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Ausgabe 2/2026
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Nur, wenn nicht im Programm des Kulturvereins

Ein Glücksroman

Evi Hansen kann es nicht fassen. Nach 31 Ehejahren verlässt ihr Mann sie ohne ein Wort. Um sich neu zu erfinden, zieht sie in einen Wohnwagen direkt an den Dünen und lässt sich vom Rauschen der Wellen beruhigen und sie hat eine Idee: Um wieder Leidenschaft in ihr Leben zu bringen, kommt sie auf die originelle Idee, eine Ü50-Fußballmannschaft für Frauen zu gründen.

Auf ihren Aushang im örtlichen Edeka melden sich tatsächlich neun Spielerinnen. Das Training ist eine Herausforderung, doch die ungewohnte Bewegung wirbelt das Leben der Frauen durcheinander: Neue Lieben entstehen, alte werden beendet oder runderneuert, und ein paar Überraschungen gibt es auch noch. Als schließlich Evis Mann wieder auftaucht, sind die Turbulenzen perfekt …

https://www.shz.de/lokales/sylt/artikel/faszination-sylt-claudia-thesenfitz-legt-10-sylt-roman-vor-48578604

Jetset oder Camping – Erfolgsautorin entdeckt Superfrauen auf Sylt

Von Stephan von Kolson | 11.04.2025, 09:26 Uhr

Nur, wenn Platz ist!!!

Faszination Sylt: Von Jet-Set, Campen in Kampen bis zum Schreiben für Nena und Uwe Ochsenknecht. Aber erst auf der Insel hat die Bestsellerautorin Claudia Thesenfitz eine eigene Stimme gefunden.

Claudia Thesenfitz lebt und schreibt an der Nordseeküste. Bevor sie ihre erfolgreiche Sylter Glücksroman-Reihe ins Leben rief, die mittlerweile zehn Bände umfasst, hat sie als Journalistin gearbeitet und die Autobiografien von und mit Nena (2005, Luebbe), Dieter Wedel (2008, Luebbe) und Uwe Ochsenknecht (2013, Luebbe) geschrieben. Ihre Glücksroman-Reihe hat sich bislang über 400.000 mal verkauft.

„Sylt oder Selters“, „Sylt oder solo“ oder „Sylt oder Süßes“ - und jetzt ganz neu „Die Superfrauen von Sylt“. Wer auf Sylt leicht und flott, mit Humor und dennoch mit Tiefgang über Sylt lesen möchte, kommt an einer Autorin im Buchladen nicht vorbei, die in Wirklichkeit in Sankt Peter-Ording lebt. Zehn sogenannte Glücksromane hat Claudia Thesenfitz in den vergangenen zehn Jahren geschrieben. Seit 2015 zieht es die 57-Jährige immer wieder auf der Insel. Angefangen habe das mit einem „vermögenden Menschen aus Kampen“, über den Thesenfitz eine Biografie schreiben sollte. Es ist ihr erster so richtiger Kontakt mit Menschen, die wirklich ein Jet-Set-Leben führen. „Das war mein Sylt-Start“. Doch schnell lernt Thesenfitz auch ein anderes Sylt kennen. „Schon Wenningstedt oder Westerland sind ja ganz eigene, ganz andere Welten.“

Der Sylt-Zauber war sofort da

Direkt bei ihrem ersten Besuch ist der Sylt-Zauber da. „Ich war erstaunt, wie unglaublich schön diese Insel ist.“ Das Licht, die Gischt. „Alles wie mit einem Weichzeichner bearbeitet. Und unter der Regie von David Hamilton inszeniert.“ Dazu die edlen Restaurants, gleichzeitig die Dose Bier in den Dünen. Strandsaunen, Nacktbaden in der grünen Brandung. Diese totale Freiheit, die Sylt ausstrahlt und ermöglicht.

