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Hünstetter Nachrichten - Mitteilungsblatt für die Gemeinde Hünstetten
Ausgabe 6/2026
Aus dem Rathaus
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Aktuelles aus dem Gemeindewald

Ein Kaisermantel (Argynnis paphia) sitzt auf einer Distel. Im Hintergrund sieht man die Wuchshüllen, die als Schutz für die bei der letztjährigen Einheitsbuddeln-Aktion gepflanzten Roteichen, Haibuchen und Spitz-Ahorne dienen. Die Bäume sind gut angewachsen mit nur wenigen Ausfällen. Auch die erstmals eingesetzten Papp-Wuchshüllen haben das erste Jahr gut überstanden. Aufgenommen im südlichen Limbacher Teil des Gemeindewaldes in der Nähe der Jagdhütte.

Junge Douglasien wurden gegen Rüsselkäfer mit Wachs geschützt. Das helle Wachs ist am unteren Bereich der Pflanzen gut erkennbar. Aufgenommen in Abt. 604 bei Oberlibbach.

Vom Prachtkäfer befallene Eiche. Gut erkennbar sind die bräunlichen Rindeabschläge, wo der Specht schon versucht hat, an die Larven heranzukommen. Aufgenommen in Abt. 9 bei Wallrabenstein

Fraßbild des Eichenprachtkäfers unter der Rinde

Fraßgänge des Eichenkernkäfers im Eichenholz

Von Tannenborkenkäfern befallene Küsten-Tannen in Abt. 9 bei Wallrabenstein. Manche Bäume haben bereits ihre Nadeln verloren und sind auf den ersten Blick bereits als tot erkennbar. Aber auch der Großteil der noch grünen Tannen ist bereit von den Käfern abgetötet.

Geräumte Fläche in Abt. 11 bei Wallrabenstein. Im Hintergrund die am Rand des Bestandes eingemischten Douglasien (Pseudotsuga menziesii), die nicht von den Tannenborkenkäfern betroffen sind.

Nahaufnahme der aufgearbeiteten Stämme. Erkennbar sind die Fraßbilder der Tannenborkenkäfer unter der Rinde sowie die Ausfluglöcher der Käfer in der Rinde.

Wie auch in den vergangenen Jahren bleiben Hauptbetätigungsfelder im Gemeindewald Hünstetten die Wiederaufforstung und Pflege der wiederaufgeforsteten Flächen und die Verkehrssicherung. Die Lage beim Schadholz hat sich etwas entspannt, so dass neben dem Finden und Entnehmen von kranken und toten Bäumen auch wieder vermehrt planmäßige Durchforstungen durchgeführt werden können. Die noch ungeschädigten Bestände benötigen auch Pflege, die nun wieder vermehrt stattfinden kann, um stabile und artenreichen Wälder zu erzielen.

Seit 2018 wurden im Gemeindewald Hünstetten ca. 60 ha mit ca. 235.000 Pflanzen wieder aufgeforstet, davon im Jahr 2025 ca. 6 ha mit ca. 29.400 Setzlingen von Douglasie, Trauben-Eiche, Rot-Eiche, Esskastanie, Hainbuche, Kirsche, Elsbeere, Europäische Lärche, Feld-Ahorn, Pfaffenhütchen und Weißdorn.

Die Kulturen erfordern nach der Pflanzung bzw. Naturverjüngung weiterhin Aufmerksamkeit. Es wird beobachtet, wie sich die Flächen entwickeln und bei Bedarf eingegriffen. In jüngeren Kulturen ist hier in der Regel zunächst die Begleitvegetation zu beobachten. Insbesondere Ginster, Brombeere und Holunder wachsen sehr schnell und können die gepflanzten Bäume überwachsen und verdämmen.

Werden die Kulturen älter, erfolgen weitere Eingriffe, z.B. um Mischbaumarten zu fördern.

