In Wittenwater pflegt man in der Adventszeit einen Ortsweihnachtsbaum zu setzen und sich dann dort sonntäglich zu treffen, um Weihnachtslieder zu Gehör zu bringen (oder auch nicht), zumindest aber einen Klönschnack bei Würstchen, Keksen und Getränken zu halten. Stadorf geht da pragmatischer vor: Man trifft sich nur einmal in der Vorweihnachtszeit unter keinem Tannenbaum, dafür aber im dorfeigenen, beheizten Pavillon, verspeist dort eine nach oben nicht begrenzte Anzahl Würstchen nebst Pommes (in die Tasche stecken und mit nach Haus nehmen ist nicht gestattet!) und erleichtert deren Transport durch den Schlund mittels einer adäquaten Speiseröhrenschmiere aus Punsch, Weingrog, Bier oder Kräuterbitter sowie auch diversen alkoholfreien Getränken.
Da das Bezahlen immer ein aufwändiger Prozess ist und vor allem Zeit kostet, weil die meisten Besucher statt passender Münze mit unnötig großen Scheinen wedeln, hat man sich für ein anderes Verfahren entschieden und ein Sparschwein hingestellt. Jeder Teilnehmer kann dort seinen von ihm vorgesehenen Verzehr mittels eines Scheines oder Hartgeld einmal oder im Bedarfsfall auch diverse Male begleichen. Da die Gefahr bestehen könnte, dass das Sparschwein im Verlaufe des Abends übersättigt ist und weitere „Nahrungsaufnahme“ verweigert, hat man eine besonders fette Sau ausgewählt. Und was da einmal drin ist, kommt zumindest an diesem Abend auch nicht wieder raus.
Laut Auskunft des bewährten Organisations- und zugleich Thekentrios, bestehend aus Sven Kaminski (Punsch, Grog, Kräuterbitter), Jürgen Klippe (Würstchen, Würstchen, Würstchen) sowie Christian Bade (Fritten, Bier und Alkoholfreies) hat sich dieses Verfahren bereits bewährt und ist auch kein Zuschussgeschäft. Ein Gewinn ist ohnehin nicht eingeplant, und so geht die Hitze im Regelfall auch mit dem Rauch auf. Die Drei verdienen aber einen kräftigen Applaus aller Stadorfer, sorgen sie doch dafür, dass hier wenigstens noch etwas Geselligkeit in die Gänge kommt!
Da die Witterung um den ersten Advent herum mit wärmeren Temperaturen doch gern knausert, befinden sich Heizpilz und Wärmestrahler im Pavillon. Außen davor, unweit des Eingangs, steht für Frischluftfanatiker auch noch ein Feuerkorb. Folglich ist jeder selbst schuld, der eine kalte Nase spazieren führt. Da sich herumgesprochen hat, dass im Pavillon annehmbare Temperaturen vorherrschen und auch Tisch und Stuhl in ausreichender Menge vorhanden sind, war die Veranstaltung sehr gut besucht. Mit fortschreitender Uhrzeit wurde aber auch der Geräuschpegel zusehends lauter. Gesänge waren allerdings nicht darunter.
Ein „Stille Nacht“ hätte auch schwerlich in das Meer unterschiedlichster und zumeist phonstarker Lautäußerungen gepasst. Vielleicht hat „Mann“ ja aber auf dem Heimweg zu später Stunde glühweinselig so inhaltsschwere und bedeutungsschwangere Lieder wie „Muh muh, so meckert die Kuh von Barcelona“ oder „Meine Biber haben Fieber, diese Armen…“ intoniert, wie sie früher gern in lockerer Runde der andächtig lauschenden Nachbarschaft präsentiert wurden.
Text: Walter Rieckmann