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"tip" Heidenroder Nachrichten
Ausgabe 33/2020
Mitteilungen aus dem Rathaus
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Bekanntmachung nach § 55 KWG über die Durchführung eines Bürgerentscheides gemäß § 8b Hessische Gemeindeordnung

Bekanntmachung nach § 55 KWG über die Durchführung eines Bürgerentscheides gemäß § 8b Hessische Gemeindeordnung

Die Gemeindevertretung der Gemeinde Heidenrod hat in ihrer Sitzung vom 26.Juni.2020 beschlossen anstelle einer eigenen Entscheidung durch sie einem Bürgerentscheid gemäß § 8b Hessische Gemeinde Ordnung (Vertreterbegehren) durchzuführen.

Der Bürgerentscheid findet am Sonntag, den 01. November 2020 statt.

Die im Rahmen des Bürgerentscheids zur Abstimmung stehende Frage lautet:

„Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Heidenrod die Ansiedlung des mittelständischen Unternehmens Carbonex zur Herstellung von Holzkohle und Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen als Beitrag

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zum globalen Klimaschutz;

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zur Waldpflege und Holzabsatz;

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zur Arbeitsplatzschaffung

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und zur Verbesserung der Finanzlage der Gemeinde

weiterhin unterstützt, dafür ein gemeindeeigenes Grundstück in der Größe von bis zu 17 ha zur Verfügung stellt und ein eingeleitetes Bauleitverfahren, das sicherstellt, dass keine nachteiligen Wirkungen von dem Betrieb ausgehen, fortsetzt und im Genehmigungsfalle die notwendigen rechtlichen und fiskalischen Voraussetzungen sicherstellt?“

Auffassung der Gemeindeorgane:

Die Gemeinde Heidenrod beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit verschiedenen städtebaulichen Konzepten zur Entwicklung weiterer Gewerbeflächen.

Zuletzt wurde ein Aufstellungsbeschluss für die sogenannte „Hupperter Spange“ am 20. Mai 2016 gefasst.

In Ermangelung von Interessenten in Anzahl und Umfang, die ein angemessenes Verhältnis von Erschließungskosten zum Verkaufserlös herbeiführen würden, ruht das Verfahren seit den Vorerhebungen.

Im Spätsommer 2019 ist die Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI) und die Frankfurt-RheinMain GmbH International Marketing of the Region eine Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft des Landes Hessen und der Region, mit einer Standortanfrage für einen ausländischen, Holz verarbeitenden Betrieb an Kommunen im Lande herangetreten.

Im Gegensatz zu den üblichen Anfragen von Unternehmen, die eine Nähe zur Autobahn bzw. Flughafen voraussetzen und meist im Dienstleistungsgewerbe angesiedelt waren, scheint dieses Projekt insbesondere für unsere Gemeinde zu passen.

Anlass genug, sich intensiv um diese Anfrage zu kümmern und ein werbendes Exposé für unsere Gemeinde zu präsentieren.

Die betreffende Unternehmung, ein mittelständiger Familienbetrieb aus Frankreich, zeigte neben anderen Standortvorschlägen aus Hessen auf Anhieb großes Interesse an Heidenrod.

In einem gemeinsamen Auswahlverfahren des HTAI und der Business France, einer Wirtschaftsförderungsorganisation der französischen Botschaft, kam Heidenrod aus den deutschlandweiten Bewerbungen in die engere Auswahl. Erste Termine vor Ort fanden statt.

Nach mehreren direkten Kontakten und zwei Besuchen der Firmenvertreter mit den o.g. unterstützenden Organisationen, war Heidenrod zunächst unter den letzten sechs favorisierten Standorten in Deutschland mit in der engeren Auswahl.

Mittlerweile hat der französische Familienbetrieb Heidenrod als Standort ausgewählt und führt mit uns exklusiv Gespräche, um Fragen bezüglich eines möglichen Genehmigungsverfahrens zu klären.

Es handelt sich um die Firma Carbonex mit Standort in Gyé sur Seine, eine Ortschaft mitten in der Champagne. Der Betrieb stellt derzeit in einem patentierten Verfahren Holzkohle aus nachhaltig zertifizierten Quellen her. Die bei der Produktion anfallenden Nebenprodukte, werden umweltfreundlich in einem thermischen Prozess in Strom und Wärme umgewandelt, der eine Holzkohle Herstellung zulässt, die fast ausschließlich Wasserdampf und CO2 als Emission hervorruft, Schwefel und Chlor- Emissionen komplett vermeidet und andere Stoffe nur im irrelevanten Bereich entstehen lässt. Eine solche nach dem neuesten Stand der Technik konzipierte Anlage soll nun auch in Deutschland entstehen.

