Mohn übt auf Frauke Thein eine magische Anziehungskraft aus.
Die Federn sind gezeichnet, jedoch fließt eine malerische Note mit ein.
Kennen Sie das freudige Gefühl, Sie sind in der Natur unterwegs und auf ihrem Weg liegt plötzlich eine wunderschöne Feder? Wenn Sie dieses unerwartete Geschenk dann behutsam mitnehmen, um es zuhause vielleicht in einem edlen Kästchen aufzubewahren oder ein dekoratives Plätzchen dafür zu suchen? Für die Künstlerin Frauke Thein bedeuten solche Momente jedenfalls kleine Glücksmomente. Sie ist immer wieder aufs Neue von der zarten Luftigkeit von Federn, ihrer Vielfalt in Form und Farbe, sowie der Einzigartigkeit jedes Exemplars fasziniert. Sie kann gut nachempfinden, dass die Feder als ewiges Symbol für Leichtigkeit und Freiheit gesehen wird, oft verbunden auch mit dem uralten Menschheitstraum vom Fliegen.
War in den Bildern von Thein, das Motiv der Feder schon manchmal zu finden, ist die intensive und insbesondere zeichnerische Auseinandersetzung ungewöhnlich, wie sie in der aktuellen Ausstellung zu entdecken ist. Doch durch das Zeichnen mit sehr weichen Farbstiften, haben die Bilder oft einen pastellkreideartigen Charakter entwickelt und damit fließt auch wieder eine malerische Note mit ein. Die acht gezeigten Federbilder sind in gedeckten Naturtönen gehalten und auf grauem, nicht weißem Untergrund gefertigt.
Damit spiegelt sich in der Farbgestaltung, die, zumeist tarnende, Funktion des Federkleides in der Natur wider. Die feine Ausarbeitung der Motive entspringt dabei, wie die Künstlerin es beschreibt, einem meditativen Wahrnehmungsprozess. Sich zeichnend in die Ausstrahlung der Feder einfühlen, vertiefen. Darin zeigt sich wieder Theins bezeichnende, verinnerlichte Arbeitsweise. Bei genauer Betrachtung der Federzeichnungen, lassen sich auch kleine, belebende Farbakzente entdecken. Darin lässt die Künstlerin die Energiefarbe anklingen, die sie, nach ihrem Empfinden, der jeweiligen Feder zuordnet. Malen bedeutet für Frauke Thein, vielen bekannt durch den hiesigen InspirationsWeg, immer „Energierarbeit“.
Doch nicht zu übersehen, im Kontrast zu den zurückhaltenden Federzeichnungen im vorderen Bereich der Ausstellung, leuchten dem Besucher von der hinteren Empore acht weitere Bilder, in diesem Fall Fotos entgegen. Mit diesen Werken präsentiert sich die Künstlerin erstmals öffentlich mit fotografischen Arbeiten. Es sind Aufnahmen von Mohn in reizvoll unterschiedlicher Stimmung, von der Knospe bis zur
vollen Blüte. Kaum einer kann sich der Kraft eines blühenden Mohnes entziehen. Doch bei aller Farbintensität und dem dominierenden Kontrast von Rot und Grün in den Fotoaufnahmen gibt es etwas Verbindendes zwischen den sehr unterschiedlichen Ausstellungsmotiven von Mohn und Feder. Es ist die Energie des Windes, die lebendige luftige Leichtigkeit mit ihrer meist lichten Transparenz. Und die stille Schönheit, wie Frauke Thein die magische Anziehungskraft auch beschreibt.
Ausstellung: Mai bis Ende Juli, geöffnet Freitag, Samstag, Sonntag und an Feiertagen, jeweils von 14 bis 18 Uhr - jeden letzten Sonntag im Monat wird die Künstlerin zugegen sein.
Information des Arboretums Melzingen