Manchmal zeigen gerade die alltäglichen Dinge, ob ein System funktioniert. Im Landkreis Göttingen scheint die Sperrmüllabholung derzeit nicht unbedingt dazu zu gehören.
Daher stellt sich mir inzwischen eine Frage: Bereut der Landkreis die Vergabe der Müll- und Sperrmüllabholung an die Firma Fehr-Knettenbrech mittlerweile selbst?
Die Frage kommt nicht von ungefähr. Immer wieder berichten Bürger von nicht geleerten Glascontainern, stehen gebliebenen Mülltonnen oder ausgefallenen Abholterminen. Was früher weitgehend unauffällig funktionierte, sorgt inzwischen zunehmend für Unmut.
Mein eigener Fall begann am 6. Mai mit einer regulären Sperrmüllanmeldung. Beim vereinbarten Termin wurden lediglich Metall und Elektroschrott abgeholt, der eigentliche Sperrmüll blieb stehen. Auf Nachfrage wurde mir zunächst mitgeteilt, die Abholung sei erfolgt und sogar fotografisch dokumentiert worden. Erst nachdem ich eigene Fotos des weiterhin vor dem Haus liegenden Sperrmülls vorlegte, wurde eine Nachabholung zugesagt.
Doch die folgenden Wochen waren geprägt von angekündigten, verschobenen oder schlicht nicht stattfindenden Terminen. Hinweise zur korrekten Sortierung des Sperrmülls erhielt ich reichlich - eine tatsächliche Abholung dagegen nicht.
Da der Sperrmüll nicht dauerhaft auf dem Gehweg liegen konnte, lagerte ich ihn schließlich auf einem Anhänger. Als Mitarbeiter der Firma Fehr-Knettenbrech schließlich erschienen, verweigerten sie die Mitnahme aus versicherungstechnischen Gründen. Nach einem weiteren Telefonat wurde ein neuer Termin vereinbart, verbunden mit der Auflage, den Sperrmüll wieder abzuladen und bereitzustellen.
Auch dieser Termin verlief erfolglos. Später hieß es, die Mitarbeiter hätten keinen Sperrmüll vorgefunden. Tatsächlich lag dieser bereits seit dem Vortag gut sichtbar an Ort und Stelle.
Schließlich sollte ich einen neuen Antrag stellen, weil die Fahrer bereits mehrfach vor Ort gewesen seien. Auch dieser Weg (direkt über die Abfallberatung des Landkreises) führte zunächst nicht zum Erfolg. Erst auf erneute Nachfrage wurde mir mitgeteilt, es habe eine „Misskommunikation beziehungsweise Missverständnisse“ gegeben. Die Firma sei davon ausgegangen, dass ich einen neuen Antrag über das Online-Portal stellen würde. Deshalb sei die Abholung nicht in die Tour aufgenommen worden.
Für diesen Fehler wurde um Entschuldigung gebeten. Gleichzeitig teilte die Abfallberatung mit, die nächste reguläre Tour finde erst Ende Juni statt. Die Firma Fehr-Knettenbrech komme mir jedoch entgegen und biete eine Abholung am 17. Juni an. Ob dieser Termin eingehalten wird, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.
Die eigentliche Frage geht jedoch über meinen Einzelfall hinaus. Es geht um den Umgang mit Bürgerinnen und Bürgern, die Gebühren zahlen und erwarten dürfen, dass vereinbarte Leistungen zuverlässig erbracht werden.
Vor allem stellt sich die Frage, warum ein System ersetzt werden musste, das über Jahre weitgehend problemlos funktionierte. Wirtschaftlichkeit ist zweifellos wichtig. Sie sollte sich jedoch nicht allein am günstigsten Angebot messen lassen, sondern auch daran, ob die versprochene Leistung am Ende tatsächlich erbracht wird.
Denn was nützt die beste Ausschreibung, wenn der Müll liegen bleibt?