Der Lenkungsausschuss Windenergie hat am 23. Juni 2026 seine Arbeit aufgenommen. Grundlage sind Beschlüsse der Gemeindevertretung aus den Jahren 2022 und 2023. Ein Überblick über den bisherigen Weg und die nächsten Schritte.
Die Gemeindevertretung hat sich am 4. April 2022 grundsätzlich mit der Windenergie befasst. Ausgangspunkt waren die Haushaltssicherungskonzepte 2021 und 2022. Darin ist der Ausbau von Windkraftanlagen als möglicher Beitrag zum Haushaltsausgleich benannt. Im Regionalplan Südhessen, Teilplan Erneuerbare Energien, sind auf Hohensteiner Gemarkung mehrere Vorranggebiete festgelegt. Windkraftanlagen waren zum damaligen Zeitpunkt nur innerhalb dieser Gebiete zulässig. Die Rechtslage außerhalb der Vorranggebiete ist inzwischen in Bewegung.
Die Gemeindevertretung beschloss, ein Interessenbekundungsverfahren für drei Flächen durchzuführen: Steckenroth 923 (Heidenkopf), Hennethal 388 (Allersberg) und Strinz-Margarethä 389 (Eisenstraße). Der Gemeindevorstand wurde mit der Durchführung beauftragt.
Zugleich formulierte die Gemeindevertretung mehrere Prüfaufträge. Sie betrafen den Umfang notwendiger Rodungen je Standort, die Folgen für die Wasserversorgung, die Windgeschwindigkeiten an den einzelnen Standorten, mögliche Auswirkungen auf Immobilienwerte sowie die Erträge der bestehenden Anlagen. Ebenfalls sollen Bürgerwindräder geprüft werden. Der Beschluss fiel mit 21 Stimmen bei einer Enthaltung.
Am 20. März 2023 folgte auf Antrag der SPD-Fraktion ein weiterer Beschluss. Eine externe Kommunalberatung soll die Konzeption, die Ausschreibungsunterlagen und den Zeitplan für einen Teilnahmewettbewerb mit anschließendem Verhandlungsverfahren erarbeiten. Bezugspunkt sind die Flächen 923 (Steckenroth-Heidenkopf) und 389 (Strinz-Margarethä). Die kleinräumige Fläche 388 (Hennethal-Allersberg) wurde zurückgestellt.
Für die Ausschreibung nannte der Beschluss inhaltliche Kriterien: Bürgerbeteiligung und Beteiligung der Kommune, Erfahrung im Anlagenbetrieb, Mindestpacht und Ertragspacht, Anlagentyp und Hersteller sowie ein regionales Energiekonzept. Als Vorbild dient die Umsetzung in Heidenrod. Dort ist die Kommune mit 45 Prozent beteiligt, der Investor und Betreiber ebenfalls mit 45 Prozent, eine Bürgergenossenschaft mit 10 Prozent. Für die Kosten des Verfahrens wurden 50.000 Euro außerplanmäßig bereitgestellt. Der Beschluss fiel mit 15 Stimmen bei 5 Gegenstimmen und einer Enthaltung.
Die inhaltliche Richtung ist damit seit 2023 vorgegeben. Abschließend umgesetzt sind die Beschlüsse bis heute nicht. Es liegen weder Ausschreibungsunterlagen vor noch ist eine Entscheidung über die Vergabekriterien vorbereitet. Auf der Grundlage der getroffenen Beschlüsse wird das Verfahren weitergeführt.
Am 18. Mai 2026 hat die Gemeindevertretung den Lenkungsausschuss Windenergie eingesetzt. Er begleitet und steuert den gesamten Prozess von der inhaltlichen Konzeption bis zur Vergabeentscheidung. Dazu gehören die Erarbeitung der Vorgaben und Bewertungskriterien für die Ausschreibung, die Prüfung und Freigabe der Unterlagen vor der Veröffentlichung, die Bewertung der eingehenden Angebote und am Ende eine Beschlussempfehlung an die Gemeindevertretung. Mitglieder sind Vertreterinnen und Vertreter der Fraktionen sowie sachkundige Einwohnerinnen und Einwohner.
Die konstituierende Sitzung fand am 23. Juni 2026 im Rathaus statt. Behandelt wurden die Aufgaben des Gremiums, der Sachstand zu den Flächen und die Unterstützungsangebote der LandesEnergieAgentur Hessen.
Vor der ersten Sitzung hat die Gemeinde acht Fragenkomplexe an das Regierungspräsidium Darmstadt gerichtet. Die Antwort wurde aus sechs Fachdezernaten zusammengeführt und in der Sitzung vorgestellt.
Planungsrechtlich und genehmigungsrechtlich steht den beiden Flächen danach nichts grundsätzlich entgegen. Die möglichen Auflagen zu Wald, Wasser und Artenschutz sind im weiteren Verfahren zu berücksichtigen.
Die nächste Sitzung des Lenkungsausschusses ist für den 18. August 2026 vorgesehen. Auf der Tagesordnung stehen die Beauftragung der Kommunalberatung zur Begleitung des Verfahrens und die Frage, wie die LandesEnergieAgentur Hessen die Gemeinde unterstützen kann.
Die LandesEnergieAgentur Hessen hat in der ersten Sitzung ihr Programm Bürgerforum Energiewende Hessen vorgestellt. Es unterstützt Kommunen bei der Information der Bürgerinnen und Bürger und bei der Gestaltung des Dialogs. In Eltville und Freigericht wurde dieses Angebot bereits genutzt. Öffentliche Veranstaltungen in Hohenstein sind vorgesehen, sobald belastbare Aussagen zu den Rahmenbedingungen möglich sind.
Die Sitzungen des Lenkungsausschusses sind öffentlich. Über den weiteren Verlauf wird auch an dieser Stelle berichtet.
Die Windenergie berührt Fragen, die sich nicht in einem Satz beantworten lassen. Der Lenkungsausschuss arbeitet sie der Reihe nach ab. Sie können Fragen oder Hinweise an lenkungsausschuss@hohenstein-hessen.de senden.