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Hünstetter Nachrichten - Mitteilungsblatt für die Gemeinde Hünstetten
Ausgabe 39/2026
Kirchliche Nachrichten
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An(ge)dacht

»Ich lasse dich nicht los, bevor du mich segnest!« (1. Mose 32,27). Er liest sich fast wie eine Drohung, dieser Satz. Und wie jede Geschichte hat auch die Geschichte, in deren Mitte dieser Satz steht, eine Vorgeschichte. Mit dem Segen ist nämlich etwas schiefgelaufen. Esau sollte als Erstgeborener von seinem Vater Isaak gesegnet werden. Aber listig hatte sich sein zweitgeborener Zwillingsbruder Jakob den Segen erschlichen, ergaunert, hat den Segen gestohlen im Komplott mit seiner Mutter Rebekka. Das hatte, nachdem Esau dahintergekommen war, zu einem tiefen Zerwürfnis geführt. Jakob war geflohen und will nun, nach 20 langen Jahren, wieder auf seinen Bruder Esau zugehen. Will sich mit ihm versöhnen. Er bereut, was er damals getan hat. Und nun will er zurückgehen und sich Esaus Forderungen unterwerfen.

Auf seinem Weg zu Esau kommt Jakob zum Fluss Jabbok. Da stellt sich ihm mitten in der Nacht jemand entgegen. Später kann Jakob sagen: Das war Gott. Der, der sich ihm da in der Nacht am Fluss entgegenstellt, ist stärker als Jakob. Aber Jakob nimmt all seine Kraft zusammen und hält sein Gegenüber einfach fest. Der andere sagt: »Lass mich los; es wird schon Tag!« Aber Jakob hält fest und antwortet: »Ich lasse dich nicht los, bevor du mich segnest!« Es scheint, als wäre „der Segen“ für ihn eine traumatische Erfahrung. »Ich lasse dich nicht los, bevor du mich segnest.« Und Jakob bekommt den Segen. Diesmal den, der ihm zusteht - seinen Segen. Und er bekommt auch die Versöhnung mit Esau, seinem Bruder. Er bekommt sogar einen neuen Namen: Israel.

Der Segen ist der Neuanfang für Jakob. Er hat um den Segen gerungen. Er war ihm - nach seiner Vorgeschichte - wichtig.

Am Ende des Gottesdienstes steht immer der Segen, wird er mitgegeben. Ein ganz dichter Moment. Beim Verabschieden nach dem Gottesdienst in einem Seniorenheim sagte eine alte Dame vor einigen Jahren zu mir: „Der Segen ist das Schönste im Gottesdienst. Den nehme ich jetzt mit auf mein Zimmer. Der reicht für eine ganze Woche - bis zum nächsten Gottesdienst.“ So oder ähnlich empfinden viele Menschen. Aber kämpfen wir auch um den Segen? Nicht wie Jakob mit Gewalt. Aber vielleicht mit Worten. Im Gebet. »Ich lasse dich nicht los, bevor du mich segnest!«, das könnte doch unser Gebet sein. Wenn wir Gott unsere Fehler bekennen und ihn um seinen Segen bitten wollen. Und dann können wir loslassen. Und wir fallen - in seine Hände. Weil wir niemals tiefer fallen können als in seine Hände. Und dort empfangen wir ihn - seinen Segen.

Bleiben Sie behütet und seien Sie gesegnet.

 

Ihre Petra Dobrzinski (Verkündigungsteam MUT)