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Hünstetter Nachrichten - Mitteilungsblatt für die Gemeinde Hünstetten
Ausgabe 37/2026
Kirchliche Nachrichten
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An(ge)dacht

Liebe Gemeinde,

der Sommer neigt sich dem Ende zu. Viele von Ihnen waren unterwegs, um abzuschalten, neue Kraft zu schöpfen oder einfach einmal auszuruhen. Ich habe nach unserem Urlaub die Zeit genutzt, um endlich unseren Keller auszumisten: ein ganzer Berg alter Kartons, Dinge, die man „vielleicht noch braucht“, und längst Vergessenes, das sich über die letzten Jahre angesammelt hat. Wenn das Chaos dann irgendwann im Griff ist und man auf den neu gewonnenen Raum schaut, etwas Seltsames: Man atmet unwillkürlich tief durch. Ballast loszuwerden tut einem gut, sowohl körperlich als auch seelisch.

Im Grunde ist die Zeit im Urlaub ganz ähnlich. Sie ist eine Chance, einmal gründlich „durchzulüften“ und auch im Inneren auszumisten. Wer am Strand auf die Weite des Meeres schaut, spürt bildlich, wie das Rauschen der Wellen den Lärm der Hektik fortspült. Wer in den Bergen die Stille genießt, merkt, wie der Alltagstrubel verblasst. In dieser Ruhe wird uns erst bewusst, was sich über Zeit angesammelt hat: Alltagshetze, Sorgen, Erwartungsdruck, Groll, den wir mit uns tragen. Wie befreiend ist es, all das im Sand liegen zu lassen oder vom Bergwind davontragen zu lassen!

Genau diese Erfahrung greift auch Psalm 31,9 auf: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“

Gott möchte nicht, dass wir eng und vollgestopft durchs Leben gehen - vor allem nicht in unseren Herzen. Er selbst ist diese Weite, nach der wir uns sehnen. Er lädt uns ein, unseren Ballast nicht nur irgendwo abzulegen, sondern ihn ganz bewusst ihm im Gebet anzuvertrauen. Bei ihm müssen wir nichts leisten, keine Rolle spielen und keinen fremden Erwartungen erfüllen. Er nimmt alles, was uns belastet, entgegen - und schenkt uns dafür neuen Platz zum Atmen, offene Hände zum Empfangen und ein Herz, das frei sein soll.

Ich wünsche Ihnen für Ihren Alltag genau dieses Gefühl: wie, wenn man am Morgen alle Fenster weit aufmacht und frische, kühle Luft hereinlässt. Mitten im Alltag Raum zu spüren, frei zu atmen und zu wissen, dass Gott uns diesen weiten Raum schenkt.

Ihre Janine Witter
für das Pastoralteam Katholische Pfarrei St. Martin Idsteiner Land