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Mitteilungsblatt der Samtgemeinde Flotwedel
Ausgabe 23/2020
Aus Vereinen und Verbänden
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Alte Nachrichten von Wienhausen

Herzog Georg Wilhelm. Kupferstich um 1705. Sammlung Residenzmuseum im Celler Schloss. Das Werk ist gemeinfrei (Wikipedia).

- Vor 315 Jahren starb der letzte Celler Herzog -

Am 28. August 1705 morgens früh zwischen fünf und sechs Uhr traf von Wienhausen in Celle die Nachricht ein, dass dort der hochbetagte Herzog Georg Wilhelm entschlafen sei. Schon seit dem 21. August war eine besondere tägliche Betstunde mit der Fürbitte für die Wiedergenesung des schwerkranken Herrn eingelegt, und am Abend des 27. August war bereits die von dem Archidiakonus (2. Geistlicher an einer Hauptkirche) Bohnstädt ausgearbeitete kirchliche Danksagung für des Herzogs seligen Abschied gedruckt, so dass sie in dem Morgengottesdienste in der Celler Stadtkirche am Todestage bereits verlesen werden konnte.

Verstorben ist der letzte Celler Heideherzog auf dem Jagdschloss in Wienhausen. Georg Wilhelm wurde am 26.1.1624 in Herzberg/Harz geboren. Beurkundet wurde sein Tod (Standesämter gab es damals noch nicht) im Sterbebuch 1705, Nr. 26, der Kirchengemeinde Wienhausen. Der Sterbeeintrag hat folgenden Wortlaut:

„Ihre hochfürstliche Durchlaucht Herr Georg Wilhelm Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, unser gnädiger Landesherr allhier dem fürstlichen Gartenhause gestorben den 28. August morgens kurz nach 5.00 Uhr. Begraben in dem fürstlichen Erbbegräbnis zu Zelle den 9. Sept. an welchem Tage die fürstliche Leiche des Nachmittags unter großem Gefolg von hier nach Zelle bracht. Ihres löblichen Alters 81 Jahr 7 Monate und 7 Tage.“

Unmittelbar am Tag nach dem Tod erfolgte die Leichenöffnung durch den Leibarzt zur Feststellung der Todesursache sowie die Einbalsamierung durch einen Barbiermeister des Körpers. Der Grund für das Einbalsamieren der Toten lag darin, dass die Beisetzungen meistens etliche Wochen nach dem Sterbenden stattfanden, und die Verstorbenen üblicherweise bis dahin in einem luftdurchlässigen Sarg ruhten. Die Trauergäste hatten oftmals mit Pferd und Kutsche weite Strecken zurückzulegen. Ferner musste für die Unterbringung und Verpflegung der Trauergäste und auch für die Pferde gesorgt werden. Dies beanspruchte viel Zeit und war ein Grund dafür, dass Beisetzungen erst Wochen später nach dem Todestag stattfinden konnten.

Die Beisetzung von Georg Wilhelm war am 9. Okt. 1705, nicht am 9. Sept., wie im Sterbebuch eingetragen (Quelle zu diesem Datum: Clemens Cassel -Geschichte der Stadt Celle- Dritter Teil und „Celle - Das Stadtbuch“ S. 102). Die Überführung von Wienhausen nach Celle erfolgte am 9.10.1705 um 7 Uhr abends. Neben den Leichenwagen ritten acht Offiziere, die die Stangen des Himmels (Baldachin) während der Überführung von Wienhausen bis zum Stadttor trugen. Ab dem Altenceller Tor übernahmen Celler Bürger diese Aufgabe (Anmerkung zum Altenceller Tor: wurde 1784 abgerissen. Die „Altencellertorstr.“, nahe „Kleiner Plan“, erinnert an das ehemalige Stadttor). Auf der Stechbahn wurde der Trauerzug mit dem Toten von einem Schülerchor mit einem Totengesang empfangen. Das Innere der Stadtkirche war ganz mit schwarzem Tuche ausgeschlagen. Der Sarg wurde auf einer Trauerbühne abgestellt, umrahmt von hunderten von Wachskerzen. Die Leichenpredigt hielt der Hofprediger Binder. Nach dem gemeinsamen Gesang „Mein Lauf, Gott Lob! Ist bald vollbracht“ wurde der Sarg der Fürstengruft zugeführt. Die Beisetzungsfeierlichkeit dauerte drei Stunden. Mit der Beerdigung Herzog Georg Wilhelms fand erstmals eine Beerdigung in den Abendstunden statt. Ab dem 17. Jahrhundert galten die sog. Nachtleichen als besonders vornehm.

