Man muss nicht Goethe oder Schiller heißen, um einzigartige Briefe zu schreiben...
Zu einer Zeit, als Schreiben annähernd der einzige Weg zur Übermittlung von Informationen war, verfasste das Ehepaar Odernheimer jeder über 600 Briefe, die sie während des Krieges als Feldpost verschickten.
Sie hatten die Briefe durchnummeriert, und konnten so feststellen, dass keiner verloren ging.
Horst Odernheimer war zu der Zeit als Soldat in der Ukraine, in Angerburg ( Ostpreußen ) und in Berchtesgaden.
Die Heimatpflegerin Irmlinde Florian, geb. Odernheimer, stellte gemeinsam mit dem Gemeindearchiv einen Teil der Gedichte ihrer Mutter Irmgard vor, die in der Kriegszeit in Dresden und im Kurort Rathen wohnte.
Diese Briefe wurden von vor über 80 Jahren geschrieben.
522
Rathen, am 29.10.44
Badefest
Irmgard spricht:“ das Jahr ist um,
in die Wanne muss ich drum!
Endlich muss ich einmal baden
und den Flohzirkus abladen.“
Und sie füllet ganz geschwinde
sich die Wanne von Irmlinde.
In die Wanne – ziemlich klein –
passt sie grade so hinein.
Doch im Drange sich zu schwemmen
lässt sie sich durch gar nichts hemmen.
Einmal dreht sie voll Entzücken
sich im Wasser auf den Rücken,
und dann wieder auf den Bauch,
denn der liebt die Wärme auch!!
Schöner wär´s und sehr von Nutzen,
kämst du ihr den Rücken putzen,
1., weil das Ehebrauch,
1. freut ein das ja auch!!