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Hünstetter Nachrichten - Mitteilungsblatt für die Gemeinde Hünstetten
Ausgabe 4/2026
Kirchliche Nachrichten
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An(ge)dacht

Wochenandacht

In der Apostelgeschichte (Apg 10,1-35) wird uns von einer Erkenntnis erzählt, die Petrus hatte. Diese Erkenntnis veränderte sein Leben, seinen Glauben, seinen gelebten Glauben. Petrus erkennt: Gott sieht nicht die Person an, sondern den Menschen.

Klingt das in Ihren Ohren nach einer banalen Erkenntnis? Ich glaube, das ist eine sehr wichtige Erkenntnis, die bis heute noch immer nicht alle (Christen-)Menschen hatten und haben, die Erkenntnis: Gott sieht nicht auf dies und das, auf Leisten und Versagen, sondern auf das Menschsein des Menschen an sich. Gott erwartet meine Ehrerbietung, meine Demut; er erwartet keine besondere Leistung. Auch wenn Menschen schuldig werden, sind und bleiben sie seine Ebenbilder. Verjagt wird niemand mehr.

Ich denke in diesen Tagen besonders auch an den 27. Januar. Im Jahr 1945 wurde an diesem Tag das Vernichtungslager Auschwitz von der russischen Roten Armee befreit. Ich muss hier nicht nacherzählen, was genau wann und wie geschehen ist. Wir sollten uns aber vor Augen halten, dass es Menschen möglich war, andere Menschen nur aus einem Grund millionenfach zu vernichten: weil sie diese für minderwertig erklärt haben. Und auch wenn wir uns viel darüber erzählen, bleibt es im Wesen - zumindest für mich - unfassbar, dass Menschen sich selbst so erniedrigen, dass sie andere Menschen systematisch ausrotten (wollen). Es ist nicht meine Schuld; aber es bleibt dennoch meine Scham - einfach die menschliche Scham, dass Menschen das möglich gemacht haben. Als Mensch kann ich da immer nur bitten: Gnade uns Gott. Und mich zugleich festhalten an der großen Erkenntnis von Petrus: Gott sieht die Person nicht an. Das gilt für Menschen, gleich welcher Nationalität oder Religion sie angehören, das gilt für Verzweifelte und Versagende, das gilt für Schuldige und für Ruhmreiche. Gott sieht anders. Er sieht darauf, ob Menschen ihm die Ehre geben und dies in ihrem Leben erkennen lassen. Man kann ja viel Ehre geben, ohne so zu handeln. Man kann sich spalten in Reden einerseits und Tun andererseits. Gerade das aber soll nicht sein. Wir sollen mit uns selbst eins sein bzw. werden. Gott die Ehre geben heißt, den Nächsten zu achten. Nicht seine Taten, aber sein Menschsein. Das Menschsein des Menschen ist heilig. Weil er Gottes Ebenbild ist. Das erkennt Petrus. Und in Gottes Namen hat sich darauf eine Kirche gegründet, die genau so handeln soll. Und wer ist diese Kirche, die so handeln soll? Alle Menschen, die sich zu Jesus Christus bekennen - unabhängig davon, ob sie Mitglied einer der verfassten Kirchen sind oder nicht.

Seien und bleiben Sie behütet.

Pfrin. Petra Dobrzinski, Ev. Gesamtkirchengemeinde Mittlerer Untertaunus