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Mittelrhein-Nachrichten - Heimat- u. Bürgerzeitung VG St. Goar-Oberwesel
Ausgabe 51/2019
Die Verbandsgemeinde informiert
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47 Jahre Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel:

Blick auf Oberwesel Foto: Werner Klockner

Burg Rheinfels St. Goar Fotoarchiv: Tourist-Info St.Goar

Das „Filetstück im Welterbe Oberes Mittelrheintal“ verzaubert Gäste aus ganz Europa:

Tourismus, Kultur, Identität:

Welterbestatus, Wanderwege und Weinlandschaften prägen das Gesicht einer Verbandsgemeinde, die zu Recht von Bürgermeister Thomas Bungert bei offiziellen Anlässen, gern als „eine der schönsten, wenn nicht, die schönste Welterbeverbandsgemeinde Deutschlands“ bezeichnet wird. Wer einmal als Gast oder Tourist hier zu Besuch war, kann sich selbst davon überzeugen und berichten, wie einzigartig und vielseitig das Leben in der im Jahre 2002 mit Welterbestatus geadelten Kulturlandschaft ist. Unzählige Tourismus- und Kulturangebote locken jedes Jahr aufs Neue hunderttausende Besucher in die verbandsangehörigen Rheinstädte Oberwesel und St. Goar, aber ebenso in die idyllisch gelegenen Ortsgemeinden auf den Rheinhöhen. Europaweit bekannte Veranstaltungen wie „Rhein in Flammen“ in St. Goar oder die „Nacht der tausend Feuer“ in Oberwesel haben ihren ganz besonderen Reiz, weil sie mit ihren einzigartigen Brillantfeuerwerken die Besuchermassen begeistern. Unvergessliche Momente erfahren die Touristen, wenn sie mit dem Schiffskorso, alles auf festlich beleuchteten Schiffen, die bengalische Beleuchtung und Begleitfeuerwerke links und rechts des Rheins, natürlich bei einem Gläschen Wein genießen können.

Die Faszination des Mittelalters

Alle zwei Jahre verwandelt sich Oberwesel zu Pfingsten in eine mittelalterliche Stadt. Dann zieht das „Mittelalterliche Spectaculum“ an drei Tagen Einheimische und Gäste aus ganz Deutschland und darüber hinaus, gleichermaßen in ihren Bann. Gaukler, Majestäten, „Handwerksleut“, Ritter- und „Spielleut“ beherrschen dann die faszinierenden mittelalterlichen Szenen. Das „Mittelalterliche Spectaculum“ zählt seit Jahren zu den beliebtesten Festen dieser Art in ganz Deutschland. Am Festprogramm nehmen international bekannte Akteure teil. Die über viele Jahre durch den historischen Bauverein mit Millioneninvestitionen begehbar gemachte Stadtmauer Oberwesel ist ein ganz besonderer Farbtupfer in der „(Erlebnis-)Stadt der Türme und des Weines“ und dient gerade beim Spectaculum in idealerweise als historische Kulisse. Wer also eine Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen möchte, der möge beim nächsten Mal, Pfingsten 2020, gern in Oberwesel vorbei schauen.

Von wegen Kulturbanausen

Auch dem Individualtourismus hat man sich in der Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel verschrieben. Die Internationale Musikakademie in St. Goar bietet regelmäßig Top-Konzerte mit international renommierten Musikern und Sängern. Das gelingt auch den Machern der neuen Veranstaltungsreihe „Maria Ruh Classix“, die jährlich tausende Besucher zu den Konzerten zur Veranstaltungsbühne nach Urbar, inmitten einer verlockenden Kulturlandschaft, locken.

Nicht mehr aus dem Staunen kommen Besucher auch, wenn Sie ins Kulturhaus Oberwesel und ins dort untergebrachte Museum gelangen. Aus einem alten, abrissreifen ehemaligen Weingut, wurde dank zweier Mäzene und Heimatliebhaber eine Besucherattraktion geschaffen. Konzerte, Veranstaltungen für Groß und Klein, Sonderausstellungen und zahlreiche Führungen u.a. in der „Lebenswelt Minoritenkloster“ sorgen für Kurzweil und gute Laune. Unzählige Angebote an Wanderführungen, historischen Führungen, Nachtwächterführungen in St. Goar, Oberwesel oder Niederburg, für Einheimische und Gäste wird alles geboten. Traditionell sind auch die vielen Backesfeste in den Rheinhöhengemeinden und die vielen Traditionsfeste, zum Beispiel die „Quetschekerb“ in St. Goar-Biebernheim. Und an einem Traditionsfest der ganz besonderen Art, dem Weinmarkt Oberwesel kommt hier in der Region niemand vorbei.

