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Hünstetter Nachrichten - Mitteilungsblatt für die Gemeinde Hünstetten
Ausgabe 8/2026
Kirchliche Nachrichten
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An(ge)dacht

„Die zarteste Versuchung…“

In dieser Woche war Aschermittwoch. Seither heißt es für viele wieder „7 Wochen ohne“ – ohne Süßigkeiten, ohne Alkohol, ohne schlechte Gewohnheiten. Für manche ist das ein fester Bestandteil des Jahres. Für andere ein eher vorsichtiger Versuch: „Mal schauen, ob ich durchhalte…“

Denn da ist ja nicht nur der Wunsch, in den nächsten sieben Wochen etwas anders machen zu wollen. Da ist auch die Versuchung. In diesem Zusammenhang fällt mir sofort ein alter Werbeslogan ein: „…die zarteste Versuchung seit es Schokolade gibt.“ Das klingt freundlich, harmlos, fast sympathisch, vor allem, wenn ich dazu auch noch die Melodie im Kopf habe. Keine große Verführung, eher ein kleines Locken am Rande des Alltags.

Genau so begegnet uns Versuchung oft – nicht laut und dramatisch, sondern leise. Und genau so beschreibt es auch die Bibel in der Geschichte von Jesus in der Wüste. Nach seiner Taufe zieht Jesus sich zurück, vierzig Tage lang. Er ist hungrig, erschöpft, allein. Und dann kommen die Versuchungen: Mach dir doch schnell etwas zu essen. Zeig, was du kannst. Nimm den einfachen Weg. Alles Angebote, die verständlich klingen. Die an echte Bedürfnisse rühren: Hunger, Anerkennung, Sicherheit. Eben „zarte Versuchungen“.

Die Fastenzeit kann helfen, dafür sensibler zu werden. Nicht nur beim Verzicht auf Schokolade oder Bildschirmzeit. Sondern im Alltag: Wo mache ich es mir zu leicht? Wo lasse ich mich von Bequemlichkeit leiten? Wo tut mir etwas vielleicht kurzfristig gut, aber langfristig wahrscheinlich nicht?

Jesus entscheidet sich in der Wüste bewusst – gegen den schnellen Effekt, für Vertrauen. Er hält sich an das, was ihm Halt gibt: an Gottes Wort und an seinen Auftrag. Das macht ihn nicht hart oder verbissen, sondern klar.

Ich glaube, das ist der Sinn der Fastenzeit: nicht einfach weniger, sondern bewusster zu leben. Wahrzunehmen, was mich lockt. Und neu zu entdecken, was mich wirklich trägt. Denn Versuchungen wird es immer geben – zarte und weniger zarte. Aber wir sind ihnen nicht hilflos ausgeliefert. Wir dürfen entscheiden, Schritt für Schritt. Wir dürfen wählen: ja oder nein. Wir dürfen dabei auch scheitern. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass wir auf diesem Weg nicht allein sind.

Mit den besten Wünschen

Ihre Manuela König
Pfarrerin der Ev. Gesamtkirchengemeinde Mittlerer Untertaunus