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Tangermünde
Ausgabe 5/2026
Vereine und Verbände
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Vereine und Verbände

Westphals Ruhestätte

Trafohaus

Bauarbeiten Grete-Minde-Straße 2018

Erläuterungen der Jungen Stadtführer

Findling

Führung der Jungen Tangermünder Stadtführer zur Geschichte des Alten Friedhofs am 25.04.2026

(Ein Bericht der Jungen Tangermünder Stadtführer)

Diese Frage wird häufiger in Tangermünde gestellt. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass die heutige Parkanlage als Begräbnisstätte für zahlreiche Tangermünder diente – und das über Jahrhunderte! Schriftliche Nachrichten über die Anfänge des Friedhofs gibt es nur sehr wenige. Jedoch belegt eine Rechnung des Tangermünder Ziegelmeisters Urban Steffen, dass im Jahre 1689 eine Friedhofsmauer errichtet wurde. Die Anfänge des Friedhofs lagen im Bereich der Grete-Minde-Straße zwischen der Stadtmauer bis zum Schäferturm und dem Grete-Minde-Haus. Nach und nach wurde er entlang der Lindenstraße erweitert, bis er an der Notpforte seine endgültige Größe erreichte. Die Gräber lagen dicht an dicht. Nur die aufwendig gestalteten Erbbegräbnisse durchbrachen die Enge. Vom Friedhof erhalten sind sehr wenige Relikte. Die Ruhestätte der Familie Westphal, die inzwischen als Treppenhaus zum Schulhof der Comeniusschule genutzt wird, ist noch am auffälligsten. Das Familiengrab der Zuckermeyers wird inzwischen wieder gepflegt. Auch daran, dass der Bogen in der Stadtmauer zum Schulhof der Comeniusschule einst zu einer Grabkammer gehörte, erinnern sich noch einige Tangermünder.

 

Um mehr über die Geschichte des Alten Friedhofs zu erfahren, nutzten zahlreiche Gäste am 25.04.2026 die Gelegenheit, sich von den Jungen Stadtführern im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung „Was bleibt.“ über den Alten Friedhof führen zu lassen. Die jungen Historiker hatten sich über viele Wochen darauf intensiv vorbereitet und gemeinsam ein Heft zur Führung entwickelt.

Sie begann am Tastmodell vor der Stephanskirche, an dem die verschiedenen vergessenen Begräbnisstätten unserer Stadt gezeigt wurden. Die Führung über den Alten Friedhof verlief über zwölf Stationen. Eine davon war die Trafo-Station, an der vor einigen Jahren versucht wurde, das Aussehen des Alten Friedhofs als Begräbnisstätte darzustellen.

 

Mit der Eröffnung des neuen Friedhofs an der Stendaler Straße im Jahre 1881 nahm die Anzahl der Bestattungen auf dem Alten Friedhof ab. Im Jahre 1914 wurden zunächst die Gräber von der Notpforte bis zur Schäferstraße beräumt und dieser Abschnitt vom Verschönerungsverein zu einer Promenade umgestaltet. Der älteste Teil des Friedhofs war jedoch noch bis 1937 in Benutzung. Der Bau der Grete-Minde-Straße quer über die Grabfelder im Jahre 1936 fand deshalb nicht bei allen Tangermündern Zustimmung. Jedoch wurden damals keine Rohrleitungen tief unter der Straße verlegt. Die Gäste der Führung erfuhren, dass damals zahlreiche Verstorbene würdevoll umgebettet wurden, insbesondere die 13 französischen Soldaten aus dem Krieg von 1870/71. Bei den Bau- und Sanierungsarbeiten entlang der Grete-Minde-Straße im Jahre 2018 wurde den auf diesem Abschnitt Bestatteten weniger Beachtung geschenkt.

 

An einer weiteren Station erfuhren die Gäste etwas über das Kriegerdenkmal, das im Jahre 1933 vom Marktplatz auf den Alten Friedhof umziehen musste und dort noch bis 1945 stand.

 

Das, was die Gäste auf der Führung erfuhren, wurde anhand zahlreicher historischer Fotos dokumentiert. So konnten sie sehen, dass die Lindenstraße einst tatsächlich ihren Namen verdiente. Ein Foto, das Heinz Bernhard um 1936 aufnahm, belegt, dass sie früher durchgehend von Linden gesäumt war. Die Jungen Stadtführer konnten auch Fotos aus dem Jahre 1937 vom „Kahlschlag“ mit den vielen gefällten Linden zeigen, was die meisten Gäste schockierte.

Auch in der DDR-Zeit ging man nicht zimperlich mit der historischen Anlage um. Viele Gäste der Führung erinnerten sich noch lebhaft an die Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus, die auf dem hinteren Abschnitt des ehemaligen Friedhofs errichtet wurde.

 

Den Abschluss der Führung bildete der Findling und dessen bewegte Geschichte. Bis er im Jahre 1934 beim Bau eines Kellers in der Notpforte/Ecke Mauerstraße gefunden wurde, lag der 60-Tonnen-Riese sicher seit der letzten Eiszeit in der Erde. Nachdem er entdeckt wurde, brachte man ihn als Naturdenkmal auf den Alten Friedhof. Beim Bau der Gedenkstätte erhielt er Verwendung als Denkmal für den Arbeiterführer Ernst Thälmann. Als nach der Wende die Gedenkstätte entfernt und die Parkanlage wieder hergerichtet wurde, musste der Findling in seinem Beton-Korsett senkrecht stehenbleiben.

Während der einstündigen Führung zeigten alle Gäste großes Interesse und drückten den Jungen Stadtführern am Ende ihre Anerkennung aus. Es ist schön, dass sich junge Leute für die Geschichte ihrer Stadt mit all ihren Facetten interessieren und ihr Wissen auch gern an andere weitergeben.