Wahrschau zwischen Oberwesel und St. Goar

In St. Goar erfahren Touristen bei Führungen im Lotsenmuseum über die Historie der Lotsen und der Wahrschau am Mittelrhein. Der Berufsstand, der Lotsen ist heute fast ausgestorben. Es gibt aufgrund neuster Radartechnik nur noch ganz wenige Lotsen, die ausschließlich von streckenunkundigen Schifffahrtstreibenden aus den östlichen Bundesländern oder aus dem Ausland angefordert werden. Der Einsatz von Lotsen wurde Anfang des 19. Jahrhunderts mit dem ansteigenden Schiffsverkehr notwendig. 1816 wagte ein englischer Raddampfer zum ersten Mal eine Fahrt von Rotterdam bis Köln. 1825 gelang eine erfolgreiche Reise von Köln nach Mainz. Die Rheinanliegerstaaten mussten im Wege einer ersten Polizeiverordnung die Regeln einer Wahrschau von Bingen bis St. Goar festlegen. Um der rasch zunehmenden Schifffahrt auf dem Rhein die Gebirgsstrecke gefahrlos zu ermöglichen, wurden feste Wahrschaustationen am Ochsenturm Oberwesel, Kammereck, Betteck, Lützelsteine und Bankeck eingerichtet. Flaggen, Tafeln und Bälle dienten den Schiffern als lebenswichtig zu beachtende Hinweise für eine problemlose Schifffahrt. Nach Einführung von Tageslichtsignalen und Überwachungskameras wurden diese 1994 durch eine neue, computergestützte Fernwirk- und Bedienungsanlage ersetzt. Seit 1997 wird die Wahrschaustrecke zwischen Oberwesel und St. Goar von einem Wahrschauer in der Revierzentrale Oberwesel mit neuster Radartechnik beobachtet und entsprechende Lichtzeichen gesetzt. Durch die lückenlose Radarbeobachtung werden die Wahrschaustationen Betteck und Bankeck als solche nicht mehr benötigt.

Kleiner historischer Rückblick

Die Erfolgsgeschichte der Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel beginnt mit ihrer Geburt am 22.04.1972, 00:00 Uhr. Und als „staatlich bestellte Hebamme“ diente damals das 12. Landesgesetz über die Verwaltungsvereinfachung im Lande Rheinland-Pfalz. 47 Jahre, also fast so alt wie der Rhein-Hunsrück-Kreis, ist sie prächtig gediehen und damit Anlass genug, dies mit Freude und Stolz zu empfinden, aber auch eine Weile nachdenklich innezuhalten und zurückzublicken. Die seinerzeit zusammengeschlossenen Gebiete können auf eine ganz unterschiedliche historische Zugehörigkeit verweisen. Bei der Entwicklung der Territorien im Gebiet unserer Verbandsgemeinde muss vor allem die Lage von Trier, Pfalz und Katzenelnbogen betrachtet werden. Die Stadt St. Goar mit ihrer berühmten Burg Rheinfels gehörte in früheren Jahrhunderten der ehemaligen Grafschaft Katzenelnbogen an; der übrige Teil des heutigen Gebietes der über 9.800 Hektar großen Verbandsgemeinde wurde dem Kurfürstentum Trier zugeordnet. Ab 1312 gilt dies auch für die zuvor freie Reichsstadt Oberwesel. Das Wirken König Heinrich VII. , dessen Bruder Balduin, die gründliche Umwandlung des Mittelrheingebietes in neue Verwaltungsstrukturen durch die Franzosen, die Unterteilung des gesamten preußischen Staatsgebietes in Provinzen und 25 Regierungsbezirken, ausgelöst durch den Wiener Kongress, der die Lande zwischen Mosel und Nahe den Preußen zukommen ließ, zum Wohlwollen des Königs Friedrich der III., kann in den umfänglichen Archiven und Heimatbüchern der Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel nachgelesen werden.

