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Hüt un Lüd
Ausgabe 6/2026
Vereine und Verbände
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Vereine und Verbände

Hotspots des Hygienemülls und „Orte ohne Örtchen“

Naturpark Lüneburger Heide setzt sich für nachhaltige Sanitärversorgung ein

Es ist pikant und es betrifft besonders Frauen: Was tun, wenn man in der Natur unterwegs ist und die Blase drückt? Der Naturpark Lüneburger Heide will das Thema angehen und erarbeitet zurzeit eine Konzeptstudie zur nachhaltigen Sanitärversorgung und gegen Hygienemüll in der Landschaft. Das Ziel: Der Naturpark will die Hotspots des Hygienemülls hinter Wacholdern oder Büschen identifizieren, will herausfinden, wo die dringendsten Bedarfe an einer Sanitärversorgung liegen und will nachhaltige Lösungen mit den beteiligten Kommunen finden. Kurzum: Es soll weniger „Orte ohne Örtchen“ geben.

„Es gibt zu diesem Thema keine systematische Erhebung“, erklärt die Geschäftsführerin des Naturparks Hilke Feddersen. „Wir nähern uns darum mit einer breit angelegten Befragung an, an der jeder teilnehmen kann. Besonders sind wir natürlich auf die Kommunen, Touristiker:innen und alle angewiesen, die beruflich draußen unterwegs sind und ihre Gebiete und Problemzonen kennen.“

Die erste Befragungsphase über die Kanäle des Naturparks ist vorüber, und mehr als 70 Mitteilungen sind bislang eingegangen. Diese Meldungen sind nunmehr alle eingetragen auf einer digitalen Karte, auf der die Standorte öffentlich eingesehen, bewertet und kommentiert werden können. Diese interaktive Karte ist hier erreichbar: https://padlet.com/ecostop/

Der Naturpark ruft alle Einheimischen und Gäste auf, sich auf der Karte ein Bild dere Lage zu machen und munter sachdienliche Kommentare dazulassen, um noch genauere Informationen über die Gegebenheiten und Bedarfe zu bekommen. „Wenn jemand einen Bedarf erkennt, der noch nicht auf der Karte eingetragen ist, kann er den Standort gerne melden“, sagt Hilke Feddersen. Dazu lässt der Naturpark das ursprüngliche Umfragetool noch bis auf Weiteres geöffnet, sodass über den Link https://eco-stop.limesurvey.net/bedarfe-hotspots weiterhin alle Hinweise rund um die Sanitärversorgung im Naturpark Lüneburger Heide gemeldet werden können. Hinweise sind auch jederzeit per Mail an eco-stop@naturpark-lueneburger-heide.de möglich. Es geht um fehlende Toiletten, verschlossene Toiletten, nicht barrierefreie Angebote, benutzte Feuchttücher, Windeln oder unangenehme menschliche Hinterlassenschaften in der Landschaft und ähnliche Missstände. Erste Ergebnisse haben bereits auffällige Mehrfachnennungen in touristisch geprägten Gebieten ergeben - so sind etwa in Niederhaverbeck, Schneverdingen oder im Bereich Büsenbachtal/Brunsberg und in der Kronsbergheide bei Amelinghausen verstärkt Bedarfe zu verzeichnen.

„Wir wollen natürlich perspektivisch auch zu Lösungen kommen“, sagt Hilke Feddersen. Die sollen möglichst genau auf die Bedarfe der einzelnen Standorte zugeschnitten sein. Darum sei Teil der Konzeptstudie auch, eine Matrix des Möglichen zu entwickeln. Wo ist einfach Bildungsarbeit angesagt, wo hilft ein eindeutiges Schild, wo müssen Bedarfe von Menschen mit Behinderung besonders berücksichtigt werden, wo ist der Bedarf groß genug für ein umfassendes WC-Angebot, wo gibt es Wasserversorgung und wo nicht? All diese Fragen sollen bis Ende Oktober aufgearbeitet werden. Das Ziel ist ein Katalog für Kommunen, der alle Eigenschaften und Eckwerte von möglichen Lösungen verständlich zusammenfasst und als Leitfaden dienen kann.

Doch der Naturpark will mehr: „Im Moment ist es außerhalb von Pilotprojekten nicht erlaubt, kompostierte menschliche Hinterlassenschaften auf die Felder auszubringen, obwohl sie wichtige Stoffe wie Phosphor, Stickstoff oder Kalium enthalten und guter Dünger wären“, erläutert Feddersen das Problem der fehlenden Kreislaufwirtschaft. Sie berichtet von Erfahrungen anderer Naturparks, die spätestens bei der Aufgabe, wo „der Mist“ hingebracht werden soll, nicht weiterwissen und ihn dann als Restmüll entsorgen. „Dazu ist das Material aber viel zu wertvoll.“ Große Hoffnung setzt sie für die umfassende Umsetzung von Klo-Projekten auf eine der sehr wenigen Kompostierungsanlagen in Deutschland, die sich just innerhalb der Naturpark-Grenzen befindet - in der Samtgemeinde Hanstedt. Je nachdem, ob und wie viele neue Toilettenstandorte es geben wird und ob sie als Kompost-Toiletten betrieben werden oder nicht, könnte hier eine Kooperation sehr hilfreich sein, um den Kreislauf zu schließen.

Hilke Feddersen
Naturpark Lüneburger Heide

Weitere Infos zum Naturpark Lüneburger Heide, seinen Aufgaben und Angeboten finden Sie auf der Internetseite www.naturpark-lueneburger-heide.de.

 

Müssen müssen im Grünen: Ein Beispiel, wie eine nachhaltige öffentliche Sanitärversorgung dort aussehen kann, wo Infrastruktur fehlt aber der Bedarf groß ist. © Naturpark Lüneburger Heide/Kompotoi

 

Nicht schön: Hygienemüll in der Natur (Illustration). © Naturpark Lüneburger Heide