Porträt Agnes Schmidt-Köber
Herbstzeit ist Erntezeit, ist Zeit der Dankbarkeit. Zwei Impulse begleiten mich in den letzten Tagen: im Psalm 103 heißt es: „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Ein guter Rat. Der Mensch vergisst und verdrängt. Dabei tut es gut, den Blick zu heben und wahrzunehmen, wie viel da ist, was alles zur Verfügung steht: ein wohlhabender Wohlfahrtsstaat. Ein tragfähiges Sozialsystem, das dafür Sorge trägt, damit niemand unter die Räder kommen muss. Ein funktionierendes Gesundheitssystem, ein solides Schulsystem, in dem jeder lesen, rechnen und schreiben lernen kann. Ein tragfähiges soziales Netz. Wir dürfen unser Leben selbst gestalten. Und jede/r kann seine Meinung äußern, auch wenn sie noch so doof oder skandalös ist. All das ist nicht selbstverständlich. Selbst wenn noch vieles verändert und angepasst werden muss.
Damit komme ich zum zweiten Impuls: Es sind nicht die Glücklichen, die dankbar sind, sondern die Dankbaren, die glücklich sind. Dieses Zitat wird von verschiedenen Menschen überliefert und zeigt damit seine breite Wirksamkeit. Der Mensch strebt nach Vollkommenheit, nach Perfektion. Vollkommenheit und Perfektion scheinen die höchstmögliche Sicherheit zu bieten, gegen alle Unsicherheiten des Lebens. Das „Maximum“ wird gerne angestrebt. Doch erst mit der Zeit und abnehmenden Kräften erkennen Menschen, dass es nicht auf das Maximum, sondern auf das „Optimum“ ankommt. Das Optimum ist vom Maximum meistens weit entfernt.
Ich habe nach diesem heißen, trockenen Sommer damit gerechnet, dass die Ernte schlecht ausfällt, von Missernte war zwischenzeitlich die Rede. Aber ich lese staunend die Zahlen beim Hessischen Amt für Statistik: Die Erträge liegen im Durchschnitt auf dem Vorjahresniveau, bzw. über dem Durchschnitt von 2020-2025. In den Details ergeben sich gewiss Unterschiede. Dennoch kann ich feststellen, die Natur macht es uns wieder vor: Sie braucht nicht viel, sie braucht genug. Neben den wirklich vielen äußeren Gründen, dankbar zu sein, lohnt es sich, den Blick nach innen zu richten: im Leben ist selten alles wie erträumt. Doch wer sein Leben und Ergehen bewusst wahrnimmt, wird viele Gründe für Dankbarkeit finden. Dankbarkeit lenkt den Blick auf das, was jetzt schon da ist. Regelmäßige Dankbarkeit trainiert das Gehirn, positive Dinge schneller und intensiver wahrzunehmen. Wer dankbar für sein eigenes Leben ist, vergleicht sich weniger mit anderen - und das nimmt dem Unglücklichsein den Nährboden. Und dann ist es nur noch ein Schritt, zum zufrieden, zum glücklich sein.
Wofür sind Sie heute dankbar?
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Entdecken von Gottes Segen in Ihrem Leben.