Die Geschichte des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings
Dieser Schmetterling hat es aufgrund seiner spannenden Entwicklung zum Schmetterling des Jahres 2026 gebracht.
Nicht jede Bläulingsart ist tatsächlich blau gefärbt. Wenn, dann sind es meistens nur die Männchen, so wie beim Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Bei ihm ist nur die Flügeloberseite graublau. Das Weibchen hat eine dunkelbraune Flügeloberseite, häufig mit einer blauen Bestäubung am Flügelansatz. Die Flügelunterseite ist bei beiden Geschlechtern zimtbraun gefärbt. Dort liegen auch die für Bläulinge typischen Reihen schwarzer Augenflecken mit weißer Umrandung.
Nicht zufällig trägt der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling in seinem Namen auch den Begriff "Wiesenknopf". Denn fast das ganze Leben der Falter spielt sich auf dieser Pflanze ab. Die Falter ernähren sich von dem Nektar des Großen Wiesenknopfs, sie schlafen, balzen und paaren sich auf ihm.
Wenn der Große Wiesenknopf kurz vor dem Aufblühen steht, legen die Weibchen ihre Eier zwischen seine Einzelblüten. Nach circa acht Tagen schlüpfen die Raupen. Sie bohren sich sofort in eine Einzelblüte ein und ernähren sich von ihr. In den nächsten zwei bis drei Wochen bleiben sie dort und machen drei Häutungen durch. Am Ende dieser Zeit haben sie ihre Gestalt völlig verändert: Die am Anfang gelblich weißen Raupen wurden durch das Fressen der Wiesenknopfblüte rot und sind jetzt circa drei Millimeter lang.
Nun kriechen sie aus ihrem Blütenversteck und lassen sich auf den Boden fallen. Unter Pflanzenteilen und in Erdspalten versteckt warten sie. Und zwar auf ihre Todfeinde: die Ameisen. Wird die Raupe allerdings von einer speziellen Ameisenart, der Rotgelben Knotenameise, entdeckt, dann greift die Ameise die wehrlose Raupe nicht etwa an, sondern sie tastet sie mit ihren Fühlern ab. Die jungen Raupen haben einige Tricks auf Lager, um das "Adoptionsritual" zu ihren Gunsten ausfallen zu lassen: Sie verfügen über Honigdrüsen, die für Ameisen attraktiv sind. Außerdem scheinen die Raupen einen Duft zu produzieren, der den Geruch der Ameisenbrut imitiert. Die Ameisen schleppen die Raupen dann in ihr Nest, wo diese von nun an von den Ameisen versorgt werden.
Wird eine Raupe von der Rotgelben Knotenameise adoptiert, hat sie ausgesorgt: In den unterirdischen Brutkammern hält sie sich an der Brut ihrer Gastgeber schadlos. Bis zu 600 Ameisenlarven kann eine Raupe in der Zeit ihres Aufenthalts im Ameisenbau vertilgen! Der Ameisenbau bietet den Raupen neben einer immer vollen Vorratskammer Schutz und einen warmen Ort zum Überwintern. Zehn Monate bleiben die Raupen im Ameisennest.
Im Juni des folgenden Jahres verpuppen sich die mittlerweile recht dicken und großen Raupen. Rund 25 Tage dauert das Puppenstadium. Danach müssen die geschlüpften Falter so schnell wie möglich den Ameisenbau verlassen, da sie ihre Gastgeber nun nicht mehr täuschen können. Als Schutz gegen die Attacken der Ameisen ist der ganze Körper der Falter mit wolligen Schuppen bedeckt, die in den Kiefern der Angreifer zurückbleiben, wenn sie zubeißen. Erst an der Erdoberfläche pumpen die Falter Luft und Flüssigkeit in ihre Flügel, die sich dann strecken und aushärten.
Hat der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling das gefährliche Abenteuer seiner Metamorphose gemeistert, dann verbleiben dem erwachsenen Falter noch etwa 3 Wochen, um das Leben in Licht und Sonne zu genießen.