Die Delegation beim Empfang in der Bezirksverwaltung Czernowitzi
Bürgermeister Vitali Schäfer und Bürgermeister Volker Diefenbach beim Unterzeichnen der Absichtserklärung
Warum kommunale Partnerschaften der krisenfeste Anker in Europa sind; Städtepartnerschaft mit der ukrainischen Gemeinde Jurkowetzka./. Gemeinde Heidenrod
Die Gemeindevertretung der Gemeinde Heidenrod hat in ihrer Sitzung vom 25.06.2026 die Begründung einer kommunalen Partnerschaft mit der ukrainischen Gemeinde Jurkowetzka beschlossen.
Seit 2017 besteht eine Projektpartnerschaft mit der ehemaligen Rajon (vergleichbar einer Verbandsgemeinde) Zastawna. Die Gemeinde Jurkowetzka war seinerzeit Bestandteil des Rajon Zastawna, vergleichbar mit einem Ortsteil. Nach einer Kommunalreform in der Ukraine wurde die örtliche Ebene erheblich gestärkt und Selbstverwaltungsoptionen etabliert. Jurkowetzka hat davon Gebrauch gemacht und ist seit dem 04.04.2018 eine selbstverwaltende Gemeinde mit 10.657 Einwohnern und zehn Ortsteilen.
Die Projektpartnerschaft erstreckte sich über einige Jahre und war noch laufend bei Kriegsausbruch am 24.02.2022. Seitdem hat die informelle Partnerschaft den Charakter einer dauernden Hilfsgemeinschaft. In den letzten vier Jahren wurden mehrere Hilfstransporte nach Zastawna bzw. in die Region Zastawna organisiert. Neben Hilfsgütern wurden mittlerweile auf Beschluss des Gemeindevorstandes fünf ausgediente Feuerwehrfahrzeuge und vier ausrangierte Betriebsfahrzeuge in das Kriegsgebiet geschafft.
Zum Jahreswechsel konnte ein Stromaggregat für Schulen zur Verfügung gestellt werden. Des Weiteren sind in den letzten drei Jahren Jugendaufenthalte für Jugendliche der Fußballschule Burkowina in Czernowitzi organisiert worden. Der formelle Kontakt erstreckt sich auf die Bezirksverwaltung Czernowitzi.
Zuletzt fand ein Besuch einer fünfköpfigen Delegation rund um Bürgermeister Volker Diefenbach in Jurkowetzka vom 31.08. bis 02.09.2026 statt. Dort gab es ein Treffen mit dem Gemeinderat und den Ortsvorständen. Da für die konkrete vertragliche Vereinbarung der Partnerschaft noch einige formelle Schritte erforderlich sind, wurde eine Absichtserklärung, diese korrekt abzuarbeiten, unterzeichnet. Ein Besuch der Bezirksverwaltung Czernowitzi hat auch die übergeordnete staatliche Ebene eingebunden.
Die Begründung einer Städtepartnerschaft in Zeiten eines völkerrechtswidrigen Angriffskrieges ist kein Routinepunkt auf der kommunalen Tagesordnung. Die Kommunale Familie steht vor der existenziellen Frage: Kommt unsere Hilfe da an, wo sie benötigt wird und wie können wir eine für beide Seiten nachhaltige Beziehung aufbauen?
Ein in Deutschland oft unterschätzter Aspekt ist der fachliche Wissenstransfer, den wir von ukrainischen Kolleginnen und Kollegen erhalten können. Selbst aus der aktuellen Situation heraus kann Wissen vermittelt werden, z.B. wie man kommunale Daseinsvorsorge unter absolut kritischen Extrembedingungen oder den Notbetrieb der Verwaltung bei anhaltenden Stromausfällen, extremen Personalengpässen und permanenter Bedrohung aufrechterhalten kann.
Der gemeinsame Apell von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Präsident Wolodymyr Selenskyj, neue deutsch-ukrainische Partnerschaften auf Augenhöhe zu etablieren, war ein starker und notwendiger Impuls.
Auch das Land Hessen hat Ende Mai 2026 mit dem Oblast Kyiv ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, um den Wiederaufbau strategisch zu begleiten. Doch staatliche und kommunale Absichtserklärungen bleiben wirkungslos, wenn sie nicht vor Ort mit Leben gefüllt werden, daran arbeiten die Gemeinden Heidenrod und Jurkowetzka derzeit gemeinsam.
Wenn wir den Kolleginnen und Kollegen in der Ukraine helfen, ihre kommunale Daseinsvorsorge aufrechtzuerhalten, dann leisten wir nicht nur humanitäre Hilfe für Menschen vor Ort. Wir leisten einen konkreten, pragmatischen Beitrag zur Stabilität und Verteidigung des demokratischen Europas. Nicht mit lauten Worten, sondern mit dem, was wir am besten können: anpacken, verlässlich liefern und Partnerschaften auf Augenhöhe leben.