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Mitteilungsblatt für Mayen und Mendig
Ausgabe 34/2022
Aktuelles
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Neues über eine alte Bekannte

Stadtarchivar Stefan Wilden (links) und Autor Dr. Wolfgang Zäck (rechts) begutachten das neue Werk über die sagenhafte Genovefa von Fraukirch; es ist im Buchhandel und an den Kassen des Eifelmuseums erhältlich.

Forschungen von Rainer und Wolfgang Zäck - Neues GAV-Buch

MAYEN. Als wäre nicht schon genug über sie geschrieben worden: die Rede ist von der geheimnisvollen Genovefa von Fraukirch, die in der Pellenz zwischen Andernach und Mayen seit Jahrhunderten als Heilige verehrt wird. Die Legende über sie und ihren Mann, den Pfalzgrafen Siegfried, ist in diesem Raum fest verankert. Jedes Kind kennt die Erzählung über Liebe und Treue der Pfalzgräfin. Zahlreiche Stätten in der Landschaft und unseren Orten wollen an vermeintlich authentischen Orten an die Geschehnisse von einst erinnern. Der seit dem 15. Jahrhundert schriftlich überlieferte Legendenstoff ist sogar dermaßen populär, dass er bis auf den Tag eine schon nicht mehr überschaubare Rezeption gefunden hat. Nicht nur in Bildern und Büchern lebt Genovefa weiter, sondern auch in Theaterstücken, in Comics, in Filmen und anderen Medien. Sogar ein regelrechtes Merchandising gibt es um ihre Person.

Angesichts dieser Beliebtheit wundert es, dass die Entstehung und Bedeutung der Legende immer noch Rätsel aufgibt. Zahlreiche Autoren haben sich um eine „Entschlüsselung“ des Stoffes bemüht; so auch das Brüderpaar Rainer und Wolfgang Zäck. Dabei sind beide keineswegs eines Sinns, wie man vielleicht vermuten könnte. Rainer Zäck, promovierter Altgermanist, geht das Thema aus historischer Sicht an und bindet die Sage in die Literaturgeschichte ein. Interessant ist seine in diesem Zusammenhang ausgebreitete Überlegung, dass Pfalzgraf Heinrich von Laach am Laacher See einen zentralen Ort in seinem Herrschaftsraum der Pellenz errichten wollte. Zentraler geistlicher Ort war die Fraukirch, um die dann auch die Legende kreist.

Ganz anders denkt Rainers älterer Bruder Wolfgang. Von Haus aus promovierter Meteorologe, betrachtet er den Legendenstoff aus naturwissenschaftlicher und letztlich mythologischer Sicht. Für ihn handelt die Legende von einem uralten Mythos, von dunkel und hell, von Gut und Böse. Dieser Mythos gründet in unserem Raum auf einer langen Tradition und lässt sich nach seiner Meinung beispielsweise am keltischen Goloring beobachten.

Auf zahlreichen Wanderungen durch die Eifel kreisten die Gespräche der beiden Brüder immer wieder um die berühmte Legende. Dabei prallten die unterschiedlichen Meinungen regelmäßig aufeinander. „Wer hat nun Recht?“, könnte man fragen. Genau darüber soll sich der geneigte Leser eine eigene Meinung bilden. Aber wie wär‘s, wenn beiden Brüder Recht behielten? Lässt der Legendenstoff nicht auch eine Doppeldeutung zu?

Leider verstarb Rainer viel zu früh vor drei Jahren. Er hinterließ nicht nur eine einzigartige Sammlung zur Genovefa-Rezeption, sondern auch einen umfangreichen wissenschaftlichen Nachlass an vielen Texten. Sein Bruder hat einen Teil für eine Veröffentlichung aufbereitet und um seinen eigenen Beitrag ergänzt. „Auf Genovefas Spuren. Forschungen zur Genovefa-Legende“ ist der Titel des Buches und im Verlag des Geschichts- & Altertumsvereins für Mayen und Umgebung e.V. erschienen. Es hat 270 Seiten mit 55 Fotos und farbigen Abbildungen. Zum Preis von 19,50 € ist es im Buchhandel und an den Kassen des Eifelmuseums erhältlich.