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Loreley-Echo - Mitteilungsblatt der Verbandsgemeinde Loreley
Ausgabe 41/2026
Aus den Gemeinden
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Der jüdische Friedhof

Erhalten geblieben als Zeugnis der jüdischen Kultur ist der jüdische Friedhof außerhalb des Dorfes.

Das rechteckige Grundstück ist 784 qm groß und liegt ca. 700 m Luftlinie südöstlich von der Gemeinde entfernt, über die Straße von der Gemeinde zum Hof Marienberg ca. 1 km. Er liegt ca. 5 Meter rechts an der Straße ca. 50 m nach dem links liegenden Abzweig zur Florianshütte. Ein wenige Meter langer Fußpfad führt von der Straße zum Friedhofstor.

Der Friedhof wurde wohl im 19. Jahrhundert angelegt, wann genau ist nicht bekannt. Er soll auch den Juden aus Filsen und Kamp-Bornhofen als Grabstätte gedient haben.

Erhalten haben sich drei komplette Grabsteine sowie ein Fragment eines vierten.

1.

Karoline Kaufmann geb. Wolf, 1835 - 1919

vermutlich die Ehefrau von Seckel Kaufmann

2.

Seckel Kaufmann, 1833 - 1917

letzter Kultusrechner der jüdischen Gemeinde Osterspai

3.

Settchen Kaufmann, 1872 - 1922

Tochter von Seckel und vermutlich Karoline Kaufmann, zuletzt wohnhaft in Kamp-Bornhofen

Das Fragment (Kopfteil) des vierten Steines hat die heute nicht mehr lesbare, aber von Elmar Ries in den 1980er Jahren dokumentierte und übersetzte hebräische Inschrift: „Hier ist begraben die fromme und sittenreiche Mandele (Kandele?)“

Nach älteren Zeitzeugenberichten wurden im Zuge der Reichspogromnacht am 09.11.1938 sämtliche damals vorhandenen Grabsteine umgeworfen. Täter sollen Osterspaier Jugendliche aus der Hitlerjugend gewesen sein, angestiftet von Erwachsenen. Bis in die 1960er Jahre hätten die Steine verstreut auf dem Friedhof gelegen, wohl um die zwanzig Stück. Dann sei der Großteil der Steine plötzlich verschwunden gewesen. Gerüchten nach wurden sie zum Hof Liebeneck verbracht und dort als Wegebefestigung bei den Stallungen missbraucht. Tatsächlich wurde das oben genannte Fragment in den 1980er Jahren am Hof Liebeneck gefunden und zum Friedhof zurückgebracht. Von den restlichen Steinen fehlt bis heute jede Spur.

Auch in den Jahren 1997 und 2002 wurde der Friedhof geschändet: 1997 wurde er völlig verwüstet, Grabsteine wurden umgeworfen und die Einfriedung zerstört. Im August 2002 wurde wiederum ein Grabstein umgeworfen.

Ortsgemeinde Osterspai
Gregor Rindsfüßer, im September 2026