Sie kennt aber auch all die Knallhart-Themen, die die Insel umtreiben. Erbschaftssteuer, ungenehmigte Ferienwohnungen, Wohnungsnot, Preise, die mit dem Alltagsleben echter Menschen kaum noch etwas zu tun haben können. Für gebürtige Hamburgerin ist das auch so etwas wie der Blick in die Glaskugel bezogen auf ihren eigenen Wohnort in Sankt Peter-Ording. 3000 Menschen würden dort dauerhaft leben. Doch das Touristenbild ändere sich gerade. Viele Porsche Cayenne gebe es inzwischen. Und eine unendliche Reihe von Bullis und Wohnmobilen.

„Bei dem Thema schlagen Lektorinnen die Hände über dem Kopf zusammen.“

Claudia Thesenfitz

Autorin der Glücksromane

Wer Bücher von Thesenfitz in einem Buchladen sucht, der findet sie häufig in einer Literatur-Ecke, die eigentlich keine ist - und in der sie sich selber auch nicht sieht. Ihre Themen seien zwar leicht und mit Tempo erzählt, zugleich würde sie aber Inhalte wie Angststörungen, narzisstische Partner oder Umweltschutz in den Mittelpunkt rücken. Und das gerne verpackt in einen Stoff, der als schwer verkäuflich gelte, sagt Thesenfitz und blinzelt in Richtung ihres jüngsten Buches: Bei den „Superfrauen von Sylt“ gründet eine Horde von Frauen zwischen Ende 40 und Ende 60 eine Frauenfußballmannschaft. Klare Sache: „Ein Thema, bei dem Lektorinnen direkt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.“ Aber es sei eben nicht ihr Ding, die 15. Strandflieder-Phantasie zu schreiben. „Phantasie ja, aber eben nicht unrealistisch oder kitschig.“

Tempo ja, Gelaber, nein!

Am Ende geht übrigens auch das neue Buch so aus, wie Thesenfitz es am liebsten hat: Ja, sicher mit Happy End. „Ich sehe überhaupt nicht ein, warum ich Leser in eine Depression stürzen sollte“, sagt Thesenfitz. „Mir geht es um Leichtigkeit.“ Und gleichzeitig um die Botschaft - immer garniert mit Humor.

In ihrer Jugend wollte sie übrigens noch Rockstar werden. „Aber dafür gab es irgendwie keine Ausbildung.“ Dennoch lernt sie Keyboard und Gitarre, Leadsängerin ist sie sowieso.

Lieber eigene Geschichten erzählen

Sie wird Praktikantin beim Zeitgeist-Monatsmagazin Tempo. Damals Schmelztiegel für den wirklich heißesten Journalismus, den die Republik Ende der 80er Jahren zu bieten hatte. Später wechselt sie zum Frauen-Magazin Petra, wird Ressortleiterin. Als sie zur stellvertretenden Chefredakteurin aufsteigen soll, kündigt sie: „Es wurde langweilig.“

Bei einem Interview lernt sie Nena kennen. Die beiden werden so etwas wie Freundinnen. Auch mit Dieter Wedel arbeitet sie zusammen - und schreibt dessen Leben auf. Nachdem sie auch noch die Lebensgeschichte von Uwe Ochsenknecht verewigt hat, ist allerdings Schluss mit diesem beruflichen Lebensabschnitt. „Ich wollte nicht mehr anderer Leute Geschichten erzählen. Keinen anderen Stil mehr, mich nicht mehr bevormunden lassen bei Begebenheiten, bei denen ich ohnehin nicht dabei war.“

Unter der Dusche fällt ihr dann der Plot zu ihrem ersten Glücksroman „Sylt oder Selters“ ein: Frau mittleren Alters merkt, dass sie kraft ihrer Arbeit nicht mehr in den Genuss eines Jet-Set-Lebens kommen wird. Sie zeltet nachts auf dem Campingplatz in Kampen, tagsüber ist sie auf Millionärsjagd. Für Thesenfitz ist es der Auftakt zu einer Buchreihe, die sich bereits eine halbe Million mal verkauft hat.

Dem Campingplatz in Kampen ist Thesenfitz bis heute eng verbunden. „Da kann jeder genau dort wohnen, wo am liebsten auch jeder Millionär gerne einen Platz für seine Immobilie hätte“, sagt die Schriftstellerin. „Und das ab 15,50 Euro die Nacht.“