Die Autorin Alena Schröder, geboren 1970, arbeitet als freie Autorin in Berlin, ihre Romane „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ und „Bei euch ist es immer so unheimlich still“standen wochenlang auf der Spiegel- Bestsellerliste und wurden in mehreren Sprachen übersetzt.
Nun ist ihr dritter Band einer Familiengeschichte, die die Autorin mit diesem Buch zum Abschluss bringt, erschienen. Wie auch in den Vorgängerbänden schreibt Alena Schröder auf zwei Zeitsträngen, in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Kurz nach dem Krieg entkommt die 15-jährige Marlen dem Todesstrudel von Demmin. In einem alten Forsthaus bei Güstrow lernt sie Wilma kennen, die sie rettet und unter ihre Fittiche nimmt, denn Marlens Mutter hat sich aus Angst vor den Russen das Leben genommen und ihren Bruder und auch Marlen mit in den Tod reißen wollen, Marlen konnte sich retten, ihr Bruder starb. Zusammen mit der Haushälterin Bergel leben die Drei abgeschieden in einem Haus bei Güstrow. Wilmas Mann, ein bekannter Maler, ist verschollen, Wilma glaubt ihn tot, worüber sie nicht traurig ist, denn die Ehe war von Gewalt und Unterdrückung geprägt. Wilma ist selbst Malerin, hatte neben ihrem Mann nie eine Chance.
„Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ ist ein beeindruckender Roman, der lange nachhallt. Über verschiedene Zeitebenen entfaltet sich eine fesselnde Geschichte, die von der ersten Seite an packt und emotional nicht mehr loslässt. Besonders hervorzuheben sind die tollen, fein gezeichneten Charaktere. Sie wirken lebendig, vielschichtig und authentisch, mit all ihren Brüchen, Geheimnissen und inneren Konflikten. Die Beziehungen zwischen den Figuren sind berührend und glaubwürdig, ihre Entwicklungen nachvollziehbar und tiefgehend. Die Verbindungen der Zeitebenen ist meisterhaft gelungen. Eine unscheinbar wirkende Leinwand zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman, schafft Spannung und verknüpft Vergangenheit und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise. Man möchte unbedingt weiterlesen, um die Zusammenhänge zu verstehen und den Geheimnissen auf den Grund zu gehen. Mit einer einfühlsamen, warmen Sprache stellt Alena Schröder große Fragen nach Familie, Verantwortung, Erinnerung und dem Erbe, das Generationen miteinander verbindet. Eine emotionale, kluge und mitreißende Mutter- Tochter- Frauen- und Familien- Geschichte mit starken Figuren und einer Handlung, die fesselt und lange im Gedächtnis bleibt.