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Hünstetter Nachrichten - Mitteilungsblatt für die Gemeinde Hünstetten
Ausgabe 7/2026
Kirchliche Nachrichten
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An(ge)dacht

Liebe Gemeinde,

haben Sie sich Vorsätze für das neue Jahr gemacht? Die ersten Wochen sind bereits vergangen und es ist an der Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Ob es um Abnehmen, gesünderes Leben, weniger Medienkonsum oder mehr Zeit für die Familie geht – gute Vorsätze begleiten viele von uns im neuen Jahr. Manche halten länger, viele andere geraten schnell wieder in Vergessenheit.

Ich habe mir zum Beispiel fest vorgenommen, meinen Abstellraum aufzuräumen. So viele Dinge sammeln sich im Laufe des Jahres an, die schnell und unauffällig in diesem kleinen Raum unter dem Dach aus dem Blick verschwinden. Ständig kommt etwas Neues dazu, bis es schließlich unübersichtlich wird. Eigentlich weiß ich genau, wie ich in kleinen Schritten wieder Ordnung schaffen könnte. Und eigentlich liebe ich es, mich von Dingen zu trennen, um freie Räume und Übersicht zu gewinnen. Eigentlich…. Und doch finde ich immer wieder Ausreden, warum ich gerade heute wieder nicht dazu gekommen bin, diesen kleinen Raum aufzuräumen.

Nun stehen wir vor dem Beginn der Fastenzeit. Auch hier können die Vorsätze sehr ähnlich wie zum Jahresbeginn aussehen. Fasten ist ein Begriff, der nicht mehr nur im religiösen Zusammenhang verwendet wird. Viele verbinden damit die Chance, dem eigenen Körper und der Seele etwas Gutes zu tun, Ballast loszuwerden und Platz für Neues zu schaffen.

Für uns Christen hat die Fastenzeit eine tiefere Bedeutung. Das ist die Zeit der Umkehr, der Besinnung und der Ausrichtung auf Gott. Die Fastenzeit lädt uns ein, aufzuräumen und Platz zu schaffen für das oder eher für den, der wirklich wichtig ist – für Gott. Gott, der in unserem Leben wieder Platz finden soll, mehr als vieles andere, was unseren Blick auf ihn versperrt. Auch hier können kleine Schritte helfen. Sich nicht zu viel für die Fastenzeit vornehmen, sondern jeden Tag aufs neue versuchen, Gott und seinem Wirken in unserem Leben Platz einzuräumen.

Vielleicht kennen Sie den Fastenstrauch. In der Kirche oder zu Hause werden Zweige in eine Vase gestellt und nach und nach mit Bändchen oder kleinen Zeichen geschmückt. Sie können selbst entscheiden, womit Sie Ihre Zweige verzieren: mit aufgeschriebenen Fürbitten, mit Erinnerungen an etwas Gutes, das Sie für sich oder für andere getan haben, oder mit Ihren ganz persönlichen Vorsätzen für diese besondere Zeit.

Tag für Tag bringen Sie ihren Fastenstrauch zum Blühen. So wird er zu einem sichtbaren Zeichen für Ihren Weg durch die Fastenzeit – für Ihre kleinen Schritte und für das, was in Ihnen noch wachsen darf. Ein Zeichen dafür, dass es sich lohnt, dran zu bleiben und immer wieder neu anzufangen. Ein Zeichen dafür, dass Gott uns auf diesem Weg begleitet und Veränderung sowie Neuanfang möglich macht.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Fastenzeit

Tatjana Schneider
(Katholische Pfarrei St. Martin Idsteiner Land)