Die in den letzten Jahren gepflanzten Kulturen entwickeln sich größtenteils gut, jedoch muss die Entwicklung beobachtet werden, um ggf. auf nicht erwünschte Entwicklungen reagieren zu können. Auf einigen Flächen musste bereits nachgebessert werden, da den Sommer über größere Ausfälle auftraten. Insbesondere Freiflächen ohne jegliche Überschirmung, die stark sonnenexponiert sind (Ebenen, Südhänge) zeigen größere Ausfälle. Bereits einzelne kleinere Büsche oder vom Vorbestand verbliebene noch lebende Bäume bringen durch ihren Schattenwurf eine deutliche Verbesserung des Anwuchserfolges. Auch entlang benachbarten Altbestände bietet der Schatten der Nachbarbäume Schutz für die Jungpflanzen vor der Sonne. Hier ist abzuwägen, ob und wie eventuell überwachsende Büsche zurückzudrängen sind, weil sie die jungen Bäume überwachsen und wo sie als Schattenspender erhalten bleiben sollen.

In den letzten Jahren ist auch im Bereich der Kulturen und Jungbestände viel passiert. Die Forstwirte der Gemeinde sind den Sommer über meistens in der Kultursicherung und in der Jungbestandspflege beschäftigt.

Aber nicht nur die Forstwirte der Gemeinde sind mit der Pflege beschäftigt. Seit einigen Jahren gibt es auch eine Gruppe ehrenamtlicher Forsthelfer, die unseren Gemeindeforst bei der Wiederaufforstung und bei der Kulturpflege unterstützen.

Dafür möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken!

Falls Sie gerne ehrenamtlich mithelfen möchten, unseren Wald zu pflegen, finden Sie hier weitere Informationen:

https://www.huenstetten.de/leben-bildung/soziales/ehrenamtsagentur/forsthelfer/

(oder bei Google „Forsthelfer Hünstetten“ eingeben).

In diesem Jahr musste auf einer Kulturfläche auch nach der Pflanzung ein Schutz vor Rüsselkäfern durchgeführt werden. Die erwachsenen Käfer fressen insbesondere bei jungen Nadelbäumen im unteren Bereich des Stämmchens die Rinde ab, was zum Absterben der Jungpflanze führen kann. Hierfür wurde Wachs eingesetzt, das von den Rüsselkäfern verschmäht wird.

In den älteren Beständen sind nach wie vor die Folgen der Trockenperioden der letzten Jahre zu spüren. Die Trockenheit führt u.a. zum Absterben von (Fein-) Wurzeln, wodurch der Wasserbedarf der Bäume nicht mehr ausreichend gedeckt werden kann, auch wenn ausreichend Wasser verfügbar ist. Es ist zu beobachten, dass Kronenteile oder einzelne Bäume aufgrund des Wassermangels absterben. Auch Fäule dringt durch die abgestorbenen Wurzeln in die Bäume ein, so dass Windwürfe und -brüche einzelner Bäume zunehmen und das Stammholz teilweise entwertet wird.

In diesem Zusammenhang ist auch das Thema Verkehrssicherung zu nennen. Wenn Bäume an Straßen oder entlang von Häusern absterben, müssen diese entfernt werden, um Unfälle zu verhindern.

Bei den Buchen kommt es immer noch zum Absterben einzelner Bäume verteilt über den gesamten Gemeindewald. Die Schäden zeigen sich in Beständen ab einem Alter von ca. 60 Jahren und nehmen mit dem Bestandesalter zu. Durch den Trockenstress ist das Immunsystem der Bäume geschwächt, so dass Organismen, die in einem gesunden Buchenwald nur absterbende Äste oder absterbende Bäume besiedeln würden, auch eigentlich gesunde Baumteile besiedeln und das Holz zersetzen.

Hier spielen vor allem Pilze eine Rolle, die z.B. über abgebrochene oder absterbende Äste in den Baumstamm gelangen und dort das Holz zersetzen. Der Stamm wird ausgehend vom befallenen Ast faul und kann innerhalb relativ kurzer Zeit (tw. innerhalb von 4-6 Wochen) abbrechen, dies geschieht oft in Höhen von 6-12 Metern, so dass noch ein Hochstumpf stehenbleibt.

