Titel Logo
Eschenblatt
Ausgabe 41/2020
Jugend & Soziales
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Schulverein Gymnasium Lachendorf

40 Jahre Solidarność

Lachendorfer und Braunschweiger bei Lech Wałęsa in Gdańsk

Am 17. September 2020 jährte sich der Gründungstag der Solidarność, der polnischen Gewerkschaft, die maßgeblich zum Ende des Sozialismus nicht nur in Polen, sondern im gesamten Ostblock beigetragen hat, zum 40. Mal. Der Mythos dieser Gewerkschaft und seines Vorsitzenden Lech Wałęsa war allemal Grund für den deutsch-polnischen Schüleraustausch des Immanuel-Kant-Gymnasiums Lachendorf, innerhalb eines Projektes zur Geschichte des Mauerfalls auch die Solidarność näher zu beleuchten.

Seit zwei Jahren hat das Immanuel-Kant-Gymnasium Lachendorf einen regelmäßig stattfindenden Schüleraustausch mit einem polnischen Gymnasium in Łódź. Er wird für 11.- und 12.-Klässlerinnen angeboten. Jedes Austauschprojekt steht unter einem bestimmten Thema. Im Rahmen des diesjährigen Austausches wurden die Transformationsprozesse in der DDR und in Polen 1989/1990 näher betrachtet. Beim Besuch der polnischen Gruppe im November 2019 beschäftigten sich die Teilnehmenden vor allem mit den Montagsdemonstrationen in Leipzig und den Gesprächen am „Runden Tisch“. Dies diente auch als Vorbereitung für die Untersuchung des Demokratisierungsprozesses in Polen. Der Besuch der Lachendorfer Jugendlichen in Polen war eigentlich für den Juni 2020 geplant gewesen, musste aber aufgrund der Corona-Krise verschoben werden. Das war auch deshalb besonders schade, weil der ehemalige Präsident Polens und Friedensnobelpreisträger Lech Wałęsa als Zeitzeuge hatte gewonnen werden können. Um diesen besonders spannenden Termin nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, machten sich die Projektleiter Katarzyna und Andreas Moser, der als Lehrer am Immanuel-Kant-Gymnasium in Lachendorf für den Austausch verantwortlich ist, in den Sommerferien auf den Weg nach Polen. In diesem kleinen Rahmen war ebenfalls eine Delegation des deutsch-polnischen Hilfsvereins POLDEH e.V. aus Braunschweig dabei, der dieses Projekt mitunterstützt.

Der ehemalige Präsident Polens zeigte sich begeistert über das Interesse der Jugendlichen an der jüngsten deutschen und polnischen Geschichte und den daraus resultierenden Projektergebnissen, die ihm präsentiert werden konnten. Er gab in der Diskussionsrunde zu verstehen, dass gerade das Aufarbeiten der Geschichte von enormer Wichtigkeit für ein gemeinsames Europa sei. Um Antworten auf aktuelle Fragen zu finden, sei die genaue Kenntnis geschichtlicher Fakten wichtig. Drei zentrale Fragen müssten dabei beantwortet werden:

  • Was soll Demokratie heißen? (Politik)

  • In welchem wirtschaftlichen System wollen wir leben? (Ökonomie)

  • Wie geht man mit Populismus und rückwärts gewandtem Denken um? (Gesellschaft)

Diese Fragen hätte Wałęsa gern mit den Jugendlichen selbst diskutiert, weswegen er sich bereit erklärte, auch zukünftige Austauschprojekte als Zeitzeuge zu unterstützen.

Der verschobene Rückaustausch zum Abschluss des Projektes ist nun für den Sommer 2021 geplant. Schüler und Projektleiter sind gespannt darauf.