Das vergangene Wochenende stand für die Feuerwehren der Samtgemeinde Brome ganz im Zeichen der Heißausbildung für insgesamt mehr als vierzig Atemschutzgeräteträger. Auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr Rühen hatte die Firma Firexperts aus Wuppertal im Auftrag der Samtgemeinde Brome für zwei Tage eine mobile Festbrennstoff-Brandübungsanlage aufgestellt. Während der beiden Tagesseminare als Fortbildung für aktive Geräteträger frischten insgesamt vier Brandexperten das Wissen der freiwilligen Einsatzkräfte auf.
Los ging es am Vormittag jeweils mit einem Theorieteil, bevor das schnelle, aber sorgsame Anlegen der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) sowie von Lungenautomaten und Druckluftflaschen geübt wurde. Nachdem die hochtemperaturbeständige Schutzausrüstung angelegt und die Atemluftversorgung hergestellt war, gingen die Gruppen unter Anleitung und Aufsicht der Brandexperten in den bereits vorbereiteten Brandübungscontainer. In diesem Spezialaufbau, welcher größtenteils aus dickem Schiffsstahl besteht, ist eine zimmergroße Brandkammer nebst Metalltür installiert. Diese wird im Übungsverlauf zunächst mit einem Entstehungsbrand angefeuert. Dazu wird unbehandeltes Holz angezündet, die Rauchgasentwicklung beobachtet und die jeweiligen Brandtemperaturen mit Wärmebildkameras gemessen. Im Gegensatz zu einer gasbetriebenen Übungsanlage können somit Rauchgase erzeugt werden, wie diese auch bei realen Brandereignissen vorkommen, berichtet Organisator und Gemeinde-Atemschutzbeauftragter Nils Jungermann aus Rühen.
Aus dem Rauch eines Brandes lässt sich bereits eine Menge über die Gefahr eines Feuers herauslesen, ergänzt der erfahrene Einsatzleiter. Insbesondere die Farbe des Rauches und seine Austrittsgeschwindigkeit können wichtigen Aufschluss über die Dynamik eines Brandes geben. Früher ließen sich Brände in alten Gebäuden durch austretende Rauchgase teilweise bereits von außen besser "lesen", zeigten die Brandexperten von Firexperts auf. Heutzutage sind moderne Passivhäuser teilweise so stark isoliert, dass ein Zimmerbrand im Inneren erst bei genauer Außenerkundung erkennbar wird. "Wenn dann die Feuerwehr nicht optimal vorbereitet in ein solches Gebäude vorgeht, kann durch einströmenden Sauerstoff eines der verheerendsten Brandphänomene eintreten, die sogenannte Rauchgasdurchzündung", ergänzt Feuerwehr Pressesprecher Michael Gose. Heiße Rauchgase von mehr als 500 Grad Celsius können sich dann zumeist in der oberen Hälfte des Raumes entzünden und führen in Sekunden zu einer massiven Flammenzunge. Diese erfasst auch Einrichtungsgegenstände, die bisher gar nicht vom Feuer betroffen sind und kann diese sofort in Brand setzen. Um diese Situation gar nicht erst eintreten zu lassen, übten alle Atemschutzgeräteträger jeweils truppweise verschiedene Löschtechniken, um Entstehungs- und auch Vollbrände in Räumen effizient möglichst gefahrlos herunterzukühlen und final abzulöschen. Für die Einsatzkräfte, die neben dem Vertiefen der richtigen Löschtechnik auch der Umgang mit der Wärmebildkamera, sowie das „Lesen" von Rauchgasen im Vordergrund stand, wurde es im zweiten Heißdurchlauf besonders kräftezehrend.
Unter Aufsicht und nach intensiver Einweisung wurden Rauchgasdurchzündungen der gesamten Übungsanlage simuliert. Dabei schossen Flammen zeitweise durch den gesamten Container und meterhoch durch die geöffneten Einstiegstore; die Luft rund um die Übungsanlage flimmerte vor Hitze. Dies lockte am gesamten Wochenende auch zahlreiche Rühener an, die im sicheren Abstand von den Brandexperten über das Geschehen innerhalb der Übungsanlage informiert wurden. Im Anschluss an die Heißübungen wurde zudem das ordnungsgemäße Auskleiden der kontaminierten Schutzkleidung geübt. Alle persönlichen Schutzausrüstungen werden in den kommenden Tagen von einer Fachfirma gewaschen und für den nächsten Einsatz aufbereitet. Sowohl Gemeindebrandmeister Frank Friedrich Mosel als auch Bromes Samtgemeindebürgermeister Wieland Bartels machten sich ebenfalls ein Bild vor Ort. Beide zeigten sich überzeugt, dass das Übungswochenende in einer solchen Anlage, welche erstmalig in der Samtgemeinde Brome zum Einsatz kam, einen kaum bezifferbaren Mehrwert für den Ausbildungsstand und die Sicherheit der ehrenamtlich tätigen Feuerwehrkräfte habe, da die verschiedenen Übungsszenarien in hohem Maße das realistische Brandgeschehen abbilde. Je besser ein großer Teil von Atemschutzgeräteträger mögliche Gefahren erkennt und wirkungsvoll bekämpfen kann, je besser werden zukünftige Brandeinsätze abgearbeitet werden können, zeigten sich Mosel, Bartels und auch Organisator Jungermann abschließend sehr zufrieden. Ein besonderer Dank ging an die Freiwillige Feuerwehr Rühen für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und die Verpflegung für die rund 50 Teilnehmenden und Brandexperten.