gemeldet.
Im gleichen Jahr wurden die Osterspaier Juden der Synagogengemeinschaft Oberlahnstein zugeordnet. In einem Schreiben vom 15.12.1913 bezeichnen sich Mina und Seckel Kaufmann als die letzten lebenden Mitglieder der Osterspaier Kultusgemeinde. Mina wird da als Witwe des Issak Kaufmanns bezeichnet, der Vorstand der Kultusgemeinde war also verstorben. Schon 1912 wurde die Synagoge an den Maurer Josef Brack verkauft, siehe oben.
Die erhaltenen Grabsteine von Seckel Kaufmann und von Karoline Kaufmann weisen als Todesdatum den 14.06.1917 bzw. den 25.01.1919 aus. Spätere Zeugnisse von in Osterspai lebenden jüdischen Mitbürgern sind nicht bekannt.
Um das Jahr 1920 lebten vermutlich keine Juden mehr in Osterspai.
Wann genau und mit welchem Ziel die letzten jüdischen Familien das Dorf verließen, ist nur für Jakob Kaufmann und seine Geschwister zumindest teilweise bekannt.
Jakob Kaufmann war mit Ehefrau Mathilde, den Kindern und seiner Schwester Settchen 1912 nach Kamp übergesiedelt.
Nach Jahren der Integration schlug auch in Kamp der von den Nationalsozialisten geschürte Judenhass im Jahr 1938 in Gewalt um. Das Wohnhaus der Familie wurde in der Reichspogromnacht am 09.11.1938 von Mitbürgern verwüstet, schließlich folgte 1941 die Deportation des Ehepaares über das Lager Oberlahnstein ins Konzentrationslager Theresienstadt. Von dort ging ihr letzter Weg ins Lager Treblinka, wo sie 1942 ermordet wurden.
Ihre Kinder Frieda und Erich konnten rechtzeitig Ende der 1930er Jahre nach Amerika fliehen. Erich Kaufmann war bis 1912 das letzte jüdische Kind gewesen, das die Osterspaier Schule besuchte.
Jakob Kaufmann war eines der sechs Kinder des bereits erwähnten Kultusrechners Seckel Kaufmann.
Seine Schwester Settchen verstarb 1922 in Kamp. Sie wurde auf dem Osterspaier Judenfriedhof begraben, ihr Grabstein dort ist erhalten. Schwester Fanny Kaufmann starb 1936 in Oberlahnstein.
Eine weitere Schwester, Serlina, wurde nach einer Station in Nassau schließlich in Bonn ansässig, verheiratet mit Julius Israel. Auch sie wurde deportiert und starb 1942 im besetzten Polen, wo genau ist unbekannt.
Jakobs Bruder Hermann Kaufmann verzog nach seiner Hochzeit mit seiner Frau Mathilde nach Godesberg. Hermann starb im Konzentrationslager Theresienstadt, Mathilde vermutlich in Treblinka. Ihr Sohn Julius fiel im 1. Weltkrieg, ihre Tochter Johanna und deren Mann Max Klee starben in Auschwitz.
Bruder Wilhelm Kaufmann lebte in Münstermaifeld und konnte 1941 über Lissabon in die USA fliehen, wo er 1950 starb.