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Das Alte Amt
Ausgabe 3/2026
Gemeinde Schwienau
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Gemeinde Schwienau

Die Besucher hielten respektvollen Abstand. Man war ja schließlich kein Grillwürstchen!

Der Begriff „feurig“ ist vielschichtig! Man kennt beispielsweise feurige Rösser, feurige Getränke, feurige Speisen und feurige Mädchen, die es übrigens früher nicht nur in Spanien, sondern auch in der Gemeinde Schwienau gab. (Über den derzeitigen Stand ist der inzwischen doch ziemlich betagte Verfasser dieser Zeilen nicht mehr auf dem Laufenden!) Abgesehen von der obigen Auflistung hat das „Feurige in Wittenwater“ einen mehr traditionellen Hintergrund: Es bezieht sich auf das alljährliche dortige Osterfeuer. Vor vielen Jahrzehnten wurde es von der Landjugend in Linden wieder ins Leben gerufen und fortan gab es dort jedes Jahr am Tag vor Ostern ein mächtiges Brimborium mit Fackelzug, riesigem Stapel aus Gestrüpp und Waldabraum, Bürgermeisteransprache, sodann weithin sichtbarem Osterfeuer und abschließend „Ringelpietz mit Anfassen“ in Schröders Gasthaus.

So war es einmal, so ist es heute leider nicht mehr, denn wozu hat man schließlich eine Verwaltung. Irgendein gelangweilter Verwaltungsmensch erkannte hier nach etlichen Jahren doch endlich eine Regelungslücke, die es flugs mit Vorschriften zu füllen galt. Man erspare mir, hierauf näher einzugehen.

Inzwischen gibt es Osterfeuer in den meisten Ortshaften des Kreises Uelzen und in Schwienau in jedem Ortsteil. Linden und Stadorf gehen dabei den Weg des geringsten Widerstandes und halten ihre Feuer in überschaubarer Größe. Imposanter sind hingegen diejenigen in Melzingen und – last not least - in Wittenwater. Dort hatte man in diesem Jahr wieder einen beachtlichen Stapel aufgeschichtet, und da nicht nur grünes, sondern auch viel trockenes Holz Verwendung fand, entwickelte sich nach kurzer Anlaufzeit ein prächtiges Osterfeuer. Wie in jedem Jahr hatte sich auch 2026 der größte Teil der „Eingesessenen zu Wittenwater“ dort eingefunden, um das Osterfest gebührend zu begrüßen.

Das findet ja alljährlich bekannter Weise am ersten Vollmond nach Frühlingsanfang (21.3.) statt und somit von Jahr zu Jahr an einem anderen Datum. Hinsichtlich präziserer Terminierung lässt uns die hierfür eigentlich zuständige Bibel, ansonsten nicht gerade sparsam mit Weisungen, hier doch ziemlich im Stich. Definitiv wurde der Auferstehungstermin nur auf den dritten Tag nach Karfreitag festgelegt. Wann aber Karfreitag war, ist keineswegs eindeutig gesichert.

Die Juden hatten damals eine ziemlich unübersichtliche Zeitrechnung und der römische Kalender lässt sich mit dem jüdischen auch nur schwer in Einklang bringen. Die Forschung tendiert momentan mehrheitlich dahin, Karfreitag auf den 3. April 33 zu legen, was den Ostertermin auf den 6. April fixieren würde. Als die Osterfeierlichkeiten aber vor Jahrhunderten begannen, hatte man in terminlicher Hinsicht wohl überhaupt keine halbwegs greifbaren Vorstellungen. Man behalf sich mit dem jüdischen Passah-Termin 14. Nisan (Konzil zu Nikaia 325). Das ist ein Zeitpunkt nach dem Mondkalender, der vom Hohen Jüdischen Rat (Sanhedrin) alljährlich festgelegt wurde.

Der Nisan beginnt mit dem ersten Sichtbarwerden der Mondsichel nach der Frühjahrs Tag- und Nachtgleiche in Jerusalem und der 14. folgt zwei Wochen darauf. Und das ist nun mal in jedem Jahr ein anderes Datum. Der gute alte ach so stille Mond schert sich nun einmal einen feuchten Kehricht um unseren Gregorianischen Kalender und dreht lieber seine eigenen Runden. Hinzu kommt, dass die Orthodoxe Kirche ebenfalls ihren speziellen Kalender hat, mit der Folge von jährlich zwei Osterterminen auf Erden. Damit wird das Durcheinander dann endlich komplett.

Das Osterfeuer, um das es hier ja eigentlich geht, war wohl ursprünglich mal heidnischen Ursprungs. Die altgermanischen Recken, die ja bekannter Maßen zu beiden Ufern des Rheins auf Bärenhäuten lagen und immer noch eins tranken, wollten – so die gängige Version – um die Zeit der Tag- und Nachtgleiche mittels Feuer das Frühjahr begrüßen und die bösen Wintergeister vertreiben.

Nun, böse Geister gibt es nicht in Wittenwater und somit dient das dortige Feuer in erster Linie der Kontaktpflege und der Unterhaltung. Es gibt zu futtern, um sich eine gewisse Grundlage zu verschaffen, sowie „geistreiche“ oder alkoholfreie Getränke aller Art („geistlose“ sind nicht dabei!) und inzwischen sogar einige prozentträchtige Flaschen, die nicht schon das „zehnjährige Teilnahmejubiläum“ (mangels Nachfrage!) feiern. Man musste sich heuer auch keinesfalls innerlich erwärmen, da der Holzstoß mehr als ausreichende Hitze verbreitete. Wann die letzten Besucher das Osterfeuer verließen, bleibt allerdings ihr Geheimnis. Der Verfasser dieser Zeilen warf vorher das Handtuch. Wie bereits eingangs erwähnt, ist er ja nicht mehr der Jüngste…

Text: W. Rieckmann