Auch an unseren Eichen zeigen sich weiterhin Schäden, die teilweise auch auf größeren Flächen auftreten können. In den letzten Jahren wurden bereits geschädigte Bäume entnommen. Es zeigt sich je nach Witterungsverlauf teilweise massiver Befall durch Eichenprachtkäfer und Eichenkernkäfer. Es können ein bis mehrere Hektar betroffen sein, die fast flächig absterben oder absterbend sind.

Beide Käferarten kommen schon immer an Eichen vor, haben als Schädlinge erst seit den letzten 3-5 Jahren Relevanz.

Genau wie die Borkenkäfer an der Fichte fühlen sich mit zunehmender Klimaerwärmung auch andere Insekten immer wohler. Hierzu zählen auch Eichenprachtkäfer und Eichenkernkäfer.

Die Larven des Eichenprachtkäfers bringen die Eichen zum Absterben, indem sie Gänge zwischen Rinde und Holz fressen, bei denen die Leitungsbahnen, die die Wurzeln mit Nährstoffen versorgen, zerstören. In der Folge sterben die Wurzeln ab und mit ihnen der Baum. Die absterbenden Eichen werden vom Eichenkernkäfer besiedelt, der Gänge in das Holz der Bäume frisst, was den Holzverkauf deutlich erschwert oder sogar unmöglich macht.

Abbildung 5:

Um die noch lebenden Eichen zu schützen, wird versucht, die vom Eichenprachtkäfer befallenen Eichen zu finden, zu fällen und das befallene Holz aus dem Wald zu bringen bzw. dieses unschädlich zu machen bevor die Larven sich fertig zum Käfer entwickeln können.

Im laufe des Jahres 2025 starben Küsten-Tannen flächig ab. Ursache war Befall durch Tannenborkenkäfer.

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Küsten-Tanne (Abies grandis) liegt im westlichen Nordamerika (von British Columbia bis Nordwest-Kalifornien, von Idaho bis Montana). Der schottische Botaniker David Douglas schickte erste Exemplare in Form von Samen im Jahr 1830 nach England.

In Deutschland wird die Küsten-Tanne nur in kleinem Rahmen angebaut. Auch in unserem Gemeindewald kommt die Küstentanne auf lediglich 5,7 ha oder 0,2% der Fläche vor.

Bei Kontrollen im Spätsommer/Herbst 2025 fielen erste Käferlöcher in den Beständen der Küsten-Tannen auf. Verursacher waren Tannenborkenkäfer (Pityokteines spec.), die eigentlich unter der Rinde der heimischen Weiß-Tanne (Abies alba) brüten.

Geplant war, diese Käferlöcher im Zuge des anstehenden Harvestereinsatzes im Herbst aufzuarbeiten. Im Zuge der vorbereitenden Auszeichnungsarbeiten wurde festgestellt, dass mindestens 75% der Bäume befallen waren, so dass ein Erhalt der Bestände nicht mehr möglich war.

Somit wurden die befallenen Bestände auf ca. 4 ha diesen Winter geräumt. Zwei der befallenen Bestände wuchsen bei Wallrabenstein und einer südlich des Beuerbacher Sees.

Glücklicherweise wurde bislang noch kein Befall bei unseren Weiß-Tannen festgestellt. Die Weiß-Tanne kommt ebenfalls nur auf sehr kleiner Fläche im Gemeindewald vor (6,3 ha; 0,2%).

Die Bestände werden zur Sicherheit beobachtet, um bei beginnendem Befall schnellstmöglich eingreifen zu können.

Es bleibt also weiterhin viel zu tun in unserem Gemeindewald und die Folgen von Klimawandel und Trockenheit halten weiter Herausforderungen bereit. Es zeigt sich jedoch auch, dass unser Wald widerstandsfähiger ist, als man meinen könnte und die Erfolge bei Aufforstungen und Naturverjüngung stimmen trotz einzelner Rückschläge, die leider nicht ausbleiben, hoffnungsvoll.

Insbesondere in den Jungbeständen und Kulturen sind die Anstrengungen der letzten Jahre erkennbar und die Baumartenvielfalt hat messbar zugenommen.

S. Rätz, Gemeindeförster