Manchmal lohnt sich ein Blick in alte Akten. Bei Aufräumungsarbeiten in der Stadt- und Kreisbibliothek fand sich eine Verfügung des damaligen Bürgermeisters Fürst vom 27. März 1947. Was zunächst wie ein gewöhnliches Verwaltungsdokument erscheint, überrascht beim Lesen durch seine Aktualität.
Nur knapp zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert der Bürgermeister die Mitarbeiter der Stadtverwaltung daran, wie wichtig ein respektvoller Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern ist. Offenbar hatte es Beschwerden gegeben, denn gleich zu Beginn heißt es, dass die Bedienung der Besucher „in höflichster Form“ zu erfolgen habe.
Besonders bemerkenswert ist eine Formulierung, die auch heute noch Gültigkeit besitzt:
„Man kann auch eine abschlägige Antwort mit einem lächelnden Gesicht erteilen.“
Noch deutlicher wird die Haltung der damaligen Verwaltung in einem weiteren Abschnitt. Dort wird ausdrücklich betont, dass nicht die Bürger für die Verwaltung da seien, sondern die Verwaltung für die Bürger.
Der Bürgermeister erinnert seine Mitarbeiter daran, dass sie „Beauftragte und Vertrauenspersonen des Publikums“ seien und durch die Steuern der Allgemeinheit bezahlt würden. Gleichzeitig stellt er klar, dass Freundlichkeit nichts mit Unterwürfigkeit zu tun habe. Entscheidungen müssten selbstverständlich umgesetzt werden – aber eben nach dem Motto: „Der Ton macht die Musik.“
Fast 80 Jahre später haben sich Verwaltung, Arbeitsabläufe und technische Möglichkeiten grundlegend verändert. Doch die Grundidee dieser Verfügung ist zeitlos geblieben: Bürgernähe, Respekt und ein wertschätzender Umgang miteinander sind die Grundlage eines guten Miteinanders.
So zeigt ein kleines Schriftstück aus dem Jahr 1947, dass manche Grundsätze über Generationen hinweg Bestand haben.