Die Weihnachtsbaum-Aktivitas von Wittenwater.
„Alle Jahre wieder“ errichten die Einwohner von Wittenwater in ihrem Ort einen Weihnachtsbaum. Im Gegensatz zu den Berlinern, die ihren Baum ja jedes Jahr aus dem weit entfernten Harz anliefern lassen, weil sie selbst offenbar keinen brauchbaren haben, besorgen sich die Wittenwaterer den Ihrigen aber aus den hiesigen Gefilden. Der ist dann zwar nicht so bombastisch, wie der Berliner (der ja eigentlich ein Harzer ist), aber Wittenwater ist nun mal auch nicht ganz so groß, wie das Häusersammelsurium an der Spree.
Am 23. November war es wieder mal so weit. Eine große Schar hilfsbereiter Wittenwaterer aller Altersklassen stand bereit, den aus einem Wald in der Nähe requirierten Nadelbaum wieder aus der Waagerechten in die Senkrechte zu transformieren und ihm mittels allerlei bunter Kugel wie auch einer Lichterkette ein weihnachtliches Aussehen zu verleihen. Trotz zeitweise durchaus sonnigen Wetters waren die Temperaturen zwar nicht unbedingt angenehm, doch war man auch darauf bestens vorbereitet: Eine Sechser-Batterie Kannen verschiedener Heißgetränke mit und ohne Prozente stand zur freien Auswahl (und Selbstbedienung) zur Verfügung, um zumindest für innere Erwärmung zu sorgen. Gegen kalte Hände half das natürlich wenig, aber da auch allerlei Naschzeug auf der Theke stand, gerieten klamme Finger plötzlich locker in Vergessenheit.
Nachmittags um 14 Uhr begann die ganze Aktion, um 15.30 Uhr war alles in Butter. Wer allerdings erwartet hat, dass nun ein mehr oder minder vielstimmiger Spontan-Gesangsverein ein Einweihungsritual mit „Oh Tannenbaum“ starten würde, der sah sich enttäuscht. Angesichts der kühlen Temperaturen wollte man die Stimmbänder auch nicht unnötig reizen. Ohnehin sind die in unserem Gebiet in den Gemeinden errichteten Weihnachtsbäume in der Regel keine Tannen, sondern Fichten. (Beispielsweise wachsen Nordmanntannen entsprechender Größe hier keineswegs umsonst, und Edeltannen sind ebenfalls nicht gerade häufig).
Also kann man auch nicht vorurteilsfrei „Oh Tannenbaum“ singen, und Blätter hat er ja (vom botanischen Standpunkt einmal abgesehen) auch nicht, sondern Nadeln. Man müsste konsequenter Weise „Oh Fichtenbaum, oh Fichtenbaum, wie grün sind deine Nadeln“ singen. Mal was Anderes, klingt aber wohl ein wenig befremdlich. In Wittenwater betrachtet man daher den Weihnachtsbaum weniger als Veranstaltungssammelpunkt für adventliche Gesänge, sondern vielmehr als vorweihnachtlichen Bürgertreff mit Würstchen, Gebäck und Getränken unterschiedlicher Art zwecks adventssonntäglicher Kontaktpflege. Und das hat bisher in diesem Schwienauer Ortsteil immer bestens funktioniert!
Text: Walter Rieckmann