Die 34. Andernacher Musiktage auf Schloss Burg Namedy haben am vergangenen Wochenende eindrucksvoll unter Beweis gestellt, warum das traditionsreiche Kammermusikfestival längst über die Region hinaus geschätzt wird. Unter der Gesamtleitung und Gastgeberinnenschaft von Heide von Hohenzollern präsentierte die Stadt Andernach als Veranstalter ein künstlerisch anspruchsvolles und zugleich publikumsnahes Programm, das auf große Resonanz stieß.
Bereits der Auftakt am Freitag setzte ein programmatisches Zeichen: Mit Darius Milhauds „Scaramouche“ für zwei Klaviere eröffneten Nina Tichman und Yuhao Guo das Festival. Die Besetzung war dabei mehr als nur musikalisch reizvoll – sie spiegelte zugleich den gelungenen Generationenwechsel in der künstlerischen Leitung wider, von der erfahrenen Pianistin zur jüngeren Künstlergeneration. Im Anschluss forderte Maurice Ravels Streichquartett in F-Dur die konzentrierte Aufmerksamkeit des Publikums, bevor nach der Pause mit Claude Bollings Suite für Flöte und Jazz-Piano-Trio eine stilistische Öffnung gelang, die begeistert aufgenommen wurde. Die Verbindung von klassischer Kammermusik und jazzigen Elementen erwies sich als erfrischende Erweiterung des Festivalprofils.
Der Samstag stand im Zeichen eines klug konzipierten Themenabends rund um César Franck. In der Gegenüberstellung mit seinem Schüler Vincent d’Indy wurde zunächst dessen Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier vorgestellt, das mit moderner Tonsprache und weniger gefälligem Charakter einen spannungsreichen Kontrast bildete. Mit Francks Klavierquintett in f-Moll folgte ein Werk von großer emotionaler Wucht, das das Publikum nachhaltig beeindruckte und den Abend zu einem klassischen Höhepunkt der Kammermusikliteratur machte.
Den glanzvollen Abschluss bildete das ausverkaufte Konzert am Sonntag, das bewusst eine heitere, fast märchenhafte Atmosphäre entfaltete, ohne dabei an künstlerischem Anspruch einzubüßen. Ravels „Ma mère l’Oye“, vierhändig interpretiert von Nina Tichman und Yuhao Guo, eröffnete den Abend mit feinsinniger Klangmalerei. Einen besonderen Akzent setzte anschließend das Konzert für Marimba von Emmanuel Séjourné, in dem der Schlagwerker Uwe Mattes sein Instrument eindrucksvoll in den Mittelpunkt stellte.
Mit Camille Saint-Saëns’ „Karneval der Tiere“ fand das Festival schließlich seinen thematischen und emotionalen Höhepunkt. Die Aufführung wurde durch eigens für die Andernacher Musiktage verfasste Texte der Autorin und auftretenden Pianistin Anke Pan ergänzt, die vom Sprecher und Schauspieler Oliver Wronka mit feinem Gespür für Humor und Timing vorgetragen wurden. Diese Verbindung von Musik und Wort verlieh dem Finale eine zusätzliche Qualität und wurde vom Publikum mit großer Begeisterung aufgenommen.
Die Andernacher Musiktage bestätigten damit erneut ihren Ruf als fein kuratiertes Festival, das Tradition und Erneuerung überzeugend miteinander verbindet. Schloss Namedy bot dabei einmal mehr den stimmungsvollen Rahmen für ein Wochenende hochkarätiger Kammermusik, das nicht nur das treue Stammpublikum, sondern auch neue Zuhörerinnen und Zuhörer anzusprechen wusste.