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Hünstetter Nachrichten - Mitteilungsblatt für die Gemeinde Hünstetten
Ausgabe 31/2026
Kirchliche Nachrichten
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An(ge)dacht

Geh aus, mein Herz

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud ...“ ist ein „köstliches Sommerlied“.

Es kommt so fröhlich daher. Sommerlich frisch. Es beschreibt einen Spaziergang durch die Natur. Ich schaue sie mit den Augen meines Herzens an und „singe mit, wenn alles singt“. Ich kann gar nicht anders, als mit der ganzen Schöpfung Gott zu loben.

So wird der Sommerspaziergang ein Bild für mich selber: für meine Glaubensfrüchte.

Dass sie Wurzeln treiben, um in Gottes Garten ein guter Baum zu werden. 

Dazu „mach in mir deinem Geiste Raum“ ...

Der Liedtext stammt von Paul Gerhardt. Er gilt als der bedeutendste evangelische Lieddichter nach Martin Luther. Und selbst im katholischen Gesangbuch finden sich einige seiner Lieder. 

Wir erinnern uns in diesem Jahr an den 350. Todestag von Paul Gerhardt. Wenn man das Lied hört, könnte man glauben: Paul Gerhardt war ein glücklicher Mensch. In Wirklichkeit aber prägt der Dreißigjährige Krieg sein Leben. Dörfer und Städte liegen in Schutt und Asche. Dem Kriegsgräuel folgt der Schwarze Tod, die Pest. Paul Gerhardt muss geliebte Menschen gehen lassen – ein Leben lang. Schon als Kind verliert er seine Eltern. Vier seiner fünf Kinder muss er zu Grabe tragen, ebenso seine Frau. Der Pastor und Liederdichter zieht sich oft zurück in seine „Schwermuthöhle“, wie er es nannte.

Aber sein Glaube gibt ihm Kraft und Hoffnung – über den Tod hinaus. Ein Gottesgeschenk, das Zuversicht ausstrahlt und froh macht. Hoffnungskraft schöpfen wir aus seinen Liedern.

Die Melodie stammt übrigens von einem „Vollblutmusiker“: August Harder. Er war in Leipzig Sänger, Pianist, Gitarrist, Komponist und Schriftsteller.

Eigentlich hatte er die Melodie für ein ganz anderes Lied geschrieben: „Die Luft ist blau, das Tal ist grün ...“ – und eigentlich gab es auch zu dem Text „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ ganz andere Melodien. Aber mit denen wurde niemand so richtig glücklich.

Sie strahlten viel zu wenig die Fröhlichkeit und die Beschwingtheit des Textes aus. So kam es dazu, dass ein wunderschöner Text „Geh aus, mein Herz“ und eine genauso schöne Melodie zueinanderfanden. Das gibt es öfter, auch im Gesangbuch.

Ein fast normaler Prozess. Denn nichts ist doch schöner, als wenn ein Lied überall gern gesungen wird.

Und so stimme ich mit Paul Gerhardt ein: „Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen.“

(Nach Gedanken von Fritz Baltruweit)

Einen schönen Sommer wünscht Ihnen

Ihr Jürgen Schweitzer,
Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Mittlerer Untertaunus