Mit einer Auftaktveranstaltung hat die Gemeinde Hünstetten einen wichtigen Schritt zur Sicherung und Weiterentwicklung der hausärztlichen Versorgung unternommen. Bürgermeister Jan Kraus begrüßte dazu Vertreter der kommunalen Fraktionen, Frau Sohl (Gesundheitskoordinatorin Rheingau-Taunus-Kreis) sowie die beiden in Hünstetten tätigen Hausärzte Frau Krämer und Herrn Dr. Behringer. Ziel des Treffens war es, die aktuelle Versorgungssituation realistisch einzuordnen und frühzeitig Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.
Bürgermeister Kraus machte deutlich, dass die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum eine wachsende Herausforderung darstellt. Umso wichtiger sei es, rechtzeitig gemeinsam mit Ärzteschaft, Politik und Verwaltung Lösungen zu erarbeiten. Frau Sohl gab einen Überblick über die medizinische Versorgungslage im Kreis und berichtete von einer bereits erfolgreich durchgeführten kurzen Online-Ärztebefragung im Dezember 2025 in Taunusstein. Überlegt werden kann, dieses Modell modifiziert künftig auch auf Hünstetten und Idstein zu übertragen, um einige Grundsatzdaten zur tatsächlichen und zur subjektiv wahrgenommenen Versorgung zu erhalten. Zudem verwies sie auf eine Fachveranstaltung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) im Mai 2026 in Idstein, die sich mit der regionalen Stärkung der medizinischen Versorgung für Haus- und Kinderärzte befasst.
Aus ärztlicher Sicht schilderten Dr. Behringer und Krämer ausführlich ihre Praxissituation. Beide betonten, dass die hausärztliche Versorgung in Hünstetten derzeit stabil sei. Frau Krämer erklärte, auch in den kommenden Jahren weiter praktizieren zu wollen und über freie Kapazitäten zu verfügen. Dr. Behringer, der gemeinsam mit einer angestellten Kollegin rund 5.500 Patientinnen und Patienten betreut, sieht ebenfalls noch Spielraum für Neupatienten aus Hünstetten. Beide Praxen übernehmen zudem die Versorgung im Seniorenheim und vertreten sich im Urlaubs- oder Krankheitsfall gegenseitig.
In der Diskussion wurden moderne Versorgungsansätze wie Videotelefonie, bessere Patientensteuerung und eine enge Zusammenarbeit mit Pflegekräften, Apotheken und der Gemeindepflegerin hervorgehoben. Auch Präventionsangebote, Informationsabende und eine stärkere Gesundheitsbildung für die Bevölkerung wurden als sinnvolle Ergänzungen benannt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass für die Ansiedlung neuer Ärztinnen und Ärzte Faktoren wie Wohnraum, Kinderbetreuung, Schulplätze und geeignete Praxisflächen eine zentrale Rolle spielen.
Zum Abschluss verständigten sich alle Beteiligten darauf, zunächst eine umfassende Umfrage zur medizinischen Versorgung in Hünstetten durchzuführen. Nach Auswertung der Ergebnisse soll ein weiterer Runder Tisch stattfinden, um gezielt über nächste Schritte zu beraten und den Austausch mit Kreis und Kassenärztlicher Vereinigung fortzusetzen. Bürgermeister Jan Kraus betonte, dass die Gemeinde diesen Prozess aktiv begleiten und unterstützen werde, um die medizinische Versorgung vor Ort langfristig zu sichern.