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Mitteilungsblatt für die Gemeinde Hünfelden
Ausgabe 43/2026
Aus dem Rathaus
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5. Stolpersteinverlegung in Hünfelden

Sally Strauß (mittlere Reihe, 3. v.l.) als Turner beim TV Heringen

Karteikarte aus dem Konzentrationslager Buchenwald

Stolpersteine in Heringen II

Am 28. Oktober ab 16 Uhr verlegt der Arbeitskreis „Spuren Jüdischen Lebens in Hünfelden“ Stolpersteine in der Hauptstraße 25 in Heringen. Aus diesem Anlass erscheinen hier im Vorfeld Texte, die die Geschichte der jüdischen Heringer Arthur Stern und Familie Strauß beleuchten.

Sally Strauß (*1899) war gut integriert in Heringen. Er turnte im TV Heringen und hatte viele jüdische wie nichtjüdische Freunde. Als Viehhändler war er im gesamten Kreisgebiet unterwegs. Doch spätestens mit Beginn des Nationalsozialismus 1933 gingen die Geschäfte stark zurück. Durch Ausgrenzung und Verfolgung verschlechterte sich auch Sallys Gesundheitszustand immer mehr. Er brach mehrfach zusammen. Seine Frau Gerda Dublon (1905*) aus Mensfelden und er bekamen 1936 eine Tochter, Beate. In Folge der Novemberpogrome 1938 wurde Sally nach Buchenwald verschleppt. Gerda und die nur zweijährige Beate kamen für kurze Zeit ins Limburger Gefängnis und lebten bis zu Sallys Entlassung viele Wochen in Angst und Ungewissheit. Unter dem Druck der Verfolgung und der zunehmenden Isolation verkaufte Familie Strauß das Anwesen in Heringen im März 1939 und zog nach Frankfurt. Am 19.10.1941 wurden sie von dort in das Ghetto Litzmannstadt (Łódź) deportiert. Gerda und Beate wurden dort vermutlich kurz nach ihrer Ankunft ermordet. Von beiden sind uns keine Fotos bekannt. Sally erlag den unwürdigen Bedingungen des Ghettos Anfang 1942.

Über den 1912 in Kemel geborenen Arthur Stern ist nur wenig bekannt. Nach einer Kaufmannslehre kam er, vermutlich über verwandtschaftliche Kontakte, im Februar 1933 nach Heringen und arbeitete als reisender Verkäufer für Familie Strauß. Im Juli 1934 wurde er auf offener Straße vom Dauborner SA-Mann Walter Pfeiffer überfallen. Aufgrund der Boykotte gegen Familie Strauß wurde Arthur Stern zum 13. August 1935 entlassen. Er hielt sich danach mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser, bis ihm im März 1938 mit Hilfe einer jüdischen Hilfsorganisation die Flucht nach Argentinien gelang. Er lebte unter anderem in Buenos Aires. Über seinen Tod und den Verbleib seiner beiden Kinder ist derzeit nichts bekannt.