Mit einer Mahnwache zum 81. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus hat das Bündnis gegen Rechtsextremismus Eschede am Freitagabend vor dem Bahnhof ein deutliches Zeichen für Erinnerungskultur, Demokratie und gesellschaftliche Verantwortung gesetzt.
Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger versammelten sich, um an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und an die Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus durch die Alliierten zu erinnern.
In den Redebeiträgen wurde der 8. Mai als historischer „Tag der Befreiung“ gewürdigt. Zugleich wurde vor aktuellen Versuchen gewarnt, die nationalsozialistischen Verbrechen umzudeuten oder zu relativieren.
Der langjährige engagierte Pastor Wilfried Manneke erinnerte in seiner Ansprache daran, dass Rechtsextreme seit Jahrzehnten versuchen, den 8. Mai als angeblichen „Tag der Niederlage“ umzudeuten. Er verwies dabei auf rechtsextreme Aufmärsche in Demmin, Wunsiedel und Bad Nenndorf sowie auf die Strategie der extremen Rechten, eine deutsche „Opfererzählung“ zu etablieren und die Verantwortung des nationalsozialistischen Deutschlands für Krieg und Vernichtungspolitik zu relativieren.
Manneke betonte, dass der 8. Mai für Demokratinnen und Demokraten ein Tag der Befreiung sei – von Krieg, Terror und menschenverachtender Ideologie. Er warnte eindringlich davor, Geschichtslügen und Verharmlosungen unwidersprochen zu lassen.
Auch der zweite Redebeitrag von Sascha Alius (Sprecher BgR) stellte die Verbindung zwischen historischer Verantwortung und aktuellen Entwicklungen in Eschede her. Dabei wurde insbesondere auf die jahrelange Bedeutung des sogenannten Heimathofes als Treffpunkt der rechtsextremen Szene hingewiesen.
Das Bündnis begrüßte ausdrücklich die aktuelle Nutzungsuntersagung des Geländes durch den Landkreis Celle. Diese Entscheidung sei ein wichtiges Signal und auch das Ergebnis jahrelangen Engagements vieler Menschen aus Eschede und der Region.
Gleichzeitig machte das Bündnis deutlich, dass damit rechtsextreme Strukturen nicht automatisch verschwinden. Anlass zur Sorge gebe weiterhin das öffentliche Auftreten von Rechtsextremen bei Veranstaltungen in Eschede. So waren Angehörige der rechten Szene zuletzt auch auf dem Weihnachtsmarkt präsent und kündigten an, künftig verstärkt bei öffentlichen Veranstaltungen auftreten zu wollen.
In der Rede wurde darauf hingewiesen, dass solche Provokationen Teil einer gezielten Strategie seien, öffentliche Räume zu besetzen und rechtsextreme Positionen gesellschaftlich zu normalisieren.
Unter Bezug auf den Auschwitz-Überlebenden Primo Levi wurde daran erinnert:
„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen.“
Das Bündnis gegen Rechtsextremismus Eschede sieht darin einen klaren Auftrag für die Gegenwart. Demokratie, Menschenwürde und gesellschaftlicher Zusammenhalt müssten täglich verteidigt werden.
Zum Abschluss der Mahnwache wurde dazu aufgerufen, Haltung zu zeigen und rechtsextremen Entwicklungen im Alltag entschieden entgegenzutreten.
„Der 8. Mai erinnert uns daran, dass Befreiung möglich ist – aber nicht selbstverständlich bleibt. Sie braucht Menschen, die hinschauen, widersprechen und handeln“, hieß es abschließend.
Das Bündnis gegen Rechtsextremismus Eschede kündigte an, sich auch weiterhin konsequent gegen Rechtsextremismus, Geschichtsrevisionismus und jede Form menschenfeindlicher Ideologie einzusetzen.