In den letzten Wochen bin ich jenseits der Kirche immer wieder auf das Thema Fasten gestoßen: in den sozialen Medien, im Radio und besonders bei jungen Menschen - die Parallelität von Fastenzeit und Ramadan setzt das Thema selbst im säkularen Bereich auf die Agenda. Der Blick dabei richtet sich meist ähnlich wie im Religiösen nach innen: Was tut mir gut? Worauf verzichte ich - für mich? Fasten als persönliches Projekt.
Ich tue mir damit ehrlich gesagt jedes Jahr schwer. Der Verzicht auf Lebensmittel oder schlechte Angewohnheiten wie Social Media, der stets neue Versuch der Selbstoptimierung - mit dem doch irgendwie abstrakten Ziel, meine Beziehung zu Gott zu bereichern.
Umso mehr hat mich in diesem Jahr die Fastenbotschaft von Papst Leo XIV. angesprochen. Sein Thema: „Zuhören und fasten". Leo dreht die gewohnte Perspektive um: Nicht ich stehe im Mittelpunkt des Fastens - sondern der andere. Er ruft zu einer verbalen Abrüstung auf: Fasten vom schnellen Urteil, von Worten, die ausgrenzen und verletzen. Wer wirklich fastet, so Leo, schafft Stille in sich - und in dieser Stille wird Platz, dem anderen zuzuhören. Vielleicht sogar: in ihm etwas von Gottes Wort an mich zu hören.
In der Fastenzeit den Anderen in den Blick nehmen ist sicher keine neue Einsicht, aber eine, die gerade in dieser Zeit herausfordert. Abgrenzung und scharfe Worte sind schließlich nicht nur in der großen Politik allgegenwärtig - sondern auch dort, wo ich lebe: zwischen Kirchorten, zwischen Gruppen, unter Mitarbeitenden und selbst im eigenen Freundeskreis fallen mir viele Situationen ein, wo die eigene Perspektive im Mittelpunkt steht und die der anderen hintenrunterfällt.
Leo wünscht sich eine Fastenzeit, „die unser Ohr aufmerksamer macht für Gott und die Geringsten" und in der „Worte, die verletzen, weniger werden und der Stimme der anderen mehr Raum bleibt".
Zuhören als Fasten - für mich eine bereichernde Perspektive, um auf die Heilige Woche zuzugehen: zwischen dem Jubel am Palmsonntag und der Stille des Karsamstags Gottes Wort besonders intensiv wahrzunehmen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Fastenzeit.