Die Fürstengruft in der Celler Stadtkirche wurde um 1576 vom Herzog Wilhelm dem Jüngeren eingerichtet. Er hat auch 1591 in Wienhausen das Mühlengebäude (später Rathaus, heute Kulturhaus) errichten lassen. Er war der Erste, der in der Fürstengruft am 20.9.1592 beigesetzt wurde. Nach dem Tod von Georg Wilhelm hat sich die Fürstengruft nur noch dreimal geöffnet: 1722 Eleonore d`Olbreuse, Wilhelms Gemahlin; 1727 Sophie Dorothea, die Gefangene von Ahlden, Tochter von Eleonore und Georg Wilhelm; nach langer Pause die unglückliche Königin Caroline Mathilde von Dänemark im Jahre 1775.

Herzog Georg Wilhelm war bei der Bevölkerung sehr beliebt. Sie nannten ihn „Jürgen-Vadder“ (Georg = Jürgen). An einer Info-Tafel im Celler Schloss ist zu lesen: „Herzog Georg Wilhelm war ein großer Jäger und Feldherr. Die Jagd war die repräsentativste Art landesherrlicher Selbstdarstellung und galt als Vorbereitung auf den Krieg. Der Herzog verfügte über Jagdschlösser in der Göhrde, in Weyhausen und in Wienhausen.“

Männliche Nachkommen hat der letzte Heideherzog nicht hinterlassen. Nach seinem Tode fiel das Lüneburger Land an die Hannoversche Linie des Welfenhauses.

(Quelle: „Stadt - Land -Schloss als Residenz“; Schriftenreihe des Stadtarchivs u. des Bomann-Museums, Band 29; Clemens Cassel: Geschichte der Stadt Celle, III. Teil; Sachsenspiegel Nr. 1/1933; Sterbebuch 1705 der Kirchengemeinde Wienhausen).

Anmerkungen zum Jagdschloss Wienhausen
  • Die Ursprünge des Jagdschlosses sind nicht bekannt. Möglicherweise befand sich zur Gründungszeit des Klosters Wienhausen im 13. Jahrhundert eine herzogliche Niederlassung am Ort.
  • Von den Baulichkeiten des ehemaligen Jagdschlosses ist bis auf zwei Nebengebäuden, die Wassermühle, heute Kulturhaus und das herrschaftliche Krughaus, heute Mühlengrund, nichts erhalten. Nach der Kurhannoverschen Landesaufnahme des 18. Jahrhunderts stand das Schlossgebäude in einer von Wassergräben umzogenen Parkanlage. Die einzige Zufahrt zum Jagdschloss befand sich im Nordwesten in Höhe des Anwesens Hoppe.
  • Spätester Abbruch des Schlosses 1790.
  • Wenig Wahrscheinlichkeit besitzt die Annahme, dass das ehemalige Jagdschloss im Laufe des 18. Jahrhunderts abgebrochen, nach Celle überführt und dort wieder aufgestellt wurde. Das jetzige sog. „Schlösschen“ im Französischen Garten wurde bereits 1611 von Herzog Christian als Lusthaus errichtet.
  • Nur noch die Straße „Schlossgarten“, gebaut 1910, erinnert an das ehemalige Jagdschloss. (Quelle: Die Kunstdenkmale des Landkreises Celle).

