Titel Logo
Kleeblatt - Amtliches Bekanntmachungsorgan der Stadt Bendorf
Ausgabe 16/2020
Benny
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Der vierbeinige Troubadour

Unermüdlich drehte der kleine Troubadour auf seinen vier krummen Dackelbeinen gegenüber im Vorgarten seine Runden. Seine langhaarige Angebetete ließ sich jedoch nicht blicken. Herrchen oder Frauchen hatten sie wohl unter sicheren Verschluss genommen, da Keuschheitsgürtel für verliebte Hunde noch nicht erfunden sind.

Ganz aus dem Häuschen gerät der Hund, wenn die Hundedame mit ihrem Frauchen Gassi geht. Oft geht die gesamte zweibeinige Familie als „Schutzkommando“ mit. Mit Geschnatter und Gejohle, mit lauten Drohungen und Geschrei wird der anhängliche Liebhaber vertrieben. Und kaum ist die Beschützte mit ihren Geschäften fertig, so zieht der ganze Tross zurück und schaut drohend auf den sich wieder langmütig hinsetzenden Verfolger.

Der Liebhaber bewies trotz alledem Energie und Ausdauer zum Leidwesen der gesamten Nachbarschaft. Er wich und wankte nicht, sang „wau - woh- wau - woh“ bald jammernd kläglich, bald hoffnungsfroh und fordernd. Sein glühendes Liebeslied schien endlose Strophen zu haben.

Die Menschen in ihren Betten wünschten den Unerschütterlichen zum Teufel. Um ihn aber dorthin zu jagen, hätten sie ihre warmen Betten verlassen müssen. Und wer konnte schon wissen, ob die Jagd ihnen nicht nur eine kurze Atempause eingebracht hätte? Und so zogen sie sich lieber die Plumeaus über den Kopf, wühlten sich in ihre Kissen und steckten sich Stöpsel in die leidgeprüften Ohren.

Beifall erhielt der singende Vierbeiner für seine Melodien natürlich nicht, und auf den Dank seines Publikums musste er ebenfalls verzichten. Nicht mal einmal eine kleine Anerkennung konnte er erwarten. Der kleine „schwarze Troubadour“ sang in jeder Hinsicht also völlig vergeblich - eine ganze Nacht lang immer wieder dasselbe Lied - eine Serenade mir vielen, vielen Strophen.

Da brach der Gesang des jaulenden Troubadours zum nahenden Morgen unvermittelt ab. Hatte die fortschreitende Kühle der frühen Stunde das Blut in den Adern des Krummbeinigen auf Normaltemperatur gebracht? Oder hatte sich der Hund getrollt, um in der heimischen Hundehütte den vergeblichen Liebesmühen nachzuweinen? Sollten Hunger und Durst ihn übermannt und seinen Frühlingstrieb überlagert haben?

„Ich fühle ja mit dem armen Hund“, sagte sich wohl so mancher. „Aber schließlich habe ich eine ganze Nacht lang nicht schlafen können und fühle mich wie gerädert“.

Um wie viel anders zeigte sich da der standhafte Verehrer, der ja auch die lange Nacht nicht geschlafen hatte. Er hatte beim Kreise ziehen um das Haus seiner Liebsten wohl einige Kilometer zurückgelegt, sich heiser gesungen und sich in vergeblicher Hoffnung verzehrt. Dennoch stand er stramm auf allen Vieren. Vielleicht sollte man ihm eine Wurst zuwerfen, auf dass er im entscheidenden Moment nicht schlapp macht. Den meisten Nachbarn lag aber wohl der Gedanke näher, ihm ein Scheit Holz nachzuwerfen.

Ihr Benny