Rhein-Burgen-Landschaft pur

Heute zeigt sich die Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel, insbesondere wenn man sich vom „Deutschen Vater Rhein“ in Richtung Hunsrück aufmacht, in ihrer herrlichen Rhein- und Burgenromantik mit Schönburg Oberwesel und Burg Rheinfels St. Goar, die von berühmten Dichtern, Denkern und Künstlern umworben wurden und deren künstlerische Vermächtnisse mit zahlreichen Gedichten, Zitaten, Erzählungen und Bildern auch heute noch unzählige Touristen in die sagenumwobene „Loreleywelterbelandschaft“, des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal locken.

Kirchenschätze wohlbehütet

Kirchenfreunde erleben in Oberwesel und St. Goar Großartiges: Die Stiftskirche in St. Goar, die Martinskirche Oberwesel und die Liebfrauenkirche Oberwesel mit ihrem berühmten Goldaltar in der 2002 auch die Welterbefeier mit gleich zwei Ministerpräsidenten stattfand, sind mit ihren historischen Kunstschätzen ein wesentlicher Teil des Welterbes Oberes Mittelrheintal. Eine Fülle von Kunstwerken , Bilder, Skulpturen können Besucher bei den speziellen Kirchenführungen erleben. Dabei erfahren Sie hochspannende Geschichten, zum Beispiel die des weltweit bekannt gewordenen Kunstraubes der Figuren aus dem Goldaltar Oberwesel. Aber auch in den Höhengemeinden warten Kirchenbauwerke mit bezauberndem Kirchenambiente, historischen Orgeln und Orgelkonzerten auf.

Hier wohne ich gern:

„Komm ins gelobte Land“

Attraktive Wohngebiete, eine gute Wirtschaftsstruktur, nicht zuletzt durch den Industriepark Wiebelsheim, der Weinbau, die idyllisch geprägte Landschaft, Industrie, Gewerbe, sowie attraktive Hotel- und Gastronomiebetriebe sind prägende Eigenheiten dieser kommunalen Gebietskörperschaft. Städte und Ortsgemeinden haben sich in den 47 Jahren zu frequentierten Tourismus- und „Wohnjuwelen“ entwickelt. Man lebt gern auf dem Land, in der Natur, kann hier in den Wäldern, Wiesen und Landschaftgärten Flora und Fauna genießen. Zu Recht wird in dieser herrlichen Landschaft im Rahmen eines Standortmarketings des Regionalrats Wirtschaft mit dem Slogan „Komm ins Gelobte Land“ erfolgreich geworben, weil in der von Wirtschaftskraft geprägten, reizenden Region, attraktive Firmen mit Weltruf mit den anderen erstklassigen regionalen Wirtschaftsbetrieben lockende Arbeitgeberinnen für Einheimische, Umzugswillige und für „Berufs-Heimkehrer“ sind.

Eine Zauberwelt für Wanderer

„Das ist ja der helle Wahnsinn“, so der Kommentar eines verblüfften Wanderfreundes aus Hessen, als er zu dem kleinen, nur wenige Meter vom Rhein-Burgen-Weg entfernten Aussichtspunkt oberhalb des Ölsbergs bei einer der angebotenen städtischen Erlebniswanderungen geführt, tief ins Welterbetal blickte und die Sage nach im Rhein zu Stein erstarrten „Siebenjungfrauen“ wahr nahm. Und nach weiteren Wanderungen im Bereich der Stadt St. Goar ein kurzes Resümee zog: „ Ich dachte, ich kenne das Obere Mittelrheintal, aber jetzt erst erschließt es sich mir“.

In der Tat bietet sich ein breites erstklassiges Wanderwegenetz auch in rheinübergreifender Kombination mit dem Bruder des Rhein-Burgen-Weges, dem gegenüberliegenden Rheinsteig. Saar-Hunsrück-Steig, viele Traumpfade, zum Beispiel der „Schwede-Bure-Weg“ und unzählige Aussichtspunkte wie der „Sauzahn“, der jetzt wieder erstehende Spitzestein, der „Pilz oder das inzwischen berühmte Günderrodehaus, Fernseh-Filmkulisse aus der berühmten Heimat-Trilogie von Edgar Reitz, laden regelrecht zum Wandern ein. Was kann es nach einer schönen Wanderung schöneres geben, als in eine Straußwirtschaft, eine urige Winzerstube oder eine ansprechende Lokalität einzukehren, um gemütlich ein Glas Riesling der heimischen Winzerinnen und Winzer vom Mittelrhein- zu genießen.

Eben solche Aussichtspunkte mit stets wechselnden Eindrücken sind es, die den Wanderer erwarten, wenn er auf den Rheinhöhen unterwegs ist. Für denjenigen, dem Wandern mehr bedeutet als nur das Zählen zurückgelegter Kilometer, sind das Obere Mittelrheintal und die Rheinhöhen wie geschaffen.

Hier in der Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel findet er auf engstem Raum so ziemlich alles, was das Wanderherz begehrt: den großen Strom, idyllische Täler, steile Terrassenweinberge, Blumenwiesen, bestellte Äcker und attraktive Ortsgemeinden und Städte. Dazu zählen Damscheid, Laudert, Niederburg, Oberwesel, Perscheid, St. Goar, Urbar und Wiebelsheim. Zu all dem laden dann noch die stillen Wälder des Vorderhunsrücks zur Entspannung und zum „Waldbaden“ ein. Mit der Struth bei Perscheid erschließt sich dem Wanderer sogar eines der größten zusammenhängenden Waldreviere des gesamten Hunsrücks. Wandern bedeutet ja nicht einfach, von einem Punkt zum anderen durch die Lande zu marschieren. Wandern ist mehr: Landschaft erleben und in sich aufnehmen, sie mit Flora und Fauna beobachten und sich mit ihrer Geschichte und Kultur auseinander zu setzen. Wer in diesem Sinne wandern versteht, findet hier in der VG St. Goar-Oberwesel die besten Voraussetzungen, wandert er doch in einer der ältesten Kulturlandschaften Deutschlands und, ohne pathetisch zu werden, in einer der schönsten Landschaften Europas! Städte, deren Ursprünge bis in die Römerzeit reichen, mittelalterliche Burgen, Kirchen und Stadtbefestigungen sowie schmucke Rheinhöhendörfer sind lebendige Zeugen einer bewegten Vergangenheit und einer gewachsenen Kulturlandschaft, die es verdienen bei einer Wanderung erlebt zu werden.

Radelparadies St. Goar-Oberwesel

Entlang der B 9 und B 49 können Sie in der VG St. Goar-Oberwesel mit Rad- und Trekking-Touren beginnen. Entlang des linken Rheinufers im Oberen Mittelrheintal können sie kombiniert mit den Rheinquerungen per Fähre zwischen Bingen und Koblenz über 120 Kilometer Radeln. Im Zeitalter der Pedalos und Elektrofahrräder sicher kein Problem mehr.

Es kommt noch schöner

Kann man eine Verbandsgemeinde im attraktiven Wuchs noch toppen? „Ja!“ Mit der jüngsten Verwaltungsreform werden zum 01.01.2020 die Verbandsgemeinde Emmelshausen und St. Goar-Oberwesel eine freiwillige Fusion eingehen. Die beiden quasi schuldenfreien Gebietskörperschaften werden gegenseitig profitieren. Die beiden Bürgermeister Thomas Bungert und Peter Unkel freuen sich heute schon auf den Tag, der zugleich eine über 47-jährige erfolgreiche Entwicklung nicht etwa stoppt, sondern neue breite Chancen im Sinne einer weiter wachsenden, attraktiven neuen Verbandsgemeinde Hunsrück-Mittelrhein, so der neue Name, bietet. Bürgermeister Thomas Bungert der zum 01.01.2020 aus seinem Amt als Bürgermeister der Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel ausscheidet:

„Auf meine fast 19-jährige Amtszeit zurück blickend bin ich mächtig stolz, mit Matthias Port und Wolfgang Schmitt einer von drei Verbandsbürgermeistern gewesen zu sein, die alle -mit vereinten Kräften eines Top-Verwaltungsteams- die aus meiner Sicht schönste Verbandsgemeinde Deutschlands als Bürgermeister viele Jahre leiten, begleiten und vorantreiben durfte. Meinem Nachfolger, Peter Unkel, der mit überwältigender Mehrheit am 26.05.2019 zum neuen Bürgermeister der künftigen Verbandsgemeinde Hunsrück-Mittelrhein gewählt wurde, wünsche ich von Herzen vor allem Gesundheit, Glück, Erfolg und ein gutes Händchen bei der umfangreichen Verwaltungsarbeit, die eine moderne, bürgernahe und kompetente Verbandsgemeindeverwaltung täglich leisten muss!