Hierzu wird ein Areal von max. 17 Hektar benötigt, mit guter Verkehrsanbindung und einer Möglichkeit, den nebenbei produzierten Strom abzuführen.

Zusätzlich muss die jährliche Versorgung mit 150.000 Festmetern schwachem Laubholz aus der Region sichergestellt sein.

Der vorgeschlagene Standort im Wald gegenüber dem Hupperter Sportplatz

ist sehr gut geeignet und bietet folgende Vorteile:

verkehrsgünstig direkt an der Landstraße, nahe der Abzweigung von der B 260 mit Einfädelspur und ohne jede Ortsdurchfahrt;

es liegt dort ein Leerrohr zum Umspannwerk nach Eisighofen, so dass die 3,3 MW Strom aus regenerativen Quellen abgeführt werden können,

die Fläche ist von keinem Ortsteil einsehbar und kann zur Landesstraße leicht abgeschirmt werden;

das Areal ist im Gemeindebesitz und damit zeitnah verfügbar;

der betroffene Wald ist noch jung, eine Aufforstung von 1994 nach Sturmwurf, und Fichten dominiert, so das keine naturschutzfachlichen Restriktionen zu erwarten sind und die Fläche größtenteils durch Ersatzaufforstungen ausgeglichen werden kann.

Dabei ist anzumerken, dass lt. Beschluss der Gemeindevertretung bereits ein Aufstellungsbeschluss für eine Gewerbefläche zwischen der B 260 und der Straße nach Huppert besteht, womit der politische Wille ein gleich großes Gebiet im Wald mit allen verbundenen Konsequenzen auszuweisen. Diese liegt nur wenige hundert Meter südlich des vorgeschlagenen Areals. Sie umfasste eine Größe von nahezu 18 ha und liegt ebenfalls im Wald. Leider war wegen geringem Interesse des heimischen Gewerbes eine wirtschaftliche Umsetzung bisher nicht möglich.

Allerdings ist diese Fläche für das in Rede stehende Projekt landschaftlich zu exponiert und auf Grund der Hanglage nicht sonderlich für einen solchen Produktionsbetrieb geeignet.

Folgende positive Aspekte könnten für unsere Gemeinde zu Buche schlagen:

es wird eine seriöse und erfolgreiche Unternehmung angesiedelt, was zu Einnahmen und Wirtschaftskraft führen wird;

es entstehen in einem nicht geringen Umfang Arbeitsplätze direkt vor Ort - gerade in der aktuellen Situation eine heilsame Botschaft;

es entsteht die dauerhafte Option einer zukunftsträchtigen Holzvermarktung mit kurzen Transportwegen, die aufgrund des von Carbonex gesuchten, schwachen Laubholzes eine aktive Waldpflege ermöglicht und eine Verwertung von bisher schwer vermarkt baren Sortimenten möglich macht,

durch den Verkauf der Fläche entstehen erhebliche Einnahmen,

das angewandte patentierte Herstellungsverfahren mit einer Stromerzeugung aus regenerativen Quellen passt zu unserem Heidenroder Leitbild als Klimaschutz und Energiegemeinde und ist ein weiterer Baustein in diesem Segment;

die Herstellung zertifizierter Holzkohle aus sicheren Quellen, mit dem FSC Mix Label, unterstützt unsere Bemühungen als FSC zertifizierter Forstbetrieb zu einer naturnahen und sozialen Waldwirtschaft. Unser FSC-Siegel für unseren Gemeindeforst zahlt sich aus.

Zwei Besuche des Bürgermeisters mit kleinen Delegationen in Frankreich bei Car-bonex haben gezeigt, dass der Betrieb von seiner Gestalt, Größe und Wirkung sehr gut mit dem Areal der Firma Kopp in Kemel vergleichbar ist, so dass die Heidenroder eine Anschauung und Vorstellung haben.

Der Gemeindevertretung ist bewusst, dass zu dem in Rede stehenden Sachverhalt aller Voraussicht nach ein Bürgerentscheid stattfinden wird und je nach Ausgang dessen diese Bauleitverfahren dadurch wieder gestoppt werden kann.

Heidenrod, den 04. August 2020  — 
Az.:02.1.6.4.Bekanntmachungen  — 
Der Gemeindevorstand  — Diefenbach
der Gemeinde Heidenrod Bürgermeister