Michaela Vidláková zu Gast
an der Oberschule Lachendorf
Am 22. Februar hatte die Oberschule Lachendorf ganz besonderen Besuch: Michaela Vidláková (Bildmitte, rechts Direktorstellvertreterin Nina Rittmeier, links Oberschuldirektorin Martina Backhaus) eine jüdische Überlebende des Holocaust, besuchte alle Schülerinnen und Schüler des 9. Jahrgangs und berichtete von ihrer Kindheit, die sie an einem der schrecklichsten Orte der Welt, dem Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt, verbrachte. Eindrucksvoll und ohne anklagende Worte schilderte die inzwischen 86 Jahre alte Tschechin ihre Erlebnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus. Gerade einmal zwei Jahre war Vidláková alt, als ihr Heimatland von der deutschen Armee überfallen wurde. Bereits mit sechs Jahren wurde sie in das Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Dort lebte sie bis zum Kriegsende. Erst im Mai 1945 konnte sie gemeinsam mit ihren Eltern Theresienstadt wieder verlassen. In ihrem Vortag verdeutliche Michaela Vidláková, wie sie als Kind die Einschränkungen der Nationalsozialisten empfand, welche Gefühle diese in jungen Jahren in ihr auslösten und in welcher Form diese Einschränkungen ihr tägliches Leben beeinflussten. Ob die sukzessive Ausgrenzung aus der Gesellschaft, der langsam aber stetig wachsende Hass gegenüber Juden, das Voranschreiten der Nationalsozialisten in Europa, Michaela Vidláková ließ nichts aus und berichtete über alle Ereignisse, die sie als Kind und Jugendliche erfahren musste. Den über einhundert Schülerinnen und Schülern des 9. Jahrgangs der Oberschule Lachendorf gab sie mit auf den Weg, dass sie sich für den Frieden und gegen den Menschenhass einsetzen sollen. Michaela Vidlákova appellierte zudem an die Jugendlichen, dass sich Geschichte nicht wiederholen dürfe und sich alle hierfür täglich engagieren mögen. Als Heranwachsende seien sie die Zukunft des Landes und damit hätten sie auch die Möglichkeit, die weitere Entwicklung zu beeinflussen, so Vidláková. Besonders der in den letzten Jahren wieder aufkommende Judenhass mache ihr Sorgen und insbesondere hier hoffe sie auf die Weitsichtigkeit und Intelligenz der heranwachsenden Generation. Im Anschluss an den Vortrag hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder ganz persönlich ein kurzes Gespräch mit Michaela Vidláková zu führen. Beides wurde von den Jugendlichen rege genutzt. Viele Schülerinnen und Schüler blieben bis weit nach Unterrichtsschluss, um ein paar Minuten persönlich mit der Zeitzeugin zu sprechen. Die Emotionalität der Ereignisse hatte die Schülerinnen und Schüler durchweg ergriffen, viele zeigten sich beeindruckt von der Stärke und dem Mut, den es braucht, um über seine eigene Vergangenheit in dieser Form zu sprechen. Ein Schüler der Klasse 9.2 sagte dazu: „Wenn ich ein solches Schicksal erlebt hätte, hätte ich glaube ich nicht den Mut gehabt, fremden Leuten davon zu erzählen. Das war schon sehr beeindruckend.“ Michaela Vidláková bezeichnete sich selbst als lebendiges Lehrbuch der Geschichte. Ihr sei es wichtig, aufzuklären und statische oder abstrakte Texte aus dem Geschichtsbuch lebendig werden zu lassen. Die stellvertretende Oberschuldirektorin Nina Rittmeier, die den Kontakt mit Michaela Vidláková hergestellt hatte, zeigte sich ebenfalls beeindruckt. „Gerade in den Jahrgängen 9 und 10 haben unsere Schülerinnen und Schüler viele Fragen in Bezug auf die damaligen Ereignisse in Deutschland. Holocaust, Ausgrenzung und der 2. Weltkrieg beschäftigen die Jugendlichen sehr“ erklärt Rittmeier. „Unsere Schulbücher können Fakten und Wissen vermitteln“, so Rittmeier weiter, „aber ein Bericht von einer Zeitzeugin ist unersetzbar. Diese Emotionalität und Authentizität, die ein Mensch vermittelt, der über Dinge spricht, die er selbst erlebt, selbst erlitten hat, kann kein Buch oder Film liefern." Zum Abschluss der zweistündigen Veranstaltung bedankte sich Nina Rittmeier herzlich bei Michaela Vidláková, dass diese während ihrer einwöchigen Vortragsreise auch den zusätzlichen Weg nach Lachendorf angetreten ist, um vor den Schülerinnen und Schülern der Oberschule zu sprechen. Des Weiteren verwies Rittmeier auf die gute Kooperation mit der Bildungsvereinigung ARBEIT UND LEBEN NIEDERSACHSEN OST, die den Besuch von Michaela Vidláková erst ermöglichte. „Diese Form des Geschichtsunterrichtes haben wir an der Oberschule Lachendorf erstmalig durchgeführt. Ich bin mir sicher“, so Rittmeier weiter, „dass Frau Vidlákovás besondere Biografie einen bleibenden Eindruck bei unseren Schülerinnen und Schülern hinterlassen hat.“