Die Fahrt des Landfrauenvereins Westharz (Düna, Hattorf, Hörden und Elbingerode) führte in diesem Jahr nach Einbeck und dort zunächst zur KWS. Auch einige Herren waren daran interessiert und sind deshalb mitgefahren. Auf dem Gelände der KWS angekommen, wurden die TeilnehmerInnen von Larissa Korzun und Anne von der Wense aus dem Besucherservice willkommen geheißen und zunächst in einen Seminarraum geführt.
KWS: Die Abkürzung bedeutet „Klein Wanzlebener Saatzucht“. Auch das Firmenlogo erinnert an die Gründung und den Geschäftsaufbau 1856 - 1945 in Klein Wanzleben in der Magdeburger Börde. Unternehmensgründer war der Landwirt Matthias Christian Rabbethge, der früh die Potenziale im Rübenzuckergeschäft erkannte. 1858 holte er mit der Gutsbesitzerfamilie Giesecke einen kapitalkräftigen Partner ins Unternehmen. Larissa Korzun betonte, dass KWS bis heute ein familiengeführtes Unternehmen ist, dass zurzeit von Dr. Felix Büchting in der 7. Generation geleitet wird. Die Landfrauen mussten akzeptieren, dass sie aus diesem Grunde keine Fotos machen durften.
Die Unternehmer konzentrierten sich zunächst auf die Züchtung der Zuckerrübe, 1900 wurde der erste internationale Standort der KWS in der Ukraine eingeweiht, dem damals größten Zuckerrübenanbaugebiet der Welt. 1920 begann die Züchtung von Getreide und Kartoffeln u.a. auf dem Gut Muhlendorf in Ostpommern.
Der 2. Weltkrieg ist der größte Einschnitt in der Firmengeschichte. Das Unternehmen lag in der russischen Besatzungszone und verlor somit seine Existenzgrundlage.
Im Juni 1945 transportierte das britische Militär in einer dramatischen Nacht- und Nebelaktion die Familien Rabbethge und Giesecke mit 60 Tonnen Elitesaatgut von Klein Wanzleben nach Einbeck, das bis heute Hauptsitz ist. In Einbeck wurde die Kartoffelzüchtung wieder aufgenommen. Seit 1956 gründete KWS Tochter- und Beteiligungsgesellschaften in Europa und Übersee und baute somit seine Präsenz in gemäßigten Klimazonen aus.
KWS ist der Top-Unternehmer für Pflanzenzüchtung, beschäftigt weltweit über 5.100 MitarbeiterInnen, allein am Stammsitz in Einbeck sind es über 2.200 MitarbeiterInnen aus 69 Nationalitäten, Kommunikation geschieht auch hier in englischer Sprache. Schwerpunkte sind die Pflanzenzüchtung und die Produktion sowie der Verkauf von Zuckerrüben-, Mais-, Getreide-, Gemüse-, Raps- und Sonnenblumensaatgut. KWS setzt modernste Methoden der Pflanzenzüchtung ein, um die Erträge der Landwirte zu steigern, sowie die Widerstandskraft von Pflanzen gegen Krankheiten, Stress und abiotischen Stress weiter zu verbessern. Forschung und Entwicklung des Saatgutes benötigen 10 Jahre, bis es zugelassen werden kann.
Außerdem ist KWS ein Ausbildungsbetrieb für labor- und agrartechnische sowie kaufmännische Berufe und bietet duale Studiengänge an, darauf wies Frau Korzun ausdrücklich hin.
Dem Vortrag schloss sich ein kurzer Rundgang über das Gelände an, der das bislang Gehörte anschaulich vertiefte: 21.000m² Gewächshausfläche, 28.000m² Folienhausfläche und 5.350m² Labor- und Kulturfläche auf einer Gesamtnutzfläche von 140.000m² Gelände hinterließen bei den Landfrauen einen bleibenden Eindruck.
Nachdenklich und beeindruckt zugleich verabschiedeten sich die Frauen und Männer bei dem Besucherservice und ließen sich vom Bus in die Innenstadt fahren, wo im Brodhaus das Mittagessen wartete und auch das Erlebte zur Sprache kam.
Nach der Mittagspause schloss sich eine weitere spannende Führung an, jetzt durch das historische Einbeck, bekannt als Hanse- und Fachwerkstadt. Besonders bedeutsam ist das Bier. Im Jahre 1351 sind die ersten Exporte des Einbecker Bieres belegt, von da an bis ins 15. Jahrhundert begann das Goldene Zeitalter für Einbeck. Selbst Martin Luther hat sich Einbecker Bier zu seiner Hochzeit bestellt. Er soll gesagt haben: „Der beste Trank, den einer kennt, der wird Einbecker Bier genennt.“
Auf dem Weg nach Hause waren sich alle einig, dass sich eine Fahrt nach Einbeck unbedingt lohnt. Text u. Bilder: Keil