Wenn ich derzeit mit dem Fahrrad nach Strinz-Trinitatis zum Büro fahre, habe ich das Glück, dass ich an vielen Feldern unserer Landwirte vorbeikomme. Während da gerade der Raps im schönsten Gelb schon kräftig blüht, sehe ich auf anderen Feldern den Weizen beim Aufgehen zu. Unweigerlich kommt mir dann immer wieder folgender Ausspruch Jesu in den Kopf: „Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ (Joh 12,24)
Ein merkwürdiges Bild. Denn eigentlich sehen wir ja das Gegenteil: Wir sehen Leben. Wachstum. Frische Halme, die sich durch die Erde schieben. Und doch beginnt all das mit etwas, das wir nicht sehen: ein Korn, das verschwindet. Das aufhört, das zu sein, was es war. Jesus spricht diesen Satz nicht als Naturbeobachtung. Er spricht ihn über sich selbst. Kurz darauf wird er verhaftet, verurteilt, gekreuzigt. Sein Weg führt nicht am Tod vorbei - sondern mitten hindurch.
Das Weizenkorn ist kein romantisches Bild. Es ist eine Zumutung. Denn es sagt: Leben entsteht nicht einfach aus Wachstum, sondern oft aus dem, was verloren geht. Wir kennen das auch jenseits der Felder: Abschiede, die wir nicht wollten, Pläne, die nicht aufgegangen sind, Wege, die enden, bevor wir bereit dafür sind. Und oft fragen wir uns: Was soll daraus noch werden? Jesu Bild gibt darauf keine einfache Antwort. Es erklärt das Leid nicht. Es macht den Verlust nicht leichter. Aber es setzt einen anderen Akzent: dass Gott auch dort wirkt, wo etwas zu Ende geht. Dass das, was wir als Ende sehen, bei Gott nicht das letzte Wort hat.
Das Weizenkorn bleibt nicht allein. Nicht, weil es sich selbst rettet, sondern weil Gott aus ihm neues Leben wachsen lässt. Das ist kein Naturgesetz. Das ist eine Hoffnung. Eine Hoffnung, die sich nicht aufdrängt, die man nicht beweisen kann.
Aber vielleicht eine, die man ahnen kann, wenn man am Feldrand steht und sieht, wie aus unscheinbaren Körnern neues Leben wird. Und vielleicht auch dann, wenn im eigenen Leben etwas zu Ende geht, das einmal wichtig war: dass es nicht nur Verlust ist, sondern dass Gott gerade dort einen Anfang bereithält, den wir noch nicht sehen können.