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Andernach aktuell
Ausgabe 34/2020
Aktuelles MUSS
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„Brücken schlagen - Grenzen überwinden“: Broschüre in Wort und Bild vorgestellt

Begeisterten mit Stimme und Gitarre: Manfred Pohlmann (links) mit der Autorin Gabriele Kaiser (rechts).

"Rheinblick vom Bollwerk" von Rita Krupp, Ölfarbe auf Leinwand (und links "Runder Turm Andernach").

Lesen lohnt sich: Grenzerfahrung und Grenzüberschreitung - Geschichten, die berühren, nachdenklich machen oder mit auf eine Erinnerungsreise nehmen.

ANDERNACH. Kürzlich hatten Autorin Gabriele Keiser und Galeristin Carmen Rakemann in die Stadthausgalerie geladen, um die Broschüre „Brücken schlagen - Grenzen überwinden“ einem kunst- und literaturinteressierten Publikum vorzustellen.

Insgesamt haben sich 20 Künstlerinnen und Künstler aus Andernach und dem gegenüberliegenden Leutesdorf mit Text- und Bildbeiträgen ganz unterschiedlich diesem Thema genähert. Nicht nur in geographischer, sondern auch in mentaler oder physischer Hinsicht.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des von Keiser geleiteten VHS-Kurses „Schreiben!“ haben ein Werk entstehen lassen, das im wahrsten Sinne Grenzen überwinden lässt. Ziel war es, die Verbundenheit der beiden durch den Rhein getrennten Orte literarisch und bildnerisch auszudrücken.

Dass dies gelungen ist, zeigte sich daran, dass Kaiser und Rakemann wegen des großen Interesses gleich zwei Präsentationstermine anbieten mussten. Beide Veranstaltungen begleitete der Gitarrist und Sänger Manfred Pohlmann und gab der Präsentation mit thematisch passenden Liedern ihren musikalischen Rahmen.

„Die facettenreichen, eigens für dieses Projekt verfassten Beiträge dokumentieren, dass einmal gesteckte Grenzen nicht für alle Zeiten akzeptiert werden müssen. Diese Broschüre ist ein Angebot, neue Türen zu öffnen“, beschreibt Keiser den Inhalt der 68 Seiten umfassenden Lektüre.

Kindheitserinnerungen

Als „lebendige“ Brücke steuerte auch die renommierte und mit internationalen Preisen ausgezeichnete Künstlerin Ursula Goldau, die in beiden Orten zuhause ist, mehrere Beiträge bei. Sie entstammt dem Fronhof, dem ältesten Gebäude von Leutesdorf, das sich noch immer in Familienbesitz befindet und in den Sommermonaten von ihr restauriert und bewohnt wird.

Im Winter lebt sie in ihrer Andernacher Wohnung. Die Geschichte "An der Hand meiner Großmutter" handelt von der vierjährigen Ursula Goldau, die mit ihrer Oma einen Ausflug via „Pöntsche“, so wurde die Fähre genannt, von Leutesdorf nach „Annenaach“ unternimmt. Auf ihrem Weg kaufen sie ein „Schößje, das waren leckere, braune Brötchen, die aus zwei Hälften bestanden, aber zusammen gehörten, ganz wie die Orte Andernach und Leutesdorf.“

Innere Verbundenheit auch über den Tod hinaus

Dagmar Pascher trug am Samstagnachmittag ihre sehr persönliche Geschichte „Eine außerordentliche Begegnung“ vor. Sie nahm ihr Publikum mit in ihre Traumwelt, in der sie ihren verstorbenen Vater wiedertreffen durfte. Der ein oder andere Zuhörer kam nicht umhin, sich ein Tränchen zu verdrücken, so emotional und berührend beschrieb sie zwischen den Zeilen die innige Beziehung zu ihrem „Papa“. „Die Zeit der äußeren Trennung konnte unserer tiefen inneren Verbundenheit nichts anhaben (…)“, heißt es in ihrem Text.

Wer Lust bekommen hat, die Geschichten zu lesen, erhält die 67 Seiten starke Broschüre „Brücken schlagen - Grenzen überwinden“ kostenlos in der Galerie Rakemann in der Andernacher Stadthausgalerie. Dort ist auch ein Teil der Original-Gemälde ausgestellt, die im Heft abgebildet sind.

Claudia Klemt