Titel Logo
Hünstetter Nachrichten - Mitteilungsblatt für die Gemeinde Hünstetten
Ausgabe 9/2026
Aus dem Gemeindearchiv
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Wie es in Strinz vor 190 Jahren war (Teil 2)

Darstellergruppe: Die Auswanderer

Darstellergruppe: Die Waschfrauen

[...] Was für gruselige Gemüter. Der „Katzof“. Räuberhauptmann seines Zeichens zwischen Hühnerkirch` und Aar. Er lockerte die Gulden und Kreuzer, wo sie zu fest saßen. Bei Waschfrauen geht es wieder kecker her. Des Schusters mattes Kerzenlicht wird durch eine mit Wasser gefüllte Glaskugel verstärkt und ihm so der helle Lichtschein auf die Hände geworfen. Bär und Leiermann erregten damals auch schon Aufsehen in dem Dorf. Besinnlicher stimmte die Gruppe der Auswanderer. Nicht allen bot die Heimat Lebensraum. Mutig ward der Entschluß gefaßt, auszuwandern; doch kam die Scheidestunde, so drückte das Auswanderlied wohl richtig ihr empfinden aus.

Der Höhepunkt der Dorffreuden, die „Kerb“, hatte besondere Bedeutung. Sich entwickelnde Neigungen werden hier von der breiten Oeffentlichkeit „entdeckt“. Das Endresultat ist dann das Brautpaar, von Wehen kommend, wo es die Heiratslizenz erworben. Freudestrahlend trägt der künftige Ehemann den aus Stroh geflochtenen Feuerlöscheimer.

Richtiggehende „Nassauische Soldaten“ hat ein alter Spanienkämpfer angezogen, und das Thema Krieg will auch hier nicht abreißen. Die Postkutsche hat bei der Hühnerkirche Radbruch und der Posthalter geleitet die Gäste ins Pfarrdorf. Die Uniform des Posthalters ist das Original des letzten Posthalters der Hühnerkirche.

Die Handwerker halten etwas auf ihre Zunft, die Sprüche sind noch geläufig. In der Wirtschaft und beim Volkstanz kommt die Geselligkeit zu ihrem Recht.

Ansage sowie die Unterhaltungen bei den einzelnen Gruppen sorgten für leichte und schnelle Erfassung des Gebotenen. Alle Kleidungsstücke und Gebrauchsgegenstände aus längst vergangenen Tagen waren von den Darstellern zusammengetragen.

Für den verhinderten Landrat des Kreises war Kreispresseamtsleiter Krauß anwesend, der auch dem ganzen Dorf die verdiente Anerkennung zollte.

Damit endet der vor 90 Jahren erschienene Zeitungsbericht, der am Dienstag, den 25. Februar 1936, unter der Überschrift „Wie es in Strinz vor 100 Jahren war“, im 38. Jahrgang der Idsteiner Zeitung in der Ausgabe Nr. 47 unter der Rubrik „Aus nah und fern“ publiziert wurde.

Laurin Silas Kaiser