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Tangermünde
Ausgabe 6/2026
Geschichtliches
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Geschichtliches

Klosterkeller

(nach einem Bericht im Tangermünder Anzeiger von 1936)

Tangermünde besitzt eine Vielzahl meisterhaft gebauter Keller unter den alten Bürgerhäusern. Aber keiner kann sich mit dem unterirdischen Gewölbe auf dem Klosterberg vergleichen. Der schönste mittelalterliche Keller von Tangermünde liegt direkt unter dem Klausurgebäude des ehemaligen Dominikanerklosters. Auch der Keller des historischen Rathauses kann einem Vergleich mit dem Klosterkeller nicht standhalten. Dort ist lediglich ein rotes Tonnengewölbe nachträglich in den unteren Saal - der einstigen Markthalle - eingezogen worden, als sich der Boden um das Rathaus herum durch Aufschüttung immer mehr hob. Beim Dominikanerkloster sind der Keller und der darüberliegende gewölbte Raum aus einem Guss gestaltet. Im Klosterkeller trägt ein Mittelpfeiler von 74 cm Durchmesser ein meisterhaftes Kreuzrippengewölbe, das an das Gewölbe des Festsaals des historischen Rathauses erinnert.

Heute bildet eine steile, 90 cm schmale Wendeltreppe den einzigen Zugang zum Klosterkeller. Wahrscheinlich gab es früher noch eine weitere, wesentlich bequemere Treppe, die unmittelbar ins Freie führte. Von dort konnten die Zinspflichtigen ihre Abgaben wie Gemüse, Wachs oder Fische direkt in den Klosterkeller tragen, ohne die anderen Räume des Klosters zu betreten.

Wozu brauchten die Dominikanermönche so stattliche Kellerräume? Der Bettelorden war eigentlich zur Armut verpflichtet. Die knapp einhundert Jahre (1438–1540), in denen das Tangermünder Dominikanerkloster existierte, reichten vermutlich nicht aus, um große Reichtümer anzuhäufen. Die Tangermünder Mönche hatten durch ihre christliche Arbeit und uneigennützige Hilfsleistungen viele dankbare Spender unter der Bevölkerung. Um die frommen Brüder vor Not zu schützen, bedachte man sie mit Naturalien oder Geld. Wohlhabende Leute statteten sie mit Grundstücken oder anderen Stiftungen aus. Außerdem verfügten die Mönche über regelmäßige Einkünfte aus ihren Ländereien und das Recht auf freien Fischfang. Dadurch gelangten sie nach und nach zu einem bescheidenen Besitz an weltlichen Gütern. So ist es zu erklären, dass die Mönche geräumige, kühle Lagerräume benötigten.

Im Jahre 1610 – also etliche Jahrzehnte nachdem das Kloster aufgelöst worden war – wurde in dessen Räumlichkeiten eine Brauerei erwähnt. Möglicherweise bestand sie bereits zur Zeit der Mönche.

Als später die Kartoffel ihren Einzug in Deutschland hielt, benutzten die Pächter des Klosters und auch die späteren Besitzer das unterirdische Gemäuer als kühlen Lagerraum für diese Feldfrüchte. Das vergilbte Foto aus dem Tangermünder Anzeiger vom Frühjahr 1936 beweist, dass der Klosterkeller selbst zu dieser Zeit noch als idealer Lagerraum für Kartoffeln genutzt wurde.