Jüdischer Friedhof
Jüdischer Friedhof 1997
Mehr als 2.000 Freiwillige – Juden und Nicht-Juden - sind jedes Jahr am jüdischen sozialen Aktionstag für gute Taten („Mitzvah Day“) in Deutschland aktiv, um sich für ihre Mitmenschen einzusetzen. Weltweit spenden etwa 40.000 Menschen ihre Zeit, um unsere Welt ein Stück weit besser zu machen. Sie bringen Hilfe und Freude dorthin, wo sie nötig sind. An diesem Tag geht es ausdrücklich nicht um Geld, sondern darum, in der Gemeinschaft zu erleben, dass jeder – wirklich jeder – unsere Welt ein kleines Stück besser machen kann und wie einfach das sein kann. Das können Besuche bei Kranken und Senioren, Projekte mit Geflüchteten, das Sammeln von Lebensmitteln für Obdachlose, das Pflanzen von Bäumen oder Ähnliches sein.
Am 23. November 2025 begingen 21 Tangermünder Freiwillige gemeinsam den Mitzvah Day bei einem Arbeitseinsatz auf dem jüdischen Friedhof. Igor Pisseski vom Vorstand des Landesverbandes jüdischer Gemeinden in Sachsen-Anhalt bat darum, Baumschnitt- und Aufräumarbeiten auf dem jüdischen Friedhof durchzuführen. Er ist dafür verantwortlich, dass die 60 überwiegend verwaisten jüdischen Friedhöfe in Sachsen-Anhalt gepflegt werden. Er war zuvor extra nach Tangermünde gereist, um mit Petra Hoffmann nicht nur die notwendigen Arbeiten zu besprechen, sondern ihr auch Mützen, T-Shirts und Arbeitshandschuhe für die Teilnehmer zu übergeben.
Der Tangermünder jüdische Friedhof ist seit 1941 geschlossen und verwaist. Die letzte Bestattung auf ihm war die von Paul Bernhard im Januar 1941. (An ihn erinnert ein Stolperstein vor dem Haus Lange Straße 20.) Ein Zeitungsfoto aus dem Jahre 1939 zeigt ihn noch in einem gepflegten Zustand. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadtverwaltung von Tangermünde von der sowjetischen Militär-Administration dazu verpflichtet, den jüdischen Friedhof zu pflegen. Welche Regeln und Bräuche dabei einzuhalten sind, schien damals niemand zu wissen. Alte Fotos, die vermutlich in den 1960er Jahren aufgenommen wurden, zeigen den Friedhof über und über mit Blumen bepflanzt. In den folgenden Jahrzehnten erfolgten keine Pflegearbeiten mehr. Der Friedhof verwilderte zunehmend, diente Kindern als Abenteuerspielplatz und sogar die Wasserleitungen für die Molkerei wurden quer hindurch verlegt.
Erst nach der Schändung des jüdischen Friedhofs im Sommer 1997 setzte ein Umdenken ein und es begannen die ersten Aufräumarbeiten durch ein Bataillon der Bundeswehr aus Havelberg. Grabsteine wurden aufgerichtet, einige mussten zusammengefügt werden und auch etliche wild gewachsene Bäume wurden gefällt.
Jedoch eine riesige Eibe und eine zu einem kleinen Wäldchen herangewachsene Eiben-Hecke breiteten ihre ausladenden Äste weiterhin aus, die inzwischen die Oberfläche von einigen Grabsteine massiv beschädigt hatten. Vor allem sie sollten beim Arbeitseinsatz beseitigt werden. In Windeseile wurden alle störenden Äste entfernt und zu einem riesigen Haufen zusammengetragen. Auch Müll, der immer mal wieder über die Friedhofsmauer geworfen wird, wurde von den Stadtführerkindern aufgesammelt.
Viele Hände – schnelles Ende! Innerhalb kürzester Zeit war die Arbeit erledigt und der Friedhof erscheint nun wesentlich gepflegter. Alle Teilnehmer des Arbeitseinsatzes waren sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Jeder von ihnen - ob alt oder jung - ging mit dem guten Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, nach Hause.
Text/Fotos: Petra Hoffmann