Wussten Sie schon, dass …

1.)

am 2. Pfingsttag 1292 die jetzige Stadt Celle gegründet wurde?

Gründer war Herzog Otto der Strenge. Die Stadt ist heute 728 Jahre alt.

(Quelle: Celle, die alte Herzogstadt).

2.)

die Stadt Celle „an einem feinen Ort liegt“?

Matthäus Merian der Ältere, ein schweizerisch-deutscher Kupferstecher und Verleger aus der vornehmen Basler Familie Merian lebte von 1593 bis 1650 und beschrieb die Stadt Celle 1654 so: Die Stadt „ist an einem feinen Ort gelegen“, nämlich dort „da zween Ströme zusammen kommen.“ Sie sei, so berichtet er weiter, „mit breiten Wassergräben, Wällen und Außenwercken wohl befestigt, hat an der Nordseite den Allerstrom, an der anderen Seite nach dem Süden die Fuhse beyher fließen.“ Merian erwähnt „neben der guten Fischerey die Schifffahrt nacher Bremen“.

(Quelle: Celle Das Stadtbuch mit einem Beitrag von Mijndert Bertram u. Bernd Polster).

3.)

1255 Offensen erstmals urkundlich erwähnt wurde?

Der Ort existiert heute 765 Jahre und war bis 1972 selbständige Gemeinde.

Die 717-jährige Selbständigkeit von 1255 bis 1972 wurde 10 Jahre später, im Juni 1982 mit einem großen Programm gefeiert. Schwachhausen wurde bereits 1928 nach Offensen eingemeindet.

(Quelle: Kunstdenkmale im Landkreis Celle; Mitteilungsblatt Flotwedel vom 18.6.1982).

Redensart

„Geschmückt wie ein Pfingstochse“ (umgangssprachlich: übertrieben, geschmacklos herausgeputzt, aufgedonnert). Dieser Redewendung liegt ein alter Brauch besonders der süddeutschen Weidewirtschaft zugrunde. Zur Pfingstzeit wurde das Vieh wieder auf die Sommerweiden getrieben. Das erste Tier, meist ein Ochse, bekränzt und mit Bändern und Blumen geschmückt, eröffnete den Zug der Weidetiere. (Quelle: Redensarten - Herkunft u. Bedeutung, von DUDEN).

Sprüche:

-

Es ist viel einfacher, Kritik zu üben, als etwas anzuerkennen.

(Benjamin Disraeli, 1804 -1881; britischer Staatsmann u. Schriftsteller).

-

Übermaß von Kritik zeugt von Unverständnis (Gustav Flaubert, 1821 – 1880, französischer Erzähler u. Novellist).

-

Der große Reichtum unseres Lebens, das sind die kleinen Sonnenstrahlen, die jeden Tag auf unseren Weg fallen (Hans Christian Andersen, 1805 - 1875;

Dichter u. Schriftsteller Dänemarks. Berühmt durch seine zahlreichen Märchen, u. a. „Die Prinzessin auf der Erbse“; „Däumelinchen“; „Des Kaisers neue Kleider“.

Bauernweisheiten

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Ein alter Besen scheut keinen Dreck.

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Auf fremden Dielen ist gut tanzen.

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Das schlechteste Rad am Wagen macht den meisten Lärm.

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Im Juni Bauer bete, dass der Hagel nicht alles zertrete.

Und nun auch das noch

Chef zum Angestellten: „Wo waren Sie, ich habe Sie überall gesucht.“ - Angestellter: „Ja Chef, gute Mitarbeiter sind schwer zu finden.“

BMW

- Eine herzliche Bitte an den Verlag: Den Sterbeeintrag bitte so abdrucken, dass alles gut lesbar bleibt. Es handelt sich um ein historisches Dokument. Vielen Dank. -

Sterbeeintrag Nr. 26 aus dem Jahr 1705 im Kirchenbuch Wienhausen.