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Hünstetter Nachrichten - Mitteilungsblatt für die Gemeinde Hünstetten
Ausgabe 13/2026
Aus der Natur
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Der Alpensalamander- Lurch des Jahres 2026

 

Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT e. V.) hat den Alpensalamander (Salamandra atra) zum Lurch des Jahres 2026 ausgerufen.

Der Alpensalamander ist lackglänzend schwarz, der Bauch kann etwas heller gefärbt sein. Die Größe reicht von 12-16 Zentimetern, wobei das Weibchen etwas größer als das Männchen ist. Zum Vergleich, der bei uns heimische Feuersalamander ist 15-20 Zentimeter groß und wirkt plumper. Alpensalamander bewohnen strukturreiche Bergwälder, feuchte Strauchheiden und Grasmatten der Alpen sowie einiger Gebirge des Balkans, meist oberhalb von 800 Metern. Während sich die meisten Amphibien in Gewässern fortpflanzen und ihre zahlreichen Eier oder Larven dort absetzen, bringt der lebendgebärende Alpensalamander nach zwei bis vier Jahren Tragzeit nur ein oder zwei voll entwickelte Jungtiere an Land zur Welt – kleine Ebenbilder der Eltern. Unter allen Frosch- und Schwanzlurchen weltweit gebären nur die hochspezialisierten Alpensalamander in Europa auf diese Weise komplett entwickelte Jungtiere und sind für die Fortpflanzung somit unabhängig von Gewässern.

Unter den 20 einheimischen Amphibienarten ist der Lurch des Jahres 2026 auch wegen seiner ungewöhnlichen Verbreitung nur im alpinen Raum ein Exot. In Deutschland bewohnt er ausschließlich den Süden Bayerns und den äußersten Südosten von Baden-Württemberg. Die spezielle Lebensweise mit wenigen Jungen und einer extrem geringen Reproduktionsrate – unter allen Landwirbeltieren besitzt der Alpensalamander auch die längste Tragzeit – bringt gravierende Nachteile mit sich. Noch ist der Alpensalamander in Gebieten, in denen er vorkommt, zwar oft häufig, noch scheint seine Bestandsentwicklung stabil, und die Art gilt in den Roten Listen Deutschlands von 2020 dementsprechend als „ungefährdet“. Doch als hochspezialisierte klimasensible Art droht dem Alpensalamander vor allem im Zuge des Klimawandels durch schrumpfende Verbreitungsgebiete Gefahr.

Hinzu kommen Risikofaktoren wie die zunehmende Freizeitnutzung durch Skipisten, schwindende Lebensräume durch Biotopzerschneidung und Intensivierung der Almwirtschaft, aber auch der häufige Verkehrstod auf alpinen Straßen und die akute Gefahr durch den gefährlichen Salamander-Chytridpilz. Dieser neuartige Krankheitserreger, der beim Feuersalamander meist tödlich wirkt, wurde beim verwandten Alpensalamander bislang noch nicht im Freiland nachgewiesen. Im Labor aber erwies sich auch diese Art als anfällig für Infektionen, und Nachweise des Pilzes gelangen bereits in Molchbeständen in nächster Nähe zu Vorkommen des Alpensalamanders. (Quelle: DGHT, Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e. V.)

Ute Leukel-Fischer