Strinzer beim Volkstanz
Vor 90 Jahren, am Samstag, den 22. Februar 1936, fand im Saal der Gastwirtschaft „Zur alten Farbe“ in Strinz-Trinitatis ein Heimatabend der Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) statt. Die Veranstaltung, unter der Überschrift „Wie es in Strinz vor 100 Jahren war“, erweckte überregionales Interesse, sodass die Landesbauernschaft den Abend filmen ließ. Dadurch können wir noch heute eine Vorstellung davon bekommen, wie das Leben in Strinz vor 190 Jahren war.
Am Dienstag, den 25. Februar 1936, erschien dann unter selbiger Überschrift, im 38. Jahrgang der Idsteiner Zeitung in der Ausgabe Nr. 47 unter der Rubrik „Aus nah und fern.“, folgender Artikel:
„Wie es in Strinz vor 100 Jahren war“
Strinz-Trinitatis. Unter obigem Geleitwort veranstaltete die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ am Samstagabend in Strinz-Trinitatis einen wohlgelungenen Heimatabend. Die ganze Gemeinde hatte sich zusammengefunden, um in einer Folge von Gruppen und Bildern unter Leitung von Frau Pfarrer Mencke das Leben der damaligen Zeit lebendig werden zu lassen und unserer Zeit nahe zu bringen. Der schönste Lohn ward der mit viel Mühe und Liebe getragenen Veranstaltung, die Quellen des wahren Volkstums wieder zu erschließen, dadurch zuteil, daß die Landesbauernschaft Frankfurt die einzelnen Gruppen filmen ließ, um die Leserschaft der Wochenschrift der Landesbauernschaft von dem wackeren Beginnen der Strinzer zu unterrichten.
Schauplatz der Handlung war die unter dem Namen „Die Farb“ weithin bekannte Gastwirtschaft von Friedrich Scherer, und damit war der historische Boden schon gefunden. Das erste Bild zeigte die Spinnstube: Um das am langen Draht hängende Öllämpchen ist jung und alt versammelt. Fleißig drehen sich die Spindeln, Wolle und Flachs zu verarbeiten. Ein Spaßmacher bringt Leben in die Gesellschaft. Alte Volkslieder erklingen. Neuigkeiten werden preisgegeben. Nichts fehlt in der Bauernstube: Zinnteller, geflochtene Körbe, Fidibusse zum Anbrennen der Pfeifen und alte Gemälde.
Das zweite Bild, „Die Farb“, zeigte die viele Generationen hindurch von der Familie Scherer geübte Kunst des Färbens und Buntdruckens. Manche Schöne unserer Dörfer wird ihren „Staat“ hier bezogen haben. Alle Gerätschaften sind noch vorhanden.
Der Gemeinderat tagt. Langsam wird der Federkiel geführt, gleichsam den ruhigeren Lauf dieser Zeiten andeutend. Wenn Bauern handeln, geht es nicht ruhig her. Wer möchte nicht der Schlaueste sein. [...]