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Hünstetter Nachrichten - Mitteilungsblatt für die Gemeinde Hünstetten
Ausgabe 35/2026
Kirchliche Nachrichten
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An(ge)dacht

Manuela König

Es wird Herbst

Ich bin mit meinen Kollegen und Kolleginnen aus dem Verkündigungsteam bei einer Klausurtagung in Arnoldshain. Und in einer der Pausen oder auf einem der Wege durch das Tagungshaus fällt plötzlich der Satz: „Die Bäume sehen schon richtig herbstlich aus.“ Und tatsächlich: An manchen Bäumen werden die Blätter schon gelb und rieseln sogar schon zu Boden.

Aber dann haben wir genauer hingeschaut und nachgedacht: Das ist gar kein Zeichen dafür, dass der Herbst in diesem Jahr besonders früh kommt. Die Bäume sind gestresst. Die große Hitze der vergangenen Woche und die Trockenheit setzen ihnen zu. Wenn Wasser fehlt, werfen die Bäume ihre Blätter früher ab, um sich selbst zu schützen. Was wie ein natürlicher Übergang aussieht, kann also auch ein Zeichen von Belastung sein.

Mich macht das nachdenklich, denn auch bei uns sieht man nicht immer sofort, was hinter etwas steckt. Manchmal wirkt jemand müde, gereizt oder still. Dahinter kann ein schlechter Tag stecken. Es können aber auch Erschöpfung, Sorgen oder Überforderung. Hin und wieder ist es ja sogar so, dass wir selbst viel zu spät merken, dass wir eigentlich schon ziemlich unter Druck stehen.

Die Bibel erinnert uns immer wieder daran, genau hinzuschauen und beim Blick in die Natur etwas zu lernen über uns Menschen. Jesus zum Beispiel schaut auf die Vögel und sagt sinngemäß: „Gott sorgt für sie. Und wenn Gott schon für sie sorgt, wieviel mehr wird er für euch sorgen.“

Und auch jetzt sehe ich hin: sehe die Bäume im Wald, sehe die Veränderung in der Natur - und lerne etwas über uns Menschen, über mich. Noch ist Sommer, aber der Herbst kündigt sich an. Nicht alles, was sich verändert, muss uns Sorgen machen. Manches gehört einfach zum Lauf der Jahreszeiten und zum Leben. Doch manches ist ein Hinweis darauf, dass etwas oder jemand Aufmerksamkeit und Fürsorge braucht.

Leben braucht Wasser, Licht, Nahrung, Raum zum Wachsen. Das gilt für Bäume und für Menschen.

In Psalm 104 heißt es: „Du lässt Quellen entspringen in den Tälern, dass sie zwischen den Bergen dahinfließen.“ Gott schenkt, was zum Leben nötig ist. Manchmal ganz unspektakulär: in einem Menschen, der zuhört, in einer helfenden Hand, in einem Wort, das wieder Mut macht oder einen anderen Weg aufzeigt. Sind es vielleicht mein Ohr, meine Hand, mein Mund, die da gerade gebraucht werden?

Es wird Herbst. Schauen wir ein wenig genauer hin - auf die Bäume, aufeinander und auch auf uns selbst.

Manuela König
Pfarrerin der Ev. Gesamtkirchengemeinde Mittlerer Untertaunus