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Kleeblatt - Amtliches Bekanntmachungsorgan der Stadt Bendorf
Ausgabe 9/2026
BenDorf greift auf
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Nun ist auch mal Zeit, mir Ruhe einen Kaffee zu trinken für Heinz Breuer, ein "Urgestein" der Bendorfer Narrenzunft.

Eine Ära bei der Bendorfer Narrenzunft 1970 e. V. geht zu Ende

Mit dem Abschied von Heinz Breuer aus seinen karnevalistischen Ämtern endet in Bendorf eine prägende Epoche – und zugleich beginnt ein neues Kapitel, das ohne sein Wirken kaum vorstellbar wäre. Über mehr als zweieinhalb Jahrzehnte hinweg hat Breuer die Geschicke der Bendorfer Narrenzunft 1970 e. V. (BNZ) maßgeblich gestaltet und dem Karneval in der Stadt ein unverwechselbares Gesicht gegeben.

Sein Weg in die BNZ begann im Dezember 1999 – beinahe zufällig und doch schicksalhaft. Beim 50. Geburtstag seines Bruders Walter im September desselben Jahres hielten seine Rede und sein Auftreten zwei aufmerksame Zuhörer in Bann: Siggi Schwarz, damals 1. Vorsitzender, und Joachim Weiler, damaliger 1. Kassierer. Noch am selben Abend versuchten sie, ihn für den Verein zu gewinnen. Zunächst zögerte Heinz Breuer. Der Karneval reizte ihn, doch seine Eltern waren engagierte Größen bei der KUK und im Möhnen-Club Bendorf – ein Vereinswechsel schien heikel. Einige Tage später suchte er das Gespräch mit ihnen. Ihre Reaktion überraschte ihn: ruhig, unterstützend und ermutigend. Wenn sein Potenzial erkannt worden sei, solle er die Chance ergreifen.

Den entscheidenden Anstoß gab schließlich eine Feier im Dezember 1999. Mit einem Augenzwinkern wurde ihm die Beitrittserklärung auf den Teller gelegt – unterschrieben wurde noch vor dem Essen. Vier Monate später, im April 2000, folgte bereits der nächste Schritt: Auf der Jahreshauptversammlung wurde er – für ihn völlig überraschend – zum 2. Vorsitzenden gewählt. Dass Vorstandsarbeit Verantwortung bedeutet, wusste er aus seiner Zeit als Geschäftsführer im Musikzug Bendorf. Doch das Tempo, mit dem sich seine BNZ-Laufbahn entwickelte, war außergewöhnlich.

Noch im selben Jahr trat er dem Männerballett „Dream Boys“ bei und übernahm kurz darauf erstmals eine zentrale Rolle auf der Bühne. Am 10.11.2000, einen Tag vor dem Bunten Abend, erreichte den Vorstand die Nachricht vom plötzlichen Tod des Bruders des damaligen Präsidenten Franz Hübgen. Eine Krisensitzung folgte. Schließlich wurde Heinz Breuer gebeten, kurzfristig die Moderation zu übernehmen.

Mit einer Fackel in der Hand, singend „Laterne, Laterne – Sonne, Mond und Sterne“ und mit gehörigem Lampenfieber, betrat er die Bühne. Er moderierte, tanzte im Männerballett und hielt einen Vortrag – ein Kraftakt, der den Beginn seiner Präsidentschaft markieren sollte. Diesen Abend, so sagt er selbst, werde er nie vergessen.

Von 2000 bis 2005 wirkte er als Vizepräsident, bevor er 2005 das Amt des Präsidenten übernahm, das er bis 2026 – insgesamt 21 Jahre – mit Herzblut ausfüllte. Parallel dazu prägte er über viele Jahre hinweg die Vorstandsarbeit: Von 2000 bis 2006 war er 2. Vorsitzender, von 2006 bis 2016 1. Vorsitzender, später erneut von 2019 bis 2026. Insgesamt stand er 17 Jahre an der Spitze des Vereins. Auch abseits der Bühne engagierte er sich kontinuierlich, unter anderem seit 2001 in der Formation der „Boos Bar Bubbscher“, der er bis heute angehört.

Heinz Breuer war über all die Jahre hinweg weit mehr als ein Funktionsträger. Er war das Gesicht der BNZ, der Mann am Mikrofon, der Sitzungspräsident mit Esprit, der selbst in turbulenten Momenten den Überblick behielt und mit einem Augenzwinkern für Ordnung sorgte. Wenn er den Saal begrüßte, lag Vorfreude in der Luft. Wenn er das dreifache „HäDau“ anstimmte, bebte die Halle. Seine Worte hatten Gewicht, weil man spürte: Hier spricht jemand, dem der Karneval Herzensangelegenheit ist.

Sein Wirken reichte jedoch weit über die Bühne hinaus. Mit Engagement, Weitsicht und einem feinen Gespür für Menschen führte er Generationen zusammen, förderte Nachwuchs und bewahrte Traditionen, ohne sich neuen Ideen zu verschließen.

Unter seiner Verantwortung wurden Formate weiterentwickelt, Gemeinschaft gestärkt und der karnevalistische Geist auch in schwierigen Zeiten lebendig gehalten. Gerade dann, wenn äußere Umstände das Miteinander erschwerten, zeigte sich seine Zuversicht. Für ihn war Karneval stets mehr als eine Veranstaltung – er war Heimat, gelebtes Brauchtum und Ausdruck von Zusammenhalt.

Viele Menschen in Bendorf verbinden mit seinem Namen unvergessliche Sitzungsabende, herzliche Begegnungen und emotionale Momente. Er hat organisiert, moderiert, motiviert – und, wenn es sein musste, auch gekämpft, stets im Sinne des Vereins und der Sache.

Mit seinem Rückzug aus den Ämtern verlässt Heinz Breuer nun die erste Reihe. Doch was bleibt, ist ein starkes Fundament: ein Verein, der auf klaren Werten steht, auf Zusammenhalt baut und selbstbewusst in die Zukunft blickt. Sein Geist wird die BNZ weiter begleiten – im Lachen der Aktiven, im Engagement des Nachwuchses und im Klang des traditionellen „HäDau“.

Bendorf verneigt sich mit Respekt und Dankbarkeit vor einem Mann, der den Karneval über Jahrzehnte geprägt hat. Und zugleich gilt: Der närrische Funke brennt weiter – mit Mut, Leidenschaft und dem festen Willen, Tradition und Zukunft zu verbinden. Ganz im Sinne von Heinz Breuer.

Ihr und Euer Ben Dorf