Es ist mal wieder soweit: 1. Mai - Tag der Arbeit. Bei diesem Stichwort sehe ich mich plötzlich an einem Bügelbrett stehen im Keller des Schwesternhauses der Communität Casteller Ring. Bügeln gehört wirklich nicht zu meinen Lieblingstätigkeiten. Aber in den Monaten, die ich bei den Schwestern auf dem Schwanberg verbracht habe, gehörte es zu meinen Aufgaben: Zwei Vormittage in der Woche stand ich am Bügelbrett, um Hosen, Röcke, Blusen und Shirts zu bügeln.
Das Gute am Bügeln ist: Es fordert nicht so viel Aufmerksamkeit. Und so konnte ich mich beim Tun nebenher mit der Schwester unterhalten, die die Waschküche unter sich hatte. Von ihr habe ich etwas gelernt: „Immer zuerst nachschauen, wem das Kleidungsstück gehört, das man gleich bügeln wird! Das verändert etwas.“ Ich habe es ausprobiert, und ich habe gemerkt: Stimmt! Aus einem Berg Wäsche werden auf einmal einzelne Wäschestücke, die jemandem gehören. Aus stundenlangem Bügeln wird plötzlich ein je neuer „Liebesdienst“ für eine ganz bestimmte Person. Von dem Moment an stand ich mit einem anderen Gefühl am Bügelbrett.
Arbeit erleben wir nicht immer gleich. Das weiß auch die Bibel. Im 1. Schöpfungsbericht lesen wir, wie Gott den Menschen beauftragt, die Erde zu bebauen und zu bewahren. Arbeit ist hier Mitgestaltung an Gottes Schöpfung, die uns Würde und Sinn verleiht: Wir dürfen schöpferisch sein und die Welt mit unseren Händen, unserem Verstand und unseren Herzen formen.
Der 2. Schöpfungsbericht - und mitunter auch die Erfahrung unseres Alltags - zeigen: Arbeit ist auch Mühe. Der Boden bringt Dornen und Disteln hervor - und oft fühlt sich Arbeit an wie ein Kampf: gegen Zeitdruck, gegen Erschöpfung, gegen unsere eigenen körperlichen und seelischen Grenzen. Die Bibel redet diese Realität nicht schön. Arbeit kann anstrengend und manchmal auch schmerzhaft sein.
Arbeit hat also zwei Seiten: Sie ist Geschenk und Aufgabe, Freude und Mühe. Irgendwo dazwischen bewegen wir uns mit dem, was wir täglich zu tun haben, beruflich und privat. Dabei ist auch in biblischer Sicht die Haltung wichtig, mit der wir unsere Arbeit verrichten. „Alles, was ihr tut, das tut von Herzen, als dem Herrn und nicht den Menschen“, heißt es im Kolosserbrief (3,23). Diese Worte erinnern uns daran, dass Arbeit mehr ist als Mittel zum Zweck. Sie kann zum Dienst - sogar zum Gottesdienst - werden, ob wir nun einen Garten bestellen, Kinder unterrichten, im Büro Zahlen addieren oder am Bügelbrett stehen.
Vielleicht ist der 1. Mai eine gute Gelegenheit, einerseits Pause zu machen - auch das ist gut biblisch - und andererseits dankbar die Momente wahrzunehmen, in denen Arbeit uns Freude bereitet, und die Kraft zu spüren, die uns durch die mühevollen Phasen trägt. Immer im Kopf: Unsere Haltung entscheidet mit, ob Arbeit uns belastet oder bereichert.
Mit den besten Wünschen für die kommenden Tage