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Mitteilungsblatt für die Gemeinde Hünfelden
Ausgabe 42/2026
Aus dem Rathaus
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5. Stolpersteinverlegung in Heringen

Wohn-und Geschäftshaus von Familie Strauß mit Hausmädchen im oberen und Familienmitgliedern in den unteren Fenstern, um 1910

Gustav, Betty, Regina und Sally Strauß im Hof in Heringen, 1930er Jahre

Stolpersteine in Heringen I

Am 28. Oktober ab 16 Uhr verlegt der Arbeitskreis „Spuren Jüdischen Lebens in Hünfelden“ Stolpersteine in der Hauptstraße 25 in Heringen. Aus diesem Anlass erscheinen hier im Vorfeld Texte, die die Geschichte der jüdischen Heringer Arthur Stern und Familie Strauß beleuchten.

Spätestens ab dem frühen 19. Jh. lebten die Vorfahren von Familie Strauß in Heringen. Sie machten 1843 mehr als die Hälfte der 26köpfigen jüdischen Bevölkerung des Dorfes aus. Als Reaktion auf Streitigkeiten mit den Jüdinnen und Juden der umliegenden Dörfer, richtete man in dieser Zeit einen Betraum in einem Teil der Scheune von Familie Strauß ein.

Im Jahr 1868 wurde Siegmund Strauß geboren, der nach der Schule in den Viehhandel der Familie einstieg. Er heiratete 1897 die aus Holzhausen über Aar stammende Regina Stern (*1871), mit der er in den folgenden Jahren in Heringen eine eigene Familie gründet. Die beiden hatten drei Kinder: Salomon „Sally“ (*1899), Gustav (*1904) und Betty (*1907).

Neben einem gut gehenden Viehhandel im gesamten Kreisgebiet, betrieb die Familie inzwischen auch einen Manufakturwarenladen. Zu Beginn des 20. Jahrhundert bauten sie das Wohn- und Geschäftshaus um. Der Gesamteindruck mit Fachwerk und prominentem Schaufenster zur Straße hin hat sich bis heute erhalten.

Nach dem frühen Tod ihres Mannes im Jahr 1925 führte Regina das Geschäft weiter. Sohn Sally stieg nach der Schule in den Familienbetrieb ein. Außerdem beschäftigte man ab 1933 vorübergehend Arthur Stern (*1912) aus Kemel. Mit der Machtübertragung an die NSDAP begannen die Boykotte gegen jüdische Geschäfte, die auch Familie Strauß hart trafen. Es kam außerdem zu Anfeindungen und Angriffen in Heringen und den umliegenden Dörfern.

Regina erkrankte Ende der 1930er Jahre schwer. Vermutlich, weil zwei ihrer Kinder bereits in Sachsen lebten, kam sie ins jüdische Krankenhaus in Leipzig. Sie starb dort am 16.07.1938. Ihr Sohn Gustav schrieb kurz darauf an eine Freundin: „Ja, es war ein schwerer Schlag für uns & die lb. [liebe] Mutter fehlt uns an allen Ecken.“