Titel Logo
Mitteilungsblatt für die Gemeinde Hünfelden
Ausgabe 44/2026
Aus dem Rathaus
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

5. Stolpersteinverlegung in Hünfelden

Sally, Regina, Betty und Gustav Strauß in Heringen, 1930er Jahre

Sally (1.v.l) und Gustav (1.v.r.) Strauß mit jüdischen und nichtjüdischen Freunden im Gasthaus Baum in Heringen, um 1930

Stolpersteine in Heringen III

Am 28. Oktober ab 16 Uhr verlegt der Arbeitskreis „Spuren Jüdischen Lebens in Hünfelden“ Stolpersteine in der Hauptstraße 25 in Heringen. Aus diesem Anlass erscheinen hier im Vorfeld Texte, die die Geschichte der jüdischen Heringer Arthur Stern und Familie Strauß beleuchten.

 

Gustav Strauß wurde 1904 in Heringen geboren. Ab April 1910 besuchte er die Heringer Volksschule. Wie sein Bruder Sally hatte auch er viele Freundschaften im Dorf. Da Sally den elterlichen Betrieb übernahm, zog es Gustav weg aus Heringen. Spätestens 1923 meldete er sich nach Frankfurt ab und zog kurze Zeit später nach Bielefeld. Dort war er Abteilungsleiter in einem Textilwarengeschäft. Im Auftrag seiner Firma ging er nach Chemnitz. 1933 war er in Crimmitschau mit einem eigenen Geschäft für „Manufaktur- u. Modewaren” gemeldet.

 

Seine 1907 geborene Schwester Betty folgte ihrem Bruder im Februar 1934 nach Chemnitz. Sie hatte nach ihrer Schulzeit in Heringen als Haus- und Dienstmädchen in verschiedenen Städten gearbeitet. Ihr späterer Ehemann Siegfried Besmann aus Mensfelden kam 1934 ebenfalls nach Chemnitz. Er und Gustav waren befreundet und arbeiteten beide im Textilgewerbe. Betty und Siegfried heirateten im April 1936.

Die finanzielle Situation der drei verschlechterte sich aufgrund der zunehmenden Ausgrenzung. Im Rahmen der Novemberpogrome wurden Siegfried und Gustav verhaftet und für mehrere Wochen nach Buchenwald verschleppt. Gustav litt zeitlebens an den Folgen der Haft. Nach der Entlassung bemühten sich die drei gemeinsam in die USA zu fliehen. Unterstützung erhielten sie dabei von Herman Stern, einem aus Oberbrechen stammenden Verwandten der Besmanns in North Dakota, der mehr als 140 Jüdinnen und Juden aus Nazideutschland retten konnte. Die Flucht drohte mehrmals zu misslingen, nach Umwegen über Trinidad, Honduras und Venezuela kamen die drei im Mai 1939 endlich in New York an. Betty starb dort im Mai 1941 in einem Krankenhaus. Gustav verließ die USA nach kurzer Zeit und ging nach Puerto Rico um dort im Rahmen eines Entwicklungsprojektes die Textilindustrie aufzubauen. Über sein Leben in Deutschland hat er kaum noch gesprochen. Er starb im